Textdiebstahl: Alice Weidel prüft rechtliche Schritte gegen den Kulturstaatsminister
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Alice Weidel wirft Kulturstaatsminister Wolfram Weimer Textdiebstahl vor und prüft nun rechtliche Schritte. Offenbar hat er im großen Stil das getan, was er amerikanischen Unternehmen vorwirft – und „geistigen Vampirismus“ nennt.
Der Journalist Alexander Wallasch machte auf seiner Website darauf aufmerksam, dass Weimer auf seinem Debattenportal The European Texte von Autoren veröffentlicht, ihnen Profile anlegt – und damit suggeriert, sie gehörten zum Autoren-Team des Portals.
Nun kommt heraus: Bis zu 100 Texte der AfD-Politikerin soll der Kulturstaatsminister auf The European veröffentlicht haben – ohne sie davon in Kenntnis zu setzen. Das Büro von Alice Weidel teilte gegenüber Alexander-Wallasch.de mit:
„Weder hat Alice Weidel je als Autorin für die Plattform The European geschrieben, noch wurde sie über die Nennung als Autorin informiert oder um entsprechende Freigabe dieser Veröffentlichungen gebeten.“
Ein Medienjurist prüfe den Fall gerade für Weidel, sagte Weidels Sprecher am Samstag gegenüber t-online. „Weder war Frau Weidel als Autorin für ‚The European‘ aktiv, noch wurde sie um Erlaubnis gefragt, sie als Autorin mit den entsprechenden Texten auf der Plattform zu veröffentlichen.“ Er spricht von einem „sehr unredlichen Vorgehen“. Der Werbeslogan „Heimat für Qualitätsjournalismus“ sei bei der Weimer Media Group zu bezweifeln.
Alexander Dobrindt ebenfalls als Autor gelistet
Neben der AfD-Chefin Weidel ist auch Innenminister Alexander Dobrindt als Autor von The European gelistet. Gegenüber NIUS bestätigt das Bundesinnenministerium: Alexander Dobrindt, der dort als Autor geführt wird, schreibt nicht für den European. Lesen Sie die Berichterstattung hier:
US-Diplomat erkennt Heuchelei des Staatsministers
Mittlerweile hat sogar einer der einflussreichsten Diplomaten des Weißen Hauses, Richard Grenell, auf X reagiert. Er schreibt: „Für jemanden, der Google zerschlagen will, ist er mit seiner Heuchelei ganz sicher zufrieden.“
Die Geistiges-Eigentum-Affäre schlägt international also bereits hohe Wellen.
„Dubios und unseriös“
Die Praxis, auf diese Weise zahlreiche Autoren vorzutäuschen, erscheine „dubios und unseriös“, kritisiert der Pressesprecher von Alice Weidel.
Mittlerweile sind die Beiträge der AfD-Politikerin vom Portal des European verschwunden. Auf Nachfrage von NIUS, warum der European die Beiträge Weidels gelöscht hat, antwortete der neue Herausgeber (seit September 2025) wie folgt:
„Die Beiträge, die in den Jahren 2017 bis Anfang 2020 erschienen sind, haben wir gelöscht, weil sich Frau Weidel in dem Sinne äußerte, dass sie keine Einwilligung zu deren Veröffentlichung gegeben habe. Es handelte sich um die Übernahme insbesondere von Pressemitteilungen, bei denen die damaligen Mitarbeiter in vielen, aber offenkundig nicht in allen Fällen auf die Quelle verwiesen haben.“
Auch fragte NIUS das Büro des Kulturstaatsministers an, inwiefern die Vorwürfe bezüglich Alice Weidel mit seiner Buchmessen-Rede und Urheberrechtsidealen vereinbar seien. Ein Sprecher verwies an die Weimer Media Group.
„Erst einmal vor der eigenen Haustür kehren“
Besonders brisant sind die Vorwürfe vor dem Hintergrund, dass Weimer erst am Dienstag auf der Frankfurter Buchmesse eine anklagende Rede gehalten hatte – über Urheberrechtsverletzungen. Darin warf er amerikanischen KI-Unternehmen „geistigen Vampirismus“ vor, was im Weißen Haus bereits für Kritik sorgte. Ein „Raubzug“ gegen die Ideen anderer sei im Gange:
„Auf gleichsam vampiristische Weise saugen die Unternehmen derzeit das kreative Potenzial aus unzähligen klugen Köpfen, nutzen deren Ideen und Empfindungen, ihre Schaffenskraft, ihre Visionen.“
Auch darauf spielt Weidels Sprecher an:
„Insbesondere im Hinblick auf seine moralisierende Rede passt hier sehr eindeutig: ‚Erst einmal vor der eigenen Haustür kehren.‘“
Das Autorenprofil Weidels ist hier archiviert.

Wolfram Weimer am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse
Ein schwärmerischer Weimer: „Das Schneewittchen der AfD“
Und die Geschichte hat noch eine weitere Pointe, die staunen lässt: Weimer, der nun mit Jan Böhmermann „gegen die rechten Brüder kämpfen“ will, widmete ausgerechnet Alice Weidel einst ein Porträt mit dem Titel „Das Schneewittchen der AfD“. 2017 schwärmte er: „Die neue AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl ist das glatte Gegenteil. Alice Weidel ist jung, kosmopolitisch, lesbisch und Unternehmerin. Sie lebt am Bodensee mit ihrer Lebenspartnerin, einer Schweizer Film- und Fernsehproduzentin. Die beiden haben zwei Söhne – vier Jahre und vier Monate alt.“
Weimers Resümee damals:
„Weidel ist die neue Coole in einer hitzig aufgeladenen Partei. Sie nennen sie zuweilen ‚Schneewittchen‘ und ahnen nicht, dass sie damit selbst wie die bewundernden Zwerge wirken. Und doch hat die AfD mit ihr eine geschickte Wahl getroffen.“

Einst ein schönes Schneewittchen, heute eine düstere Autokratin – ist der Weimer-Wandel glaubwürdig?
Inzwischen zeichnet er den sogenannten Rechtspopulismus in den düstersten Farben. Im Geiste etwa von Correctiv sagte er in seiner Rede auf der Frankfurter Buchmesse:
„Wir leben in einer Zeit, in der der Autokratismus auf dem Vormarsch ist, in der ernsthaft unsere Demokratie bedroht, in dem ein Land nach dem anderen ihm anheimfällt. Und wir wissen gar nicht, warum wir in Deutschland auch die Bedrohung haben durch einen Rechtspopulismus, der im Grunde genommen einen neuen Autoritarismus etablieren will.“
Die Irrungen und Wirrungen Weimers dürften wohl nicht abreißen. Sie könnten dem Minister durchaus gefährlich werden – wie es weitergeht, bleibt jedenfalls äußerst spannend.
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Felix Perrefort
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