Nach Maduros Verhaftung könnte Venezuela zum großen Wirtschaftspartner der USA werden
Ein Beitrag von
Andreas MoringDie US-Regierung von Donald Trump setzt Venezuelas sozialistischen Machthaber im Handstreich ab. Vordergründig geht es um den Kampf gegen Drogenhandel und die Sicherheit der USA.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Venezuela könnte das reichste Land Südamerikas sein und sitzt auf riesigen Rohstoffvorkommen. Es wäre der perfekte Partner für die US-Wirtschaft. Aber nur ohne Maduro und seine korrupte Junta. Und es geht ebenso um das Ende des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ in Kuba und Nicaragua, die beide am Tropf von Venezuela hängen.
Die Geschichte Venezuelas in den vergangenen 25 Jahren ist eine Geschichte des Verfalls und der Korruption unter Hugo Chávez und Nicolás Maduro. Nach einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um rund 80–86 Prozent innerhalb weniger Jahre steckt Venezuela in einer der schwersten Wirtschaftskrisen der jüngeren Geschichte; die Wirtschaftsleistung schrumpfte zwischen 2014 und 2021 um etwa drei Viertel. Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner sind als Wirtschafts‑ und Flüchtlingsmigranten ins Ausland gegangen, was die inländische Nachfrage und das verfügbare Fachkräftepotenzial zusätzlich schwächt.
Venezuela litt unter Hyperinflation
Seit etwa 2021 zeigen sich leichte Erholungszeichen: Die Wirtschaft wächst wieder moderat, unter anderem dank begrenzter Liberalisierung, teilweiser Dollarisierung und etwas steigender Ölförderung. Das war aber stets nur ein fragiles Wachstum, weil niemand wusste, wie lange sich Maduro noch halten kann. Venezuela erlebte unter der Regierung Maduro eine Phase extremer Hyperinflation, in der Preissteigerungen zeitweise bei Zehntausenden Prozent pro Jahr lagen.

Nicolás Maduro blockierte Wachstum und Wohlstand.
Ursachen waren vor allem das Drucken von Geld, um die Haushaltsdefizite auszugleichen, eine kollabierende Landeswährung Bolívar, dann staatlich vorgeschriebene Preise und ein staatlich reguliertes Wechselkurssystem, das den Schwarzmarkt massiv befeuerte.
Zwar ist die Hyperinflation inzwischen eingedämmt, und die Inflationsrate lag 2024 offiziell „nur“ noch im zweistelligen Bereich, aber Preisniveaus und Löhne bleiben extrem verzerrt. Viele Transaktionen erfolgen faktisch in US‑Dollar, was der bessergestellten städtischen Mittelschicht eine gewisse Stabilisierung ermöglicht, während große Teile der Bevölkerung mit sehr niedrigen Einkommen und von Gelegenheitsjobs oder illegalen Jobs leben.
Venezuela könnte das reichste Land Südamerikas sein – und Partner der USA
Eigentlich könnte Venezuela das reichste und wohlhabendste Land in ganz Südamerika sein. Venezuela verfügt über außergewöhnlich umfangreiche Rohstoffvorkommen und damit grundsätzlich über große wirtschaftliche Potenziale.
Das Land besitzt die weltweit größten nachgewiesenen Erdölreserven (rund 298 Milliarden Barrel), große Erdgasbestände, bedeutende Lagerstätten von Eisen, Bauxit, Nickel und Kohle sowie enorme Wasserkraftpotenziale in den Guayana‑Hochländern.
Neben dem Energiesektor gibt es weitere enorme wirtschaftliche Potenziale in der Landwirtschaft und in der energieintensiven Grundstoffindustrie wie Stahl und Aluminium, die historisch von der Kombination aus Erzen und Wasserkraft profitierten. In einer stabileren politischen und wirtschaftlichen Umgebung könnte Venezuela daher sowohl als wichtiger Energielieferant als auch als regionaler Industriestandort auftreten. Das ist natürlich für die USA und Donald Trump interessant und eine attraktive Aussicht: Mit einem wirtschaftlich wachsenden Nachbarn Venezuela hätten die USA eine sichere Versorgung mit wichtigen Bodenschätzen, einen Verbündeten mit hohen Einnahmen aus dem Ölgeschäft und neue Absatzmärkte für die eigenen hochpreisigen Produkte. Make Venezuela Great Again wäre sozusagen ein Teil von Make America Great Again.
„Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ hat Venezuela kaputt gemacht
Doch die venezolanische Wirtschaft litt in den letzten Jahren unter einer Kombination aus Missmanagement, Korruption, staatlicher Dominanz und politischer Repression, die Investitionen und Produktivität dauerhaft drückt. Maduro und seine Regierung nannten genau das immer den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“. Auch in Deutschland gab und gibt es unter Linken viele Anhänger und Fans dieses „modernen Sozialismus“. Egal, ob er Millionen von Menschen in dem Land in Armut und Flucht getrieben hat. Zentral dabei ist genau die starke Abhängigkeit von Öl: Rund 90 Prozent der Exporterlöse entfallen auf den Energiesektor, während Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungssektor vernachlässigt wurden.
Unter Maduro wurden Preis‑, Devisen‑ und Importkontrollen zeitweise massiv verschärft, was zu Engpässen, Schwarzmärkten und einer Erosion der formellen Wirtschaft führte. Internationale Sanktionen, insbesondere gegen den staatlichen Ölkonzern PDVSA, erschweren den Zugang zu Kapital, Technologie und Märkten, verschärfen die ohnehin riesige Verschuldung von schätzungsweise rund 150 Milliarden US‑Dollar und begrenzen die Handlungsspielräume des Staates.

Eine Gruppe von Öltankern wartet bei Sonnenuntergang auf die Einfahrt in das PDVSA-Dock in Guaraguao, um mit Öl versorgt zu werden.
Ölkonzern als Finanzierungsarm des Staates
Historisch stammt der Großteil der Exporterlöse und ein erheblicher Teil der Staatseinnahmen aus den Aktivitäten von PDVSA, zeitweise bis zu 90–95 Prozent der Deviseneinnahmen. Der Konzern fungiert de facto als Finanzierungsarm des Staates: Gewinne wurden und werden genutzt, um den Staatshaushalt, Sozialprogramme und politische Projekte zu finanzieren, statt konsequent in Wartung, Technologie und Kapazitätserhalt zu investieren. Damit ist PDVSA nicht nur ein Unternehmen, sondern ein zentrales machtpolitisches und fiskalisches Instrument der jeweiligen Regierung. Der Konzern ist seit Jahren von schweren Korruptionsaffären betroffen, die sowohl Funktionäre als auch Manager und externe Geschäftspartner betreffen.
2023 wurde im Zuge einer großangelegten Anti‑Korruptionskampagne ein Netzwerk aufgedeckt, bei dem Milliardenbeträge aus nicht abgerechneten oder unterschlagenen Öllieferungen verschwunden sein sollen. Unter der Regierung Maduro wurde PDVSA noch stärker in die staatliche und parteipolitische Steuerung eingebunden, etwa durch die Besetzung von Schlüsselpositionen mit loyalen Militärs und Parteikadern.
Die nächsten Kandidaten: Kuba und Nicaragua?
Wenn Venezuelas sozialistische Regierung von Maduro nun wohl bald Geschichte ist, dann wird es für andere Sozialisten und Kommunisten in Lateinamerika auch mehr als eng. Kuba und Nicaragua waren über Jahre eng an die venezolanischen Öleinnahmen gekoppelt. Maduros Regierung belieferte beide Länder im Rahmen politischer Allianzen mit verbilligten Öl- und Treibstofflieferungen und verschaffte ihnen so dringend benötigte Devisen‑ und Energieentlastung. Diese Unterstützung half ihren Regierungen, trotz Korruption und US‑Sanktionen „soziale“ Programme und Subventionen aufrechtzuerhalten, machte ihre Volkswirtschaften aber zugleich komplett abhängig von Venezuela.
Besonders Kuba hängt „am Tropf Venezuelas“, weil ein erheblicher Teil des kubanischen Energiebedarfs durch vergünstigte venezolanische Öllieferungen gedeckt wurde, die in Spitzenzeiten auf etwa 100.000 Barrel täglich geschätzt wurden.
Kuba wird sich nicht lange halten können
Im Gegenzug entsandte Havanna zehntausende Ärzte, Berater und Sicherheitskräfte nach Venezuela. Ein Tauschgeschäft, das der kubanischen Führung Devisen brachte und Maduro politisch stabilisierte, denn gerade solche Fachkräfte hatten Venezuela zu Hunderttausenden verlassen und waren vor allem in die USA und nach Spanien geflüchtet. Wenn Maduros Regierung gefallen ist, dann kann sich Castros Regierung in Kuba wohl auch nicht mehr lange halten. Nicht unwichtiger Aspekt hier: Marco Rubio, der US-Außenminister, ist Sohn kubanischer Flüchtlinge, hat also noch eine persönliche Rechnung mit den Sozialisten in Havanna offen.
Machthaber Nicaraguas war ebenfalls von Maduro abhängig
Nicaragua wiederum profitierte über die regionale Initiative „ALBA“ und die venezolanische Ölfirma ALBA‑Petróleos von günstigem Öl, Krediten und Investitionsprojekten, was Machthaber Daniel Ortega (ein kommunistischer Guerilla-Krieger und Diktator in Nicaragua in den 1980er Jahren und jetzt wieder diktatorischer Präsident des Landes) zusätzlichen finanziellen Spielraum für seinen Sozialismus in Nicaragua verschaffte. Als Venezuelas Einnahmen und Fördermengen einbrachen, versiegten diese Finanzströme weitgehend und werden wohl jetzt komplett wegfallen. Damit könnte auch das Schicksal Ortegas besiegelt sein.

Nicaraguas Machthaber Daniel Ortega nahm natürlich an der feierlichen Vereidigung von Maduro teil.
Es würde bedeuten, dass die letzten „sozialistischen“ Regierungen in Lateinamerika endgültig verschwinden. Die Aktien der USA sind also nicht nur ein Angriff auf Maduro. Es geht hier vielmehr um die strategische und wirtschaftliche Neuordnung ganz Amerikas.
Natürlich im Interesse der USA. Aber die Bevölkerung in Venezuela und auch in Kuba und Nicaragua werden ihren „sozialistischen Führern“ keine Träne nachweinen, sondern sich auf den Aufbau von Wohlstand in einer neuen Zeit konzentrieren.
Lesen Sie auch:
Was Maduro mit der illegalen Migration zu tun hat und warum Trumps Angriff ein Vorbild für die EU sein sollte
Weitere Artikel zum Thema
Fast das gesamte Sondervermögen wird „zweckentfremdet“
Deutsche Autos: Premiumhersteller verlagern Produktion nach Osteuropa
Ifo-Institut: „Regierung hat 95 Prozent der neuen Schulden für Infrastruktur im Jahr 2025 zweckentfremdet“
Gewinne deutscher Autobauer um 44 Prozent eingebrochen: Letzte Rettung Modelloffensive
Vom Habeck‑Regen in die Merz‑Traufe: Warum auch das neue Heizungsgesetz Bürger teuer zu stehen kommen wird
Der Blick der Wirtschaft: Militärische Präzision und strategisches Chaos in der Iran-Krise
McKinsey-Berater schlagen Alarm: Acht von zehn VW-Werken sollen geschlossen werden!
Andreas Moring
Autor
Artikel teilen
Kommentare