Tennis-Wegner ist kein einzelner Unfähiger – er ist Symptom einer kaputten Parteienkaste
Ein Beitrag von
Ben BrechtkenEin Terroranschlag in Berlin, Stromausfall für Zehntausende, ein Bürgermeister Wegner, der von 12 bis 13 Uhr Tennis spielen geht, um „den Kopf frei zu bekommen“. Ein Bürgermeister Wegner, der dieses Verhalten im Fernsehen bei Welt verteidigt, anstatt sich dafür zu schämen.
Handelte jemals ein Chirurg oder ein Polizist während einer Geiselnahme oder ein Lehrer während einer Schlägerei im Klassenzimmer oder ein Manager während eines wichtigen Kundentermins auf diese Weise, bedeutete jenes Verhalten das definitive Ende der jeweiligen Karriere. Teilweise kämen ein Gerichtsverfahren sowie eine empfindliche Strafe hinzu. Doch für Politiker wie Kai Wegner gelten wohl eher keine Maßstäbe, die an Normalsterbliche angelegt werden.
Anstatt den Kopf freizubekommen, hätte er sich innerhalb einer Stunde auch einen Gasgrill schnappen und seine ohnehin enttäuschten Wähler begrillen können. Das wäre doch mal was gewesen. Oder sich vor Ort ein Bild machen, oder… Ach, ich merke gerade: Für solche hochkomplizierten Gedanken muss natürlich der Kopf gänzlich frei sein. Das kann nach vier Stunden Arbeit nicht von einem Mann erwartet werden, der nur rund 212.000 Euro im Jahr vom Steuerzahler erhält.
Wegner beteuerte am Wochenende, rund 30 Stunden nach dem Stromausfall, noch seine aufrichtige Arbeit im Krisenstab:
Der Wahnsinn hat System
Leider überrascht dieser eigentliche Wahnsinn im politischen Deutschland kaum noch. Zu vermuten ist, dass es ein kleines Skandälchen gibt und in spätestens zwei Wochen jegliche Empörung abgeklungen ist. „Dit is halt Berlin“, oder was für ein pseudoromantischer Schmu den Begleitjournalisten und Politik-Darstellern einfallen wird.
Kaum eine Überraschung ist dieses Verhalten, weil sich alle Regierungspolitiker ähnlich wie Wegner verhalten. Der Wahnsinn hat System. Die dem Wegnerschen Handeln zugrundeliegende Logik lautet: „Ich bin ein Politiker, ich bin die moralische und intellektuelle Speerspitze der Bundesrepublik, ich setze mich für den Erhalt ‚Unserer Demokratie‘ ein, ich bin eine Figur von höchster historischer Bedeutung.“ In einem Umfeld von Dienstwagen, netten Talkshow-Fragen, alles bejahenden Politikerkollegen und der Totalabkapselung von der Realität fällt es leicht, dieser Logik zu verfallen.
Wenn eine Bärbel Bas auf einem Arbeitgebertag noch viel zu lieb und zurückhaltend kritisiert wird, reagiert sie eingeschnappt und gräbt das Kriegsbeil gegen die Arbeitgeber aus. Friedrich Merz nimmt Rücksicht auf die Sensibilität eines Lars Klingbeil, dessen Weinerlichkeit die Destination von Billionen Euro Steuergeld bestimmt. Der Bundesblamierungsminister Joe Wadephul muss in einer Fraktionssitzung betonen, dass er „kein Weichei“ sei, was natürlich nur Weicheier sagen müssen. Der Bundeskanzler selbst stellt Rekorde dafür auf, öffentlich den Tränen nahe zu sein.
Der Berliner Stromausfall-Terror kostete mindestens ein Todesopfer. Das bestätigte der Berliner Polizei-Vizepräsident Marco Langner auf einer Pressekonferenz:
Wir werden von labilen Kleinkindern beherrscht
Charaktere wie Strack-Zimmermann, Robert Habeck, Annalena Baerbock, Alice Weidel und Friedrich Merz schreiben tausende Strafanzeigen gegen so harmlose wie machtlose Kritiker in der Bevölkerung. Das erschütternde Gesamtbild lautet: Wir werden nicht von Profis regiert, wir werden von labilen, überforderten und restlos realitätsentrückten politischen Kleinkindern beherrscht.
Früher war nicht alles besser, aber kann sich jemand vorstellen, dass ein Helmut Schmidt während der Hamburger Sturmflut mal kurz in die Kneipe flitzt, um den Kopf frei zu bekommen? Selbst Angela Merkel hatte genug demokratische Ehre, um keine Bürger anzuzeigen. Der Friedrich Merz von vor 20 Jahren oder selbst von vor zwei Jahren hätte sich über das aktuelle Gehabe der herrschenden rotgrünschwarzen Kaste wunderbar echauffiert. Wie kann eine Demokratie in nur wenigen Jahren zu einer Veranstaltung der Heulsusen und personifizierten Negativselektion zum Quadrat werden?

Kai Wegner ist ein idealer Repräsentant der aktuellen Regierungspolitik.
Wer Fehler eingesteht, stärkt die AfD
Die AfD trägt die Schuld. Genauer gesagt die Angst, nein, die nackte Panik vor der AfD. Der geschichtlich überragend wichtige Kampf gegen den Neo-Faschismus, in dem sich die regierenden Herrschaften Tag und Nacht wähnen, macht dumm. Er macht nicht nur dumm, er führt zur vollständigen Immunisierung gegen jedes Quäntchen Selbstkritik. Denn das Eingeständnis von einem oder gar mehreren Fehlern führt unumgänglich zur Stärkung der großen Gefahr. Also findet sie nicht statt. Darüber hinaus wird jeder Kritiker, der im Journalismus übriggeblieben ist, gemieden wie die Pest, und jeder Kritiker, der sich als Normalbürger noch traut, seine Meinung zu sagen, entweder diffamiert oder durchsucht – morgens um 6 Uhr.
Kai Wegner ist keine Singularität der Unfähigkeit, der Instinktlosigkeit, der Realitätsferne. Kai Wegner ist ein idealer Repräsentant der aktuellen Regierungspolitik. Grüne, SPD, Union – er passt verhaltenstechnisch zu jeder dieser Parteien. Vor ungefähr zwei Jahrzehnten hat die deutsche Politik kollektiv jeden Anspruch an gute Politik aufgegeben; mit dem Aufkommen der AfD hat sie zunehmend jeden Anspruch an sich selbst aufgegeben, weil sie ja andernfalls der AfD in ihrer Altparteien-Kritik zustimmen müsste. Diese Entwicklung gipfelt in Bürgermeistern, die während Blackouts Tennis spielen gehen, und in Politikerkollegen, die solche Bürgermeister nicht kritisieren, sondern verteidigen werden. Wenn Friedrich Merz zum Blackout in seiner Hauptstadt schweigen kann, kann er auch zu seinem versagenden Bürgermeisterparteikollegen nichts sagen.
NIUS-Reporter Jan Karon berichtete während des Stromausfalls aus Berlin:
Das wird natürlich erneut die AfD stärken. In der lausigen Anti-Logik der Möchtegern-Hitler-Bekämpfer wäre ein Eingeständnis und ein folgerichtiger Rücktritt Wegners aber noch schlimmer. Gott bewahre, es könnte Neuwahlen geben, dann spräche ja der Wähler, das wäre gar nicht gut für „Unsere Demokratie“. Früher war nicht alles besser, aber früher mussten Politiker noch wegen Bobbycars und falscher Briefpapiere zurücktreten.
Heute muss man davon ausgehen, dass ein Politiker, der während einer bis dato einmaligen Krise Tennis spielen geht, in seinem Amt bleiben darf – weil er Teil einer parteiübergreifenden Verabredung ist, die brutale Unfähigkeit lieber toleriert, als eine eigene Schwäche öffentlich sichtbar zu machen. Oder soll man nicht doch dankbar dafür sein, wenn so ein Politiker für eine Stunde die wirklich fähigen Helfer in Ruhe lässt? Wenn ein Bürgermeister bei einer städtischen Krise allerdings nichts beitragen kann, warum ist er dann Bürgermeister?
Mehr NIUS: Bürgermeister Wegner hat gelogen: Nicht im Homeoffice, sondern beim Tennis
Weitere Artikel zum Thema
Merz will Trump im September nach Rheinland-Pfalz einladen
Weimer fördert Solidaritäts-Abend für RAF-Terroristen: Auch ein verurteilter RAF-Doppelmörder war geladen im Buchladen „Bibabuze“
„Wir stellen das Programm grundsätzlich neu auf”: Familienministerium lässt Förderung von 200 NGOs auslaufen
CDU-Bürgermeister von Celle nimmt am Ditib-Fastenbrechen teil
Wahlrecht, Steuern, Sozialkassen: Wie Union und SPD versuchen, Reformen für sich zu nutzen
Boris Palmer zu CDU-AfD-Zusammenarbeit: „Ich rate nicht dazu“, aber man „sollte Alternativen argumentativ abwägen“
Hinter verschlossenen Türen: Regierung arbeitet an Steuererhöhungen und Reformen
Ben Brechtken
Autor
Artikel teilen
Kommentare