KI killt tausende Jobs – und die Politik tut so, als ginge sie das nichts an
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Andreas MoringAmazon schmeißt 30.000 Menschen raus. An ihrer Stelle soll jetzt Künstliche Intelligenz die Arbeit übernehmen. Und das ist erst der Anfang und Amazon ist nicht allein. Überall entlassen Unternehmen Tausende von Mitarbeitern. Dieser Trend wird sich in Zukunft noch weiter verstärken. Die Nachrichten sind voll davon, aber in der Politik wird nicht darüber geredet. Wenn die Katastrophe auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr übersehbar ist, dann geben sich unsere Politiker wieder völlig überrascht. Wir kennen dieses Muster bereits aus der Flüchtlingskrise von 2015 und auch aus den Corona-Jahren. Wir wissen auch, welche Folgen das hatte. Jetzt stehen wir vor der nächsten Episode.
Der E-Commerce-Riese Amazon bereitet sich auf einen umfangreichen Stellenabbau vor. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen bis zu 30.000 Arbeitsplätze im Verwaltungsbereich gestrichen werden. Drei mit den Vorgängen vertraute Personen bestätigten gegenüber Reuters, dass die Kündigungen bereits begonnen haben. Der geplante Personalabbau entspricht nahezu zehn Prozent der etwa 350.000 Verwaltungsmitarbeiter des Konzerns. Besonders stark betroffen ist nach Angaben des Wirtschaftsmagazins „Fortune“ die Personalabteilung, wo rund 15 Prozent der Belegschaft ihre Stelle verlieren sollen. Insgesamt beschäftigt Amazon weltweit circa 1,55 Millionen Mitarbeiter. Die Kürzungen fallen damit deutlich umfangreicher aus als die zunächst im November 2022 von US-Medien kolportierten 10.000 Stellen.
Hintergrund der Maßnahme sind Bemühungen zur Kostensenkung sowie Abbau überdimensioniert erfolgter Einstellungen während der Corona-Jahre. In der Corona-Zeit hatte das Versandgeschäft einen beispiellosen Boom erlebt, was Amazon zu massiven Neueinstellungen veranlasste. Amazon-Chef Andy Jassy verfolgt seit geraumer Zeit eine Strategie zum Bürokratieabbau innerhalb des Konzerns. Teil dieser Initiative ist auch die Reduzierung von Führungsebenen. Zudem hatte Jassy im Juni angekündigt, dass der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz bei Routinetätigkeiten weitere Personalanpassungen nach sich ziehen werde. Neben der Verwaltung könnten auch die Geräte- und Dienstleistungssparte sowie das operative Geschäft von den Kürzungen betroffen sein. Amazon wird am Donnerstag seine Quartalszahlen präsentieren. Die Aktie des Unternehmens stieg schon mal an den Börsen.

Amazon-Chef Andy Jassy
Im Wochentag Takt fallen tausende Arbeitsplätze weg
Mit diesem radikalen Job-Abbau ist Amazon aber nicht allein. In den letzten Monaten haben in Europa und weltweit viele Unternehmen angekündigt, dass sie tausende von Mitarbeitern rausschmeißen. Die 30.000 gestrichenen Stellen bei Amazon sind nur der Anfang. Der Konzern will eigenen Angaben zufolge ganze 75 Prozent der Fulfillment-Prozesse (das ist hauptsächlich Datenverarbeitung, Kundendienst und vor allen Dingen Logistik) automatisieren und Bürotätigkeiten und Verwaltungsaufgaben sollen von KI-Systemen übernommen werden.
Ähnlich wie Amazon argumentiert auch der Vorstand von Nestlé. Hier wird ebenfalls von Hierarchieabbau geredet. Doch gemeint sind nichts anderes als radikale Stellen-Streichungen. Insgesamt sollen bei Nestlé 16.000 Menschen ihren Job verlieren. Hier sind die Gründe ebenfalls Prozessautomatisierungen, unter anderem durch Künstliche Intelligenz.
Der Consulting-Riese Accenture hat unter dem Namen „AI Focused Restructuring“ ebenfalls angekündigt, 11.000 Menschen zu entlassen – begleitet mit der Ansage: Wer sich nicht schnell genug in KI Skills umrüsten lässt, fliegt raus. Der Konkurrent von Accenture, Tata Consultancy Services, lässt gerade die größte Kündigungswelle in der indischen IT-Geschichte durch den eigenen Laden rollen. Mehr als 12.000 Menschen werden gefeuert. Das mittlere Management wird ersetzt durch Künstliche Intelligenz. Natürlich dient das radikalen Kosten-Kürzungen. Das Unternehmen sagt aber auch, dass die Kunden eine höhere Produktivität verlangen würden und das sei nur durch den Einsatz von KI machbar.
Der IT-Riese Salesforce schmeißt 4.000 Menschen raus, auch deren Jobs werden in Zukunft von KI-Agenten übernommen. Ebenfalls 4.000 Menschen verlieren bei der Lufthansa ihren Job. Die Verwaltungsarbeit soll digitalisiert werden, und Künstliche Intelligenz soll ganze Workflows übernehmen, die vorher von Menschen gemacht worden sind. Auch der Facebook-Konzern Meta kündigt 600 Mitarbeitern, um sie durch KI zu ersetzen und selbst bei der Kaffeekette Starbucks werden knapp 1.000 Jobs gestrichen, weil Starbucks KI-gestützte Bots und Assistenten einsetzen will, sodass in den Filialen viel weniger Menschen notwendig sind.
Das alles ist nur eine kleine Auswahl von vielen Ankündigungen allein aus den letzten drei Monaten.

Personelle Bruchlandung bei Lufthansa: 4.000 Mitarbeiter verlieren wegen KI ihren Job.
Die Politik tut so, als ginge sie das Ganze nichts an
Auf der ganzen Welt, in Europa und auch zunehmend in Deutschland rollt eine massive Welle an Stellen-Streichungen durch die Unternehmen und das in allen Bereichen und in allen Branchen. Wer die Wirtschaftsmeldungen nur halbwegs aufmerksam verfolgt, hat das schon gemerkt. Denn es gibt fast täglich Meldungen von der Art und dem Kaliber wie oben beschrieben.
Nur in der Politik ist das Ganze überhaupt kein Thema. Weder auf Parteitagen, noch in irgendwelchen anderen Reden, Auftritten oder in Bundestagsdebatten spielt das irgendeine Rolle. Es sieht ganz so aus, als ob sich die Politik nicht dafür interessiert. Oder als ob unsere Politiker nicht in der Lage sind, das Ausmaß der Veränderung zu begreifen. Die Entwicklung ist extrem schnell und sie wird sich in Zukunft noch weiter beschleunigen. Gleichzeitig gibt es in den Reihen der Politik, eine umfassende Ahnungslosigkeit zu Künstlicher Intelligenz – und damit verbunden auch eine Angst, das Thema anzugehen. Man müsste ja als Politiker zugeben, dass man von etwas keine Ahnung hat …
Wir steuern in Wirtschaft und Gesellschaft mit voller Kraft auf eine Situation zu, die der Flüchtlingskrise von 2015 und der Corona-Pandemie in nichts nachstehen wird. Denn hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Menschen, werden in der nächsten absehbaren Zeit ihre Jobs verlieren. Diese Menschen werden durch KI ersetzt, weil KI ihre Aufgaben viel schneller, viel effizienter, viel ausdauernder und vor allem billiger übernehmen kann. Es wird besonders die Verwaltung und das mittlere Management treffen, also den Mittelstand der Arbeitnehmer in Deutschland sozusagen. Es sind also vor allen Dingen die sogenannten Weißen-Kragen-Jobs betroffen, in Büros und im Management. Wenn dieser Mittelstand der Arbeitnehmer in Deutschland wegfällt, dann hat das auch drastische Konsequenzen für den Sozialstaat. Denn genau diese Menschen zahlen in Summe das Meiste in die Sozial- und Rentenkassen ein. Die sind aber jetzt schon pleite und können nur durch Quer-Finanzierungen aus Steuern noch gerade so aufrechterhalten werden.
Bald hören wir wieder so etwas wie „Wir schaffen das …“
Es ist also nicht so, als ob die Folgen nicht absehbar wären. Aber genauso wie 2015 und auch wie während der Corona-Jahre wird die Politik so tun, als sei sie völlig überrascht. Und wir werden wieder die gleichen Geschichten hören, dass man ja angeblich nichts machen könne, sondern dass alles völlig überraschend über Deutschland und Europa hereinbricht. Vielleicht wird auch abgelenkt und wie heute schon eine angeblich zu schlechte Stimmung verantwortlich gemacht. Vielleicht gibt es auch wieder Durchhalteparolen vom Schlage „Wir schaffen das!“, von denen jeder weiß, dass wir es nicht schaffen und dass die Jobs, die einmal verloren gegangen sind, auch nicht wieder zurückkommen werden.
Politik und Beschlüsse können die technologische Entwicklung nicht aufhalten. Aber es ist die Aufgabe gerade der Regierung, dafür zu sorgen, möglichst gut vorbereitet zu sein. Aber wenn eines politisch nicht passiert, dann ist es eine Vorbereitung auf eine Arbeitswelt, in der KI Menschen ersetzt. Wir stehen gerade an der Schwelle der größten Revolution auf dem Arbeitsmarkt in den letzten 100 Jahren.
Und im politischen Berlin und den vielen Parteizentralen halten sich alle die Augen zu ...
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