Wenn die Außenministerin mit der ZDF-Journalistin … Baerbocks krude Liebeserklärung an Dunja Hayali
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Montagabend, Allianz Forum in Berlin: Die ZDF-Journalistin Dunja Hayali erhält den Talisman-Preis der Deutschlandstiftung Integration. Mit dabei Außenministerin Annalena Baerbock, die die Laudatio hält und dabei nicht nur über Hayali, sondern auch über ihr eigenes Denken viel verrät.
Die beiden haben manches gemeinsam. So kommt Baerbock gerne „ins Machen“, Hayali will andere „ins Denken“ bringen. Baerbock freut das: „Ich finde, das ist ein wunderbarer Begriff.“
Jede Liebe aber kennt Zweifel.

Baerbock und Hayali mit der Holocaustüberlebenden Margot Friedländer
Auch die von Baerbock zu Hayali: „Ich habe lange überlegt, ob ich diese Rede heute hier überhaupt halten kann. Eine Politikerin, eine Ministerin, die eine Journalistin ehrt?“ Zwischen Journalisten und Politikern gebe es in der Demokratie zu Recht „sehr klare Trennlinien“. Doch Baerbock weiß sich aus dem Dilemma zu befreien: Sie ehre Hayali nicht als Journalistin, sondern als „große und mutige Demokratin“.
Baerbock spricht von widerlegten Plänen, „Menschen aus unserem Land zu deportieren“
Die Demokratie sieht Baerbock in Gefahr, bedroht durch, wie sie poetisch ambitioniert formuliert, „Ruchlosigkeit“. Die „Bereitschaft, mit gemeinsamen Regeln auf brutalste Art und Weise zu brechen“, sieht Baerbock allerorten: in Russlands Angriffskrieg, im Terror der Hamas, in autokratischen Regimen, aber auch „bei uns zu Hause“, wo „im Hinterzimmer Pläne geschmiedet werden, Menschen aus unserem Land zu deportieren“.
Offenbar hat Baerbock nicht mitbekommen, dass der Kernvorwurf rechtswidriger Deportationen gegen das Potsdam-Treffen längst ausgeräumt ist. Selbst Correctiv hat vor Gericht zugegeben, niemals von „Deportationen“ gesprochen zu haben. Aber vielleicht meint Baerbock mit dem Wort „deportieren“ ja die Forderung des Kanzlers, „im großen Stil“ abzuschieben? Jedenfalls will Baerbock diesen Moment „beim Schopfe ergreifen“ – das gelingt ihr. So wittert sie die Ruchlosigkeit, die sie in der Welt sieht, auch bei jenen, die „das abscheulichste Bild des politischen Gegners noch mit Galgen und Todeswünschen auf Plakaten unterstreichen.“
Baerbock und die Ampel in einer Reihe mit den Opfern von Russland und Hamas, diese Volte muss ihr erstmal jemand nachmachen.

Baerbock bei der Laudatio
Baerbock und Hayali und die 6 und die 9
Baerbock und Hayali teilen auch das Faible für die Sache mit der 6 und der 9. Die sieht nämlich, je nach Perspektive, aus wie eine 6 oder eine 9. Baerbock findet: „Die Perspektive des anderen zu sehen, das ist entscheidend.“ Und nutzt das Beispiel mit der 6 und der 9 „oft in Schulklassen, aber jüngst auch im Nahen Osten und ehrlich gesagt auch manchmal im Koalitionsausschuss.“
Umso erstaunlicher, dass weder der Nahe Osten noch die Koalition längst befriedet sind. Leider scheinen nicht alle für Baerbocks Tipps gleichermaßen offen zu sein: Gerade erst sei sie in einer Schule gewesen, „wo viele sind, die sehr viele kritische Fragen haben. Und dann stehen Reichsbürger auf der Straße oder sitzen in einem Traktor – ob er ihnen nun gehört oder nicht – und versuchen diese kritischen Fragen zu verhindern – von Köchinnen, von Erziehern, von Sanitäranlageninstallateuren.“
Und tatsächlich, wer kennt nicht den Graben, der Deutschland durchzieht: auf der einen Seite die machtkritischen Sanitäranlageninstallateure, auf der anderen die Traktorfahrer, die kritische Nachfragen torpedieren. Der Tagesspiegel berichtete am Tag der Preisverleihung über eine solche Fragerunde mit Baerbock. Ein Dutzend Demonstranten habe vor der Schule gestanden, mit einer Mistforke, an der eine Ampel hing, und einem Plakat: „Wir wollen keinen Krieg. Baerbock muss weg.“
Von Reichsbürgern schreibt der Tagesspiegel nichts. Die verbringen den Tag wohl ohnehin lieber in Traktoren, die ihnen möglicherweise nicht gehören. Baerbock jedenfalls hält Hayali für einen „Glücksfall für unsere Demokratie“. Erst recht „in einer Zeit, in der Verfassungsfeinde versuchen, alles schlecht zu reden in unserem Land“. Ob es sich bei den Schlechtredern tatsächlich um Feinde der Verfassung oder eher der Regierung handelt, bleibt unklar.

Ergriffen: Dunja Hayali
Preis von Schirmherr Olaf Scholz
Beim Talisman-Preis muss die Regierung zumindest nicht mit Kritik rechnen, sie spricht nicht nur in Form der Außenministerin von der Bühne, sondern stellt mit Bundeskanzler Olaf Scholz auch den Schirmherrn. Hayali wiederum könnten die salbungsvollen Worte von Baerbock noch im Ohr klingen, wenn sie das nächste Mal über das Außenministerium berichtet.
Baerbock warnt schließlich vor Hass und Hetze im Netz und davor, dass „die eigene Meinung in der Bubble von Gleichgesinnten zur alleinigen Wahrheit erhoben wird“. Hayali wird wissen, wovon die Ministerin spricht. Im vergangenen Jahr erklärte sie, auf X (ehemals Twitter) alle zu blocken, die das Wort „Zwangsgebühren“ verwenden: „Widerspruch — ja bitte. Andere Meinung — herrlich, aber no hatespeech“. Bei anderer Gelegenheit hatte Hayali gesagt, man könne in Deutschland alles sagen, man müsse dann halt manchmal mit Konsequenzen rechnen. Hayali sagt Dinge, für die sie Preise bekommt. Mit freundlicher Unterstützung der Regierung.
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