Stark gestiegene Kosten für Weihnachtsmärkte: „Was unsere Innenstädte lebendig macht, steht zunehmend auf der Kippe“
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- Kostenexplosion: „Um durchschnittlich 44 Prozent“ sind die Kosten für Stadtfeste & Co. in drei Jahren gestiegen – 57 Prozent der Veranstalter mussten schon kürzen oder absagen.
- Verantwortung nach unten durchgereicht: „Terrorabwehr ist eine staatliche Aufgabe“, warnt Stadtmarketing-Chef Gerold Leppa – doch Behörden wälzen Poller, Sperren und Sicherheitslogistik zunehmend auf Veranstalter ab.
- Stimmung in der Bevölkerung: Fast zwei Drittel der Bundesbürger sorgen sich laut YouGov um die Sicherheitslage auf Weihnachtsmärkten – viele gehen trotzdem hin, klagen aber über hohe Preise.
Glühweinstände, Lichterketten, Kinderkarussell – und dahinter eine harte Realität: Die Sicherheitsanforderungen für Weihnachtsmärkte, Stadtfeste und Kulturevents steigen, viele Veranstalter können die Kosten kaum noch schultern.
Stark gestiegene Ausgaben vor allem für Sicherheit, Personal und Gebühren führen zunehmend zu Absagen. Laut einer aktuellen Umfrage der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing (bcsd) haben knapp 57 Prozent der Organisatoren Veranstaltungen zuletzt verkürzt oder komplett gestrichen.

„Merkel-Lego“: Die Betonsteine kamen nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz auf zahlreichen Weihnachtsmärkten zum Einsatz.
Die Warnung der Stadtmarketing-Profis ist klar: „Was unsere Innenstädte lebendig macht, steht zunehmend auf der Kippe.“ Es sei kein Randphänomen, sondern ein flächendeckendes Problem, das Innenstädte, Stadtidentität und den sozialen Zusammenhalt trifft. Für die Umfrage wurden 258 Stadtmarketingorganisationen befragt.
Kostenexplosion: Plus 44 Prozent – und Weihnachtsmärkte sind besonders betroffen
Laut bcsd sind die Gesamtkosten in den vergangenen drei Jahren im Schnitt um 44 Prozent gestiegen. Bei Weihnachtsmärkten, die über mehrere Wochen laufen, dürfte der Druck noch höher sein.
Die größten Kostentreiber: Sicherheitskonzepte, Brandschutzauflagen und Gebühren für die GEMA, die Nutzungsrechte für Musik einzieht. Das Geschäftsmodell vieler Stadtmarketingorganisationen ist damit praktisch tot. Gewinne werden kaum noch erzielt, im Gegenteil: Drei von vier Ausrichtern müssen Geld zuschießen.
bcsd-Geschäftsführer Jürgen Block erklärt, warum viele trotzdem weitermachen: „Die Veranstaltungen werden nicht als Geschäft gesehen, sondern als Beitrag zur städtischen Lebensqualität und Daseinsfürsorge sowie für Identität und Teilhabe.“ Es gehe um die Belebung der Innenstädte, die Stärkung des Stadtimages und des zivilgesellschaftlichen Zusammenhalts – aber genau dieses Fundament gerät gerade unter Druck.
Sponsoren springen ab – Städte müssen einspringen
Doch die Luft wird dünner. Gerold Leppa, Wirtschaftsdezernent der Stadt Braunschweig und Bundesvorsitzender der bcsd, beschreibt, wie schwierig es geworden ist, Lücken zu schließen: Händlergemeinschaften und Sponsoren, die früher Budgets ausgeglichen haben, sind wegen der wirtschaftlichen Lage immer schwerer zu finden. Leppa sagt: „Insbesondere im Kulturbereich müssen dann die Städte einspringen und Geld zur Verfügung stellen.“
Gleichzeitig stünden auch die Kommunen selbst finanziell unter Druck: „Die Gefahr, dass auch von der Seite die Mittel weniger werden, steht realistisch im Raum.“ Mit anderen Worten: Wenn sowohl Sponsoren als auch Städte ausfallen, bricht das System der öffentlichen Veranstaltungen zusammen.

Die Weihnachtsmarkt-Idylle ist teuer geworden.
Zumindest in diesem Jahr scheint es bei den Weihnachtsmärkten noch glimpflich auszugehen. Laut Deutschem Schaustellerbund (DSB) gibt es nur eine Handvoll Absagen, etwa in Overath bei Köln oder in Tüßling im Landkreis Altötting. DSB-Präsident Albert Ritter beruhigt: „Die große Mehrheit der Märkte wird stattfinden.“
Magdeburg als warnendes Beispiel: Anschlag, Tote – und der Veranstalter „am Pranger“
Besonders brisant ist der Blick nach Magdeburg: Dort hatte es im vergangenen Jahr auf dem Weihnachtsmarkt einen Anschlag mit sechs Toten und mehr als 300 Verletzten gegeben. Zunächst wurde der Markt in diesem Jahr gar nicht genehmigt. Erst nach intensiven Gesprächen zwischen der Stadt Magdeburg, dem Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt und der Polizei einigte man sich auf nochmals verstärkte Sicherheitsmaßnahmen.

Mit solchen Pollern sichert die Stadt Berlin den Breitscheidplatz am Kurfürstendamm.
bcsd-Chef Leppa beschreibt die Lage so: „Die Aktivierung aller Kräfte, es irgendwie noch zu schaffen, ist sehr groß.“ Gleichzeitig sieht er einen gefährlichen Trend: „Es kann nicht sein, dass sich die übergeordneten staatlichen Ebenen zurückhalten und die Verantwortung und finanzielle Last bei den kommunalen Ordnungsbehörden und teils ehrenamtlich engagierten Veranstaltern abladen.“ Den Fall Magdeburg nennt er ein „Paradebeispiel“ für eine problematische Entwicklung: „Dass ein Veranstalter im Falle eines solch dramatischen Ereignisses, wie eines Terroranschlags, als Erster am Pranger steht, ist aus meiner Sicht auch eine Umkehr der Verantwortlichkeiten.“
Leppas Kernthese: Veranstalter seien für Dinge wie Rettungswege, Sanitätsdienst und Sperren zuständig. „Terrorabwehr ist eine staatliche Aufgabe.“
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