Spektakuläres Grenz-Video: Tschechen-Polizei treibt Migranten Richtung Deutschland
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Ende Oktober taucht ein spektakuläres Video in den sozialen Netzwerken auf: Es zeigt eine Gruppe von Migranten, die vor der tschechischen Polizei in Richtung Deutschland davonrennt. Die Bundespolizei greift die Syrer später auf. NIUS hat den Fall recherchiert, der beispielhaft zeigt, was derzeit an unseren Grenzen los ist.
Zahlreiche südländisch aussehende Personen rennen aufgeschreckt durch die Gassen einer tschechischen Kleinstadt. Ihnen auf der Spur ist ein örtlicher Polizeiwagen, der sein Blaulicht angeschaltet hat. Sonderlich eilig scheinen es die Beamten aber nicht zu haben. Die Migranten joggen in Richtung der deutsch-tschechischen Grenze.
Treibjagd nach Deutschland?
Dem Tross folgt ein weiteres Auto, aus dem die Szenerie verwundert gefilmt wird. Das Video der Aktion landet Ende Oktober auch in sozialen Kanälen in Deutschland, versehen mit dem Vorwurf: Hier hätte die tschechische Polizei Migranten bewusst in Richtung deutsche Grenze getrieben, wo sie die Bundespolizei aufgegriffen hätte. Hier sehen Sie das Video:
Was ist dran an den Vorwürfen?
NIUS fragte bei der Polizei in Tschechien nach, die Auskunft über das Geschehen gibt: Demnach hätten tschechische Beamte am 25. Oktober gegen 13 Uhr eine Meldung erhalten, dass in der Ortschaft Mikulášovice, nahe der deutschen Grenze, Migranten aus der Ladefläche eines Lieferwagens springen würden. Der Wagen hätte zuvor eine Reifenpanne erlitten.
Sowohl der Fahrer als auch die Migranten seien sofort geflohen. Die Polizei startete eine Suchaktion, zum Teil sogar mit Luftunterstützung. „Da wir Informationen erhielten, dass eine Gruppe von mehr als 30 Personen im Begriff war, die Staatsgrenze zu Deutschland zu überqueren, informierten wir auch die zuständigen Behörden auf deutscher Seite“, schreibt die tschechische Polizei.
Schlepper in Tschechien festgenommen, ein Strafverfahren läuft bereits
Auf ihrer Seite der Grenze werden drei Syrer, der Fahrer des Lieferwagens und drei weitere ausländische Staatsbürger festgenommen. „Nach den bisherigen Erkenntnissen vor Ort sollten die Migranten unter unmenschlichen Bedingungen in einem Transporter ohne Fenster und Sitze, ohne ausreichende Luftzufuhr und ohne Zugang zu Wasser und Nahrung transportiert werden“, heißt es weiter von der tschechischen Behörde.
Im Zusammenhang mit diesem Fall läuft derzeit in Tschechien ein Strafverfahren gegen die vier Männer mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die „der Organisation und Beihilfe zum illegalen Überschreiten der Staatsgrenze verdächtigt werden“. Sollten sie vor Gericht für schuldig befunden werden, drohe ihnen eine Höchststrafe von acht Jahren Freiheitsentzug.
Gleichzeitig tauchte in den sozialen Netzwerken ein weiteres Video auf, dass das Geschehen aus deutscher Perspektive zeigt. Ein Autofahrer filmte, wie die Polizei eine große Gruppe von Migranten stoppte.
Handelt es sich um dieselbe Gruppe?
Die Polizeidirektion Dresden kann gegenüber NIUS das Video dem 25. Oktober zuordnen: Beamte der Polizeidirektion hätten in der Nähe von Saupsdorf in Sachsen mehrere illegal eingereiste Personen festgestellt. Der 430-Einwohner-Ort liegt direkt gegenüber von Mikulášovice, dem tschechischen Grenzort. Anschließend sei die Bundespolizei hinzugezogen worden.

Die Orte an der deutsch-tschechischen Grenze liegen sich direkt gegenüber.
Die tschechische Polizei spricht von 39 Syrern, die später auf der deutschen Seite festgestellt wurden.
Auf Nachfrage von NIUS bei der Bundespolizei wird diese Zahl sogar nach oben korrigiert: Demnach stellten die Beamten am 25. Oktober 43 Personen syrischer Nationalität fest. An Spekulationen, ob die tschechische Polizei die Migranten bewusst nach Deutschland getrieben hat, will sich die Bundespolizei jedoch nicht beteiligen. Die Syrer seien später an die zuständigen Landesbehörden weitergeleitet worden, teilt ein Sprecher mit. Die nächste Erstaufnahmeeinrichtung liegt in Dresden.
Wieder ist es 43 Personen gelungen, Asyl in Deutschland zu beantragen.
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