„Brownout“ droht: Solarstrom außer Kontrolle
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Deutschlands Solar-Offensive bringt das Stromsystem zunehmend an seine Grenzen. An sonnigen Tagen mit geringer Nachfrage – zuletzt am Sonntag – flutete so viel Solarstrom ins Netz, dass die Preise an der Börse auf minus 480 Euro pro Megawattstunde abstürzten. Strom musste mit Geld „entsorgt“ werden.
Fatale Folge: Netzbetreiber machen Verluste, die am Ende der Steuerzahler ausgleicht. Allein an einem Tag könnten so Millionenbeträge im zwei- bis dreistelligen Bereich angefallen sein – während Betreiber älterer Anlagen weiter voll vergütet werden.
Es droht der „Brownout“
Ursache ist der massive Ausbau: Mittlerweile stehen in Deutschland rund 120 Gigawatt Solarleistung bereit – das Stromnetz ist aber nur für etwa 80 Gigawatt ausgelegt. Speicher und Steuerung halten mit dem Tempo nicht Schritt.

Alles andere als der Weg aus der Energiekrise: Solarstrom in Deutschland
Noch konnte das Netz stabilisiert werden. Doch Experten warnen: Wenn Angebot und Nachfrage nicht mehr ausgeglichen werden, drohen Zwangsmaßnahmen – bis hin zum sogenannten „Brownout“, also kontrollierten Stromabschaltungen ganzer Regionen.
Hintergrund
Bereits zu Ostern 2026 kam es zu einem Überangebot an Solarstrom, so dass dieser gegen eine Gebühr von bis zu 5,2 Cent pro Kilowattstunde ins Ausland abgegeben werden musste.
Zuletzt stand die Solarförderung auch durch eine NiUS-Analyse in der Kritik, nach der in den letzten Jahren zwar zwei Drittel mehr Solarkapazität aufgebaut wurde, aber fünf Prozent weniger Strom produziert wurde.

NiUS Infografik: Wie kommt ein Brownout zustande?
Fragen und Antworten zum Brownout
Was ist ein „Brownout“?
Ein Brownout ist eine vorübergehende Absenkung der Stromversorgung in bestimmten Regionen, um das Netz zu stabilisieren, beispielsweise bei einem massiven Überangebot von Energie durch Wind oder Sonne. Im Unterschied zum Blackout bleibt das Netz dabei grundsätzlich in Betrieb.
Warum kann zu viel Solarstrom zum Problem werden?
Wenn an sonnigen Tagen sehr viel Strom erzeugt wird, aber gleichzeitig wenig verbraucht wird, entsteht ein Überangebot. Das kann beispielsweise an Sonntagen oder Feiertagen zutreffen. Das Stromnetz muss jedoch jederzeit ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch halten.
Warum fallen die Strompreise bei einem Überangebot von Strom ins Negative?
Bei starkem Überangebot von Energie im Netz sinken die Preise an der Strombörse unter null. Produzenten zahlen dann dafür, dass ihr Strom abgenommen wird, weil Abschalten oft technisch oder wirtschaftlich schwierig ist.
Warum helfen Speicher bei einem Stromüberangebot nicht ausreichend?
Es gibt noch zu wenige große Stromspeicher in Deutschland, um kurzfristige Überschüsse aufzunehmen. Zudem sind bestehende Speicher oft nicht auf diese Mengen ausgelegt.
Warum wird überschüssiger Strom ins Ausland abgegeben?
Um das Netz zu stabilisieren, wird Strom aus Deutschland bei Überangebot exportiert. Wenn im Ausland auch wenig Bedarf besteht, muss Deutschland teilweise sogar dafür zahlen, dass andere Länder den Strom abnehmen.
Wie realistisch ist ein Brownout in Deutschland?
Ein Brownout ist kein Standardfall, aber eine mögliche Situation in Extremsituationen. Netzbetreiber nutzen ihn als letztes Mittel, wenn andere Steuerungsmaßnahmen nicht ausreichen.
Lesen Sie auch: Der große Reibach: Wie Anlagen- und Netzbetreiber sich mit staatlicher Unterstützung die Taschen füllen
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