Wolffsohn verteidigt Aiwanger: „Sippenhaft“ und „Denunziantentum“
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In die Debatte um das Auschwitz-Flugblatt hat sich jetzt auch der Historiker Michael Wolffsohn (76) eingeschaltet. Bei Bild verteidigte der emeritierte Professor für neue Geschichte den stellvertretenden Ministerpräsidenten von Bayern.
Zwar empfindet der 76-Jährige das Flugblatt als „ekelhaft und widerwärtig“, da dort über über den Mord von 1,3 Millionen Menschen, davon 1,1 Milllionen Juden Witze gemacht wird.
Dennoch grenzt er das Pamphlet von Judenhass ab. „Es ist menschenverachtend, aber ist es deswegen automatisch antisemitisch? Antisemiten machen Juden als Juden verächtlich. Sie fordern die Benachteiligung und sogar Ermordung. Kein Wort davon in diesem dreckigen Text. Merke: Nicht jeder Dreck ist zugleich antisemitisch.“

In Auschwitz-Birkenau wurden 1,3 Millionen Menschen getötet. Die meisten waren Juden
„Hysterische Aiwanger-Kritiker"
Auch an der Anonymität der Zeugen, die die Süddeutsche Zeitung gefunden haben soll, stört sich Prof. Wolffsohn. „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. Auch wenn es der Denunziant gut meint. Jüngsten Anschauungsunterricht bietet uns der Fall des bayerischen Vize-Ministerpräsidenten und Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger,“ betonte er. „Wer konservativ mit „Nazi“ und „Antisemit“ gleichsetzt, ist ahnungslos und verleumderisch. Wer es dennoch tut, lasse uns Juden aus diesem miesen Spiel raus.“

Joschka Fischer verzieh man rasch seine „Jugendsünde"
Laut Wolffsohn messen die „hysterischen Aiwanger-Kritiker“ mit zweierlei Maß. „Konservativen werfen sie jugendliche Dummheiten, Widerwärtigkeiten, Fehler oder Straftaten lebenslänglich vor und fordern noch Jahrzehnte später, also heute, Konsequenzen.
Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) gilt als Staatsmann. Dabei hatte er mit 25 Jahren einen Polizisten, also einen Staatsbeamten, brutal verprügelt. Vergeben und vergessen. Weil Joschka grün und Aiwanger konservativ ist?“
Harte Kritik an Lauterbach und Chebli

Immer wieder ist die Süddeutsche Zeitung mit antisemitischen Karikaturen aufgefallen, wie hier Israels Präsident Netanjahu
Auch an der „Süddeutschen Zeitung“ lässt der Historiker kein gutes Haar. Gerade im Bezug auf Juden habe das Blatt aus München selbst dunkle Flecken auf ihrer Weste.
„Erinnert sei, dass sie zum Beispiel eine Karikatur über (sprich: gegen) Israels Ministerpräsidenten Netanjahu veröffentlichte, die sich nicht wirklich von den extrem antisemitischen Judenzeichnungen der Nazis unterschied,“ betonte Wolffsohn.

Wolffsohn gilt seit Jahrzehnten als anerkannter Experte zum Thema Antisemitismus
Besondere Kritik erhebt Wolffsohn an Politiker wie Saswan Chebli oder Karl Lauterbach, die Aiwanger vorschnell verurteilten. Gerade der Gesundheitsminister steht bei dem Geschichtswissenschaftler nicht besonders hoch im Kurs: „Sollte er der Verfasser des menschenverachtenden ‚Ausschwitz Pamphlet‘ sein muss er zurücktreten“, twitterte der Herr Professor. Weiß er nicht, dass man Auschwitz nur mit einem S schreibt?"
Prof. Michael Wolfssohn wurde 1947 in Tel Aviv geboren, als es noch britisches Mandasgebiet war. Später studierte er u.a. in Berlin Geschichte, Politik und Volkswirtschaft. Von 1981 bis 2012 lehrte er Neuere Geschichte an der Bundeswehrhochschule in München. Seit Jahrzehnten setzt sich der 76-Jährige für die Bekämpfung von Judenhass ein.
Lesen Sie auch: Falsche Vorwürfe gegen Aiwanger wegen Auschwitz-Flugblatt: Der Super-GAU für die SZ
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Julian M. Plutz
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