Anti-Establishment gewählt, CDU bekommen: Wie das Bündnis Sahra Wagenknecht Wählertäuschung betreibt
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Das Bündnis Sahra Wagenknecht ist als Anti-Establishment-Projekt angetreten – doch wer es wählt, bekommt am Ende erstaunlich häufig: CDU.
Zweimal wurde im Osten eine „Alternative“ gewählt, zweimal landet man faktisch bei der Union: in Thüringen und nun in Brandenburg.
Die Frage liegt auf der Hand: Wird hier ein Anti-Establishment-Versprechen verkauft – und anschließend eine ganz andere Machtpolitik realisiert?
Update: Nun sagt Sahra Wagenknecht selbst, es war Verrat, und spricht von „Wahlbetrug“. Auf X schreibt sie:
„In #Brandenburg wird eine Regierung geschreddert, um mit der CDU auf ein Weiter-so einschwenken zu können. Offenbar wurde dieser Wahlbetrug seit Wochen vorbereitet.“ Weiter verteidigt sie ihre Partei:
„Nicht wir haben die Koalition beendet, sondern diejenigen, die lieber mit der CDU Politik gegen das Votum der Mehrheit der Bürger in Brandenburg machen wollen und offenbar seit Wochen auf einen Bruch hingearbeitet haben. Wer so vorgeht, sollte sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen jedes Vertrauen in die Politik verlieren.“
Mehr kann man seine Wähler nicht verraten: In #Brandenburg wird eine Regierung geschreddert, um mit der CDU auf ein Weiter-so einschwenken zu können. Offenbar wurde dieser Wahlbetrug seit Wochen vorbereitet. Nicht wir haben die Koalition beendet, sondern diejenigen, die lieber…
— Sahra Wagenknecht (@SWagenknecht) January 6, 2026
Rhetorische Härte gegen die CDU
Sahra Wagenknecht selbst klang unmissverständlich:
„Was ist die Alternative zur Ampel? Ganz sicher nicht die CDU von Herrn Merz, die für einen Blackrock-Kapitalismus steht – mittelstandsfeindlich, sozial kalt, bereit, Taurus-Raketen in die Ukraine zu liefern und den Krieg weiter zu eskalieren. Diese CDU wird am Ende sehr wahrscheinlich mit den Grünen zusammengehen: grüne Gängelungswut auf der einen Seite, Sozialabbau und Rentenkürzungen auf der anderen. Das BSW steht dagegen für wirtschaftliche Vernunft – im Interesse des bedrohten Mittelstands.“
Und weiter:
„Ich kann nicht mehr hören, dass die CDU eine Partei des Mittelstands sei – eine Partei Ludwig Erhards. Sie macht Politik für große Finanzkonzerne wie Blackrock, während kleine und mittlere Betriebe im Regen stehen: hohe Energiepreise, mehr Bürokratie, keine Entlastung. Da hat sich nichts geändert. Also, liebe CDU: Tut bloß nicht so, als wärt ihr eine Partei des Mittelstands.“
Auch diese Knallhart-Attacke aufs Establishment ist vielsagend:
„Auch wenn die Ampel sich ihren Titel als dümmste Regierung Europas jeden Tag aufs Neue verdient, weil sie unser Land in die Krise und schlimmstenfalls sogar in einen Krieg führt – es geht um mehr als um die Ablösung einer unfähigen Regierung: Ein Friedrich Merz im Kanzleramt, der die Rente noch weiter kürzen und Taurus-Raketen an die Ukraine liefern will, damit Zelensky demnächst mit deutschen Waffen sogar Moskau angreifen kann – ein solcher Friedrich Merz im Kanzleramt wäre ganz sicher nicht das kleinere Übel.“
Die Realität sieht heute jedoch ganz anders aus.
Überlaufen zur SPD
In Thüringen regiert eine Dreier-Koalition aus CDU, SPD und BSW – die sogenannte „Brombeer-Koalition“ unter Ministerpräsident Mario Voigt. Das BSW hat die CDU dort direkt mit an die Regierung gebracht – obwohl in Thüringen 38,7 Prozent die AfD wählten und damit offenkundig einen grundsätzlichen Politikwechsel wollten.
In Brandenburg hingegen ist die Koalition aus SPD und BSW zerbrochen. Ausgerechnet ein Überläufer aus dem BSW zur SPD eröffnet dort nun den Weg zur Macht für die CDU. Plötzlich verfügt die SPD gemeinsam mit der Union über eine rechnerische Mehrheit.
Der Überläufer Robert Crumbach sagt dazu: „Das Land braucht stabile Verhältnisse. Das ist nicht mehr meine Partei.“
Und er bringt sofort die CDU ins Spiel: „Ich gehe weiter davon aus, dass die SPD mit der CDU Koalitionsgespräche führen wird.“

Robert Crumbach (früher BSW) ist nun zur SPD übergelaufen.
Wie tief der Bruch sitzt, zeigt die Reaktion der Landesvorsitzenden Friederike Benda (BSW). Sie spricht offen von Verrat:
„Ihr Übertritt zur SPD ist ein Verrat an Wählern und stellt die Weichen in Brandenburg auf ein Weiter-So. Das BSW steht zur Koalition und zum Koalitionsvertrag. Allerdings haben drei Abgeordnete, die sich für das BSW haben wählen lassen, entschieden, nun eine SPD/CDU Koalition zu befördern. Dazu haben sie seit Monaten ihre Rollen im BSW missbraucht, um die Partei zu erpressen. Das lassen wir aber nicht zu.“
Das politische Gesamtbild
Die Wagenknecht-Partei attackiert die CDU rhetorisch – und verschafft ihr am Ende doch realen Zugang zur Macht.
Hinzu kommt: Das BSW inszeniert sich gern als Alternative zu „den Altparteien“. Wenn es ernst wird, zeigt sich jedoch Pragmatismus – bis hin zur Selbstaufgabe. Wagenknecht formulierte einst gegenüber Welt:
„Immer wieder zu versuchen, irgendwelche Altparteienkoalitionen zu bilden, die relativ profillos sind, weil man nichts miteinander gemein hat, um die AfD von der Macht fernzuhalten – das war eine Strategie, die die AfD nur stärker gemacht hat. Und eigentlich sollte die CDU ein Interesse haben, mit der AfD zu koalieren, solange die AfD überhaupt noch Koalitionspartner braucht.“
Der Widerspruch ist augenfällig: Anti-Establishment im Wahlkampf – und am Ende Regierungsarchitektin für genau jene Parteien, gegen die man angeblich antritt.
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