Söder-Absage an Schwarz-Grün: „Ich kann mir echt nicht vorstellen, auch noch Ricarda Lang als Ministerin zu sehen“
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Soviel Harmonie war selten zwischen CDU und CSU. Bei seiner traditionellen Gast-Rede auf dem CDU-Bundesparteitag in Berlin gab sich CSU-Chef Markus Söder regelrecht handzahm. „Ohne einander geht es nicht“, rief Söder am Dienstagnachmittag gleich zu Beginn in den Saal des Estrel-Hotels in Neukölln. „Wir sind untrennbar miteinander verbunden. Wir stehen zueinander.“ Wenn Politiker sich gegenseitig so etwas versichern, ist Vorsicht angebracht, doch diesmal lieferte auch Bayerns Ministerpräsident keine unbekömmlichen Spitzen nach. In keiner Ampel-Partei habe ein Parteichef so einen Rückhalt wie CDU-Chef Friedrich Merz, der bei seiner Wahl am Vortag wohl etwas mehr Zuspruch erwartet hatte, als die 89,81 Prozent, die er dann am Ende bekam. 90 Plus X war eigentlich die interne Messlatte gewesen.
Aber die Zusammenarbeit von CDU und CSU und von ihm und Merz sei bestens, lobte Söder. „Wir hatten nicht erwartet, dass es so reibungslos läuft. Eine faire, vertrauliche und sogar freundschaftliche Zusammenarbeit“ sei es inzwischen, so Söder. Nur in einem Punkt wurde der Bayer deutlicher als der CDU-Chef bei seiner Rede am Vortag: „Ich kann mir echt nicht vorstellen, auch noch Ricarda Lang als Ministerin zu sehen. Ich bin skeptisch und gegen Schwarz-Grün! Sorry, wenn ich das einmal so deutlich an der Stelle sage.“

Grünen-Ikone Ricarda Lang
Und dann noch ein klassischer Söder: „Großen Respekt vor den Ländern, wo es gut läuft“. Er wolle da niemandem reinreden. Ganz die formvollendete Höflichkeit gegenüber NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther, die beide mit den Grünen regieren und sich auch - anders als Merz - mehrfach für dieses Modell im Bund ausgesprochen hatten. Söder gibt vor dem rhetorischen Tiefschlag gern den Freundlichen. „Wir wollen keine Grünen in der nächsten Bundesregierung sehen!“
Damit sprang er nicht nur Merz in perfektem politischem Gleichklang zur Seite, sondern watschte auch noch jene beiden CDU-Granden ab, die dem CDU-Chef beim Griff nach der Kanzlerkandidatur gefährlich werden könnten und mit ihren Zwischenrufen die ersehnte Harmonie in der Partei stören. Günther bekam dann noch eine Extra-Lektion von der Kanzel herab. Man sei ja fast immer einer Meinung (Klassiker zum Zweiten!), „lieber Daniel Günther. Ob die Union aber mit der Linkspartei neue beste Freunde werden … Ich bin da etwas skeptisch.“ Die Königsklasse im stilvollen Versenken! Feixen und Johlen im Saal, wo Günthers per Interview im Vorfeld übermittelte Koalitionsempfehlungen für die ostdeutschen Landesverbände ohnehin nicht gut angekommen waren.

Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU)
Anders, als noch gelegentlich zu Zeiten der abwesenden Kanzlerin Angela Merkel war Söders Auftritt eher launig, kämpferisch, hatte aber nichts von Konkurrenz oder gar Rede-Duell. Sein bekanntes Nummern-Programm heiterte den verbissen um Spiegelstriche im Grundsatzprogramm ringenden Parteitag sichtlich auf. Er halte nichts von „Woke“, sagte Söder. Über einen „Wok“ könne man reden, wenn man gern asiatisch ist. Er habe in dieser Woche sogar eine vegane Wurst probiert und könne nur sagen: „Lasst es!“
Um zum Schluss dann wieder die Harmonie-Orgel anzuwerfen: „Konservativ entspricht dem Zeitgeist. Lasst uns um die Mehrheit der Menschen kümmern. Mehr Schutz, mehr Sicherheit und mehr Stabilität gewährleisten. Die Ampel kann es einfach nicht. Deshalb muss dieses Experiment Ampel beendet werden. Zeit für ein' Wechsel!“ Alles was auf Rückkehr ins Kanzleramt hoffende Oppositionsleute hören wollen. „Es kann alles wieder besser werden. Wir wollen dieses Land wieder auf Erfolgskurs führen. Gott schütze die Union! Gott schütze Bayern! Gott schütze Deutschland!“
Fehlte nur das „Amen“.
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Ralf Schuler
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