Weimer-Group schließt NIUS-Politikchef von Tegernsee-Gipfel aus
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Der Weg zum „Kleinen Davos“ führt im schönen Gmund am Tegernsee direkt neben der Landstraße zum Seeufer. Gleich hinter einem mittleren Parkplatz öffnet sich ein gut 2.000 Quadratmeter großer Innenhof, der mit weißem Kiesel bestreut ist und auf dem Limousinen bequem drehen können.
Der alljährliche Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group, gern auch das „Kleine Davos“ genannt, hält viel Platz für Begegnungen zwischen Politik, Wirtschaft und Medien bereit. Bis zu 600 Personen können hier zusammenkommen, heißt es im eigenen Marketing-Text. Der 800 Quadratmeter große Rinderstall ist geräumig für Catering, Produkt-Aussteller und vieles mehr. Eine Etage höher mutet die genauso große Tenne wie eine kleine Sporthalle an.

Ein großes Gelände, aber kein Platz für NIUS.
Viel Platz für viele Gäste. Nur nicht für NIUS. Nachdem ich in den vergangenen Jahren mehrfach auf dem damals noch vom jetzigen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) und seiner Frau ausgerichteten Erhard-Gipfel zu Gast war und im Mai 2023 sogar ein Interview mit CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann dort aufgezeichnet habe, ist in diesem Jahr plötzlich „aufgrund der wie immer begrenzten Kapazitäten“ kein Platz mehr, schreibt Pressechef Florian Spichalsky auf die NIUS-Bitte um Akkreditierung.
Im Interview mit Carsten Linnemann sieht man den Veranstaltungsort:
NIUS berichtete über Weimer
NIUS hatte mehrfach kritisch über das Geschäftsmodell des Kulturstaatsministers berichtet, bei dem in der Vergangenheit gegen zum Teil sehr hohe Geldbeträge Kontakte zwischen Wirtschaft und Politik angeboten wurden. Als Wolfram Weimer noch Privatmann und Medienunternehmer war, interessierte sich niemand für das Geschäftsmodell. Spätestens mit dem Einzug Weimers ins Kanzleramt (dort sitzt der Kulturstaatsminister) bekam die Veranstaltung ein heftiges „Geschmäckle“, wie Apollo News zuerst berichtete
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zog seine Schirmherrschaft zurück und ließ die Förderung des Freistaats für die Veranstaltung streichen. Wolfram Weimer zog sich nach der Berichterstattung verschiedener Medien aus dem Geschäft zurück. NIUS berichtete auch mehrfach kritisch über Fördergelder, die von Weimers Behörde an linksextreme Verlage und Projekte gingen. Mit all dem kann der plötzliche Platzmangel selbstverständlich nichts zu tun haben.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zog seine Schirmherrschaft zurück.
„Aufgrund der wie immer begrenzten Kapazitäten ...“
Am 26. März hatte ich mich mit einer Mail, wie in den Vorjahren, an Pressechef Spichalsky gewandt und um eine Akkreditierung als Medienvertreter für den diesjährigen Ludwig-Erhard-Gipfel gebeten, der vom 28. bis 30. April wiederum am Tegernsee stattfinden soll: „Wie in den Vorjahren würde ich mich auch in diesem Jahr gern wieder für den Erhard-Gipfel anmelden und akkreditieren …“ Anders als in den Vorjahren war dem online veröffentlichten Programm bislang nicht zu entnehmen, welche Gäste kommen würden.
Lange Zeit geschah nichts. Am 15. April dann erhielt ich eine Antwort. „Sehr geehrter Herr Schuler, vielen Dank für Ihr Interesse am Ludwig-Erhard-Gipfel. Aufgrund der wie immer begrenzten Kapazitäten können wir auch dieses Jahr nur einer limitierten Anzahl von Journalistinnen und Journalisten eine Teilnahme ermöglichen.“ Man stelle jedoch gern einen Livestream zur Verfügung, schrieb Florian Spichalsky „mit freundlichen Grüßen“. Auch könne man im Nachgang des Gipfels gern über die wichtigsten Ergebnisse informieren.
Das wiederum fand ich ein wenig seltsam, weil wir beide, Herr Spichalsky und ich, ja wissen, dass es auf Gut Kaltenbrunn keine Platzknappheit gibt. Deshalb wollte ich mich vergewissern, wie die Antwort zu verstehen sei, und schrieb umgehend zurück: „Sehr geehrter Herr Spichalsky, haben Sie vielen Dank für die Rückmeldung. Darf ich die Wendung ,auch in diesem Jahr wieder‘ so verstehen, dass ich ,auch in diesem Jahr wieder‘ akkreditiert bin? Das Gelände ist, wie wir beide wissen, weitläufig, und die Teilnahme ist in den vergangenen Jahren nicht an drangvoller Enge gescheitert. Kurz: Ich würde mich über eine eindeutige Bestätigung meiner Akkreditierung sehr freuen.“ Selbstverständlich grüßte auch ich freundlich.
Diesmal ging es dann doch etwas schneller mit der Antwort: „Sehr geehrter Herr Schuler, aus den genannten Gründen können wir keine Akkreditierung erteilen. Sehr gerne stellen wir einen Livestream zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen Florian Spichalsky“
Ich gehe davon aus, dass es im Unternehmensumfeld des langjährigen Journalisten und Verlegers Wolfram Weimer völlig ausgeschlossen ist, dass missliebige Medienvertreter unter dem Vorwand des Platzmangels ausgeladen werden. Auch ein Kulturstaatsminister müsste selbstverständlich einschreitend oder zumindest mahnend das Wort erheben, wenn Veranstaltungen wie der Ludwig-Erhard-Gipfel („Das kleine Davos“) selektiv mit der Pressefreiheit umgehen würden.
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Ralf Schuler
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