Minister ordnet Weiterbetrieb an: CDU-Regierung führt erstes Kunststoffkombinat in Leuna
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Philippe Fischer- Die Firma Domo Chemicals in Leuna (Sachsen-Anhalt) ist insolvent; 550 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.
- Eigentlich drohte ein Produktionsstopp, doch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Schulze ordnete einen Weiterbetrieb an.
- Damit übernimmt das Bundesland auch ein Haftungsrisiko für den angeschlagenen Kunststoffhersteller.
Bei dem insolventen Kunststoffhersteller Domo in Leuna geht der Betrieb zunächst weiter. Zur „Gefahrenabwehr“ ordnete das Wirtschaftsministerium unter der Leitung von Sven Schulze (CDU) den Weiterbetrieb an. Schulze habe nun das Heft des Handelns in die Hand genommen, sagte der Minister in einem MDR-Interview. Damit entsteht unter CDU-Führung ein Kunststoffkombinat – inklusive Haftungsrisiken für den Steuerzahler.
Durch die Anordnung werden Kosten in Millionenhöhe entstehen, berichtet der MDR. Das Landesverwaltungsamt rechnet demnach mit Kosten im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Das Land Sachsen-Anhalt betreibt ab sofort ein Chemiewerk – unter der Führung von Wirtschaftsminister Schulze.
Grund für den Weiterbetrieb? Das Wetter!
In einer Pressemitteilung äußert sich Domo zum Weiterbetrieb und schreibt:
„Das Land Sachsen-Anhalt hat den Weiterbetrieb der Produktionsanlagen in Leuna aus Gründen der Gefahrenabwehr angeordnet. Die kurzfristige Stilllegung der Produktion ist damit vorerst vom Tisch. Hintergrund ist, dass ein sicheres Herunterfahren der Produktionsanlagen in Leuna bei den aktuellen Wetterbedingungen nicht umgesetzt werden kann. Um Gefahren für Mensch und Umwelt zu vermeiden, müssen die Anlagen daher am Laufen gehalten werden. Diese Gefahren können im Augenblick nur die aktuellen Betreiber der Anlagen abwenden. Daher hat das Land eine sog. ‚Ersatzvornahme‘ angeordnet, um die Gefahren durch eine unkontrollierte Betriebseinstellung abzuwehren.“
Schulze blickt optimistisch auf Investorensuche
Aus Sicht des CDU-Spitzenkandidaten lohnt sich jedoch der Weiterbetrieb auf Staatsanordnung. Denn es gebe Interessenten, die das Chemieunternehmen übernehmen könnten – das wäre eine gute Nachricht für die Belegschaft. Eigentlich plante Domo ein Herunterfahren der Produktion, da man sich zuletzt mit Gläubigern nicht einigen konnte.
In den vergangenen Tagen habe es viele, lange Gespräche gegeben, sagte Schulze dazu. Es gebe „durchaus einiges Interesse, das hier weiterzumachen“, sagte der Minister, der zeitnah Nachfolger von Ministerpräsident Reiner Haseloff werden will.

Kein gutes Zeichen: Die Eigentümer-Familie hat sich aus allen Verhandlungen bereits zurückgezogen.
Laut der Gewerkschaft IG BCE arbeiten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland rund 63.000 Menschen. Nach Angaben der IG BCE erwirtschaften sie einen Jahresumsatz von über 30 Milliarden Euro. Die Branche steht derzeit unter starkem Druck. Aufgrund der Lieferketten von Domo wären auch andere Zweige der Branche von den Folgen betroffen.
Energiepreis löste Krise in Leuna aus
Der Firmenverbund Domo Caproleuna GmbH und Domo Chemicals GmbH aus Leuna (Saalekreis) hatte bereits im Dezember Insolvenz angemeldet. Betroffen sind am Standort etwa 550 Mitarbeiter. Auch die Domo Engineering Plastics GmbH aus dem brandenburgischen Premnitz ist insolvent. Domo produziert am Standort Leuna unterschiedliche Produkte, eines der wichtigsten ist Polyamid 6, ein hitzebeständiger Kunststoff, der etwa in Motorräumen von Fahrzeugen, in Schaltschränken, aber auch für die Produktion von Outdoor-Kleidung eingesetzt wird. Während der Energiepreiskrise im Jahr 2022 rutschte das Werk in die Verlustzone.
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