Auch Frauen und Diverse willkommen: Taliban-Konsulat bietet „interkulturelles“ Praktikum an
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Das afghanische Generalkonsulat in Bonn sucht Praktikanten. Die Ausschreibung richtet sich ausdrücklich an männliche, weibliche und diverse Bewerber. Das ist überraschend, hält man sich vor Augen, wie die Taliban mit Frauen und „diversen“ Menschen in ihrem Heimatland umgehen.
Das Generalkonsulat von Afghanistan liegt mitten in einem Wohngebiet am beschaulichen Liebfrauenweg 1A in Bonn-Ückesdorf. Neuerdings werden hier auch Praktika angeboten. Gesucht werden „Studierende“ [sic] und Absolventen mit guten Deutschkenntnissen sowie Kenntnissen in Dari, Paschtu oder Englisch. Auf der Website des Konsulats heißt es, die Praktikanten erhielten „praktische und berufliche Erfahrung in einer diplomatischen Vertretung“ und arbeiteten in einem „interkulturellen Umfeld“. Im Formular auf der Webseite des Konsulats können sich Frauen und „diverse“ Menschen bewerben.

Die Taliban suchen explizit auch weibliche und „diverse“ Bewerber.
Frauen und „Diverse“ werden zu Hause in Afghanistan brutal unterdrückt
In Afghanistan herrschen dagegen seit der Machtübernahme der Taliban 2021 massive Einschränkungen für Frauen. Frauen sind aus den meisten Berufen verbannt und benötigen einen männlichen Vormund, um das Haus zu verlassen, medizinische Hilfe zu suchen oder zu reisen. Im Januar 2026 setzten die Taliban ein neues Strafgesetzbuch in Kraft, das es Ehemännern erlaubt, ihre Frauen zu züchtigen, auch bis sichtbare Verletzungen entstehen. Frauen, die ohne Erlaubnis das Haus verlassen, können bis zu drei Monate Haft erhalten.
Noch dramatischer ist die Lage für „diverse“ Menschen. Homosexualität gilt nach Scharia-Recht als schweres Verbrechen. Das „Gesetz zur Förderung der Tugend und Verhinderung des Lasters“ der Taliban von 2024 verbietet gleichgeschlechtliche Beziehungen und erlaubt der afghanischen Sittenpolizei harte Strafen von Auspeitschen bis hin zur Hinrichtung.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Einladung weiblicher und diverser Praktikanten in Bonn mindestens widersprüchlich. Auch der Hinweis auf ein „interkulturelles Umfeld“ erstaunt, denn das Regime in Kabul lehnt westliche Werte und Vielfalt entschieden ab.
Anwohner berichten von katastrophalen Zuständen rund um das Konsulat
Das Konsulat liegt in einem ruhigen Wohnviertel in Bonn-Ückesdorf. Täglich kommen hunderte Besucher aus NRW und den Nachbarländern, um Pässe und Visa zu beantragen. Die Anwohner klagen über zugeparkte Einfahrten und Stellplätze. Das Ordnungsamt kommt nicht hinterher. Es gibt Berichte über Müll in Vorgärten, Picknicks auf privaten Grundstücken und Notdurft in Hecken und Vorgärten von Anwohnern.

Lange Schlangen prägen das neue Stadtbild rund um das Generalkonsulat in Ückesdorf.
Fragen und Antworten
Erkennt Deutschland die Taliban-Regierung an?
Deutschland erkennt die Taliban-Regierung, die sich selbst „Islamisches Emirat Afghanistan“ nennt, bis heute nicht als legitime Regierung Afghanistans an. Es bestehen keine offiziellen diplomatischen Beziehungen auf Regierungsebene. Die deutsche Botschaft in Kabul ist seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 geschlossen und wurde bislang nicht wiedereröffnet.
Wie ist der Status der afghanischen Vertretungen in Deutschland?
Die afghanischen Vertretungen in Deutschland stehen inzwischen weitgehend unter dem Einfluss der Taliban beziehungsweise von Kabul entsandter Vertreter. Das Generalkonsulat in Bonn wird seit Ende 2025 von einem Taliban-Vertreter geleitet. Auch das Generalkonsulat in München kooperiert mit den Behörden in Kabul. Die Botschaft in Berlin gilt ebenfalls als stark von Kabul beeinflusst – seit Anfang 2026 agiert dort faktisch ein Taliban-Mitglied als Geschäftsträger, ohne dass die Bundesregierung dies offiziell anerkannt oder darüber informiert worden wäre. Deutschland hat 2025 erstmals seit der Machtübernahme zwei von Kabul entsandte Konsularvertreter akkreditiert.
Warum kooperiert Deutschland mit Taliban-Personal?
Die Zusammenarbeit erfolgt nach Angaben der Bundesregierung ausschließlich aus praktischen und technischen Gründen. Sie soll unter anderem Abschiebungen straffälliger Afghanen ermöglichen sowie die Ausstellung von Pässen und anderen konsularischen Dokumenten für Afghanen in Deutschland sicherstellen. Die Bundesregierung betont dabei ausdrücklich, dass diese Kontakte keine politische Anerkennung der Taliban darstellen.
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