US-Kommunikationsexperte Navarro zum Rededuell Harris-Trump: „Es spielt keine Rolle, was die Leute sagen, sondern nur, wie sie es tun“
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Seit 50 Jahren beschäftigt sich der Ex-Agent Joe Navarro mit nonverbaler Kommunikation, er gehört in den USA zu den Experten auf diesem Gebiet. Der Sohn kubanischer Immigranten arbeitete 25 Jahre lang für das FBI, wo seine Analysen von Körpersprache bei der Spionageabwehr und der Terrorismusbekämpfung gefragt waren. Heute berät er Politiker und Unternehmen.
Die Neue Zürcher Zeitung sprach mit ihm über Gesten und Erkennungsmerkmale von Politikern, wenn sie im TV-Duell aufeinandertreffen wie jetzt Kamala Harris und Donald Trump. NIUS dokumentiert die wichtigsten Erkenntnisse.

Ex-FBI-Agend Joe Navarro
Joe Navarro über ...
Gesichtsausdrücke
„Wir erinnern uns Jahre später kaum daran, was ein Politiker bei einem Auftritt gesagt hat. Aber wir erinnern uns an die Bilder. Bilder haben eine Macht, und dazu gehört auch die Sprache des Körpers. Sich auf Äußerlichkeiten zu konzentrieren, mag oberflächlich erscheinen, aber sie machen einen Unterschied. Es spielt keine Rolle, was die Leute sagen, sondern nur, wie sie es tun.“
Kennedy strahlte, Nixon schwitzte
„Schon die erste live übertragene TV-Debatte 1960 zwischen Präsident Richard Nixon und John F. Kennedy war legendär. Kennedy trug einen maßgeschneiderten Anzug und war braungebrannt. Er wusste das Medium für sich zu nutzen, sprach in die Kamera und richtete sich so direkt ans Publikum. Nixon wirkte unkonzentriert, er schwitzte stark und wischte sich ständig mit einem Taschentuch den Schweiß ab. Bekanntlich wurde Kennedy zum nächsten Präsidenten gewählt.“

„Der schwitzende Nixon“
Trump gegen Hillary Clinton
„Beim TV-Duell 2016 stellte sich Trump immer wieder nahe hinter Clinton. Es wirkte bedrohlich, als stalkte er sie. Auch hier erinnert sich niemand an den Inhalt der Debatte. Dasselbe, als Präsident George H. W. Bush 1992 im Duell gegen Bill Clinton auf seine Uhr schaute. Da war es für ihn vorbei.“
Wir bevorzugen schöne Menschen
„Es ist ungerecht, aber wir bevorzugen große und schöne Menschen. Man hält sie für besonders vertrauenswürdig und kompetent. Ein durchschnittlicher männlicher Amerikaner ist etwas über 1 Meter 76 groß. Die bisherigen Präsidenten waren durchschnittlich 1,82 Meter groß. Nicht nur die Attraktivität ist also ein Vorteil, sondern auch die Größe. Als ich Politiker trainiert habe, haben wir immer darauf geachtet, dass bei Debatten der Abstand zwischen zwei Podien mehr als zwei Meter beträgt, weil die Kamera dann den Größenunterschied zwischen den Teilnehmern ausgleichen kann. Ist da jemand sehr viel kleiner, hilft ihm auch ein Podest.“
Fernsehdebatten – greift der Tiger den Dompteur an?
„Solche Debatten sind eine Form von Theater. Die Leute wollen sehen, wer die meisten Witze und die wildesten Gesten macht, wem welche Fehler unterlaufen, wer versagt. Das Publikum erwartet ein Spektakel wie im Zirkus. Wird etwas Schreckliches passieren? Wird jemand vom Trapez fallen? Greift der Tiger den Dompteur an?“
Biden gegen Trump – eine Katastrophe
„Als ich Biden zum Rednerpult trippeln sah, wusste ich innerhalb der ersten Sekunden, dass dieser Auftritt für ihn nicht gut ausgehen würde. Als ich in Washington für das FBI arbeitete, sah ich ihn einmal in einem Restaurant. Diese Energie, wenn er mit anderen Leuten sprach. Das alles war weg, die Reaktionsfähigkeit, der sichere Gang, ich konnte nicht glauben, was ich sah. Katastrophal. Was mir an Trump auffiel, war seine Bräune. Ein gebräuntes Gesicht strahlt Gesundheit, Vitalität und Energie aus. Daneben sah Biden kreidebleich aus, was ihn noch gebrechlicher aussehen ließ. Seine Bewegungsarmut wurde umso augenscheinlicher, als Trump mit dynamischen Handbewegungen die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zog.“
Wie er die TV-Debatte Harris-Trump sieht
„Trump hat ein begrenztes Vokabular, er wiederholt oft dieselben Sätze, was ihn wie ein Fünftklässler klingen lässt. Kamala Harris’ Wortschatz entspricht demjenigen einer Hochschulabsolventin. Sie hat Jura studiert, und ihre Erfahrung im Gerichtssaal könnte ihr helfen. Trump arbeitet mit Vereinfachungen. Trump argumentiert, in dem er Emotionen anspricht.“
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