Spannende Landtagswahlen: Wie gefährlich wird 2026 für die „Brandmauer“?
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Fünf Landtagswahlen, ein Jahr – und eine politische Machtkonstruktion, die ins Wanken geraten könnte: die sogenannte Brandmauer. Was über Jahre als fester Konsens galt – keinerlei Zusammenarbeit mit der AfD –, wird 2026 in mehreren Bundesländern praktisch unter Stress gestellt. Nicht in Talkshows, nicht in strategischen Papieren, sondern in der Wirklichkeit parlamentarischer Mathematik.
Denn das Superwahljahr ist nicht nur ein Stimmungstest für die parteipolitische Landschaft. Es ist ein Stresstest für die Frage, ob der Ausschluss der AfD politisch und rechnerisch dauerhaft durchzuhalten ist – oder ob es für sie sogar für eine absolute Mehrheit reicht.
Die Termine im Überblick:
- Baden-Württemberg: 8. März 2026
- Rheinland-Pfalz: 22. März 2026
- Sachsen-Anhalt: 6. September 2026
- Berlin (Abgeordnetenhauswahl): 20. September 2026
- Mecklenburg-Vorpommern: 20. September 2026
Ausgangslage: Wenn Mehrheiten brüchig werden
Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern – überall zeichnen sich unterschiedliche Konfliktlagen ab. Zudem verschieben neue Kräfte wie das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) die Verhältnisse – für traditionelle Parteien wird es schwieriger, besonders im Osten erzielt die AfD in Wahlumfragen Rekordergebnisse.
Die Demokratie spricht hier eine deutliche Sprache, die die Logik der „Brandmauer“ nur um den Preis der Aushebelung des Bürgerwillens aufrechterhalten kann:

In Sachsen-Anhalt käme die AfD laut Insa-Umfrage auf 40 Prozent der Wählerstimmen, Stand: 15.10.25.

In Mecklenburg-Vorpommern erreicht die AfD laut Insa-Umfrage 38 Prozent der Wählerstimmen, Stand: 25.9.25.
Was passiert, wenn die AfD Richtung Mehrheit marschiert?
Besonders zugespitzt stellt sich die Lage in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern dar. Hier bewegt sich die AfD laut Umfragen in Regionen, die realistische Alleinregierungen zumindest denkbar machen. In Sachsen-Anhalt steht sie bei rund 40 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern bei 38 Prozent.
Die Frage, die sich daraus ergibt, ist: Was passiert, wenn eine Partei, die gemäß Brandmauer-Erlass niemand in einer Koalition sehen will, faktisch zur stärksten Kraft wird – womöglich mit großem Abstand?
Drei Szenarien sind realistisch:
- Alle gegen die AfD: instabile Mehrheiten, heterogene Zweckbündnisse, wachsendes Misstrauen in die Logik des Parteienstaats, Vorwurf undemokratischer Vorgehensweise. Dieses Modell wird aktuell in Thüringen praktiziert, wo die CDU mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht regiert.
- „Tabubruch“: punktuelle Kooperationen oder Duldungen – ohne Koalitionsvertrag, aber mit faktischen Abhängigkeiten.
- Minderheitsregierungen: abhängig von wechselnden Duldungen, politisch eher fragil – wobei sie in Schweden und Finnland erfolgreich praktiziert werden.
Lesen Sie dazu auch: Wenn „Rechtspopulisten“ mitregieren: Was passiert in Ländern, in denen es keine „Brandmauer“ gibt?
Beispiel: AfD, Rundfunkkritik und Ulrich Siegmund
Die Welt beschreibt aktuell den sachsen-anhaltischen AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund als Politiker, der von der Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk stark profitiert – und sie aus dem Landtag geschickt auf TikTok platziert, wo er enorme Reichweiten erzielt und ihm die Herzchen nur so zufliegen. Was war passiert? Die AfD hatte dort die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge gefordert. Viele Anhänger kommentieren offen den Wunsch nach einer absoluten Mehrheit. Siegmund könnte rechnerisch so stark werden, dass gegen die AfD kaum noch Koalitionen möglich sind: Es fehlen nur wenige Prozentpunkte, abhängig davon, wie viele Parteien an der Fünfprozent-Hürde scheitern.
Siegmund war auch schon bei NIUS im Interview.

NIUS-Politikchef begrüßte den AfD-Spitzenkandidaten in Schulzens Brauerei in Tangermünde.
Ambivalenz des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW)
Das Bündnis Sahra Wagenknecht spielt in den Landtags-Konstellationen eine ambivalente Rolle. Einerseits könnte es für politische Lager, die keine AfD-Kooperation wollen, neue Mehrheiten eröffnen. Andererseits entstehen Konstellationen, in denen rechnerisch nur zwei Wege bleiben: mit der AfD – oder mit dem BSW, das in Teilen seiner Wählerschaft in ähnlichen Milieus fischt.
Parteien unter Druck: Realität vs. Dogma
Die CDU hat sich unter Friedrich Merz festgelegt: keine Zusammenarbeit. Doch in den Ländern entscheidet am Ende nicht der Parteivorsitzende, sondern die Realität. Ministerpräsidenten, Landeschefs, Fraktionsführer tragen Verantwortung für Regierbarkeit, nicht das Ideologieset der Bundeskoalition in ihrem „Kampf gegen Rechts“.
Die psychologische Dynamik: Normalisierung durch Alltag
Brandmauern stürzen nicht spektakulär ein. Sie erodieren. Es beginnt mit Sachfragen, mit Ausschussvorsitzen, mit punktuellen Abstimmungen. Dann entstehen Argumente:
- „Das ist keine Zusammenarbeit, nur eine Abstimmungssituation.“
- „Es geht um konkrete Inhalte, nicht um Ideologie.“
- „Wir dürfen den Wählern nicht erklären müssen, warum nichts funktioniert.“
So wandelt sich Tabu in Routine. Und Routine bedeutet Normalisierung. 2026 wird zeigen, ob es dazu kommt – oder ob man an Dogmen festhält, die unter vielen Deutschen, inzwischen auch Prominenten, längst auf Unverständnis stoßen.
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Felix Perrefort
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