Gedenken an den 17. Juni: Die Einheit wurde uns nicht geschenkt
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Für viele ist dieser Tag so weit entfernt wie der Dreißigjährige Krieg oder die erste Eisenbahnfahrt von Nürnberg nach Fürth. Es ist der Tag des Volksaufstands in der DDR. Der Tag, der in der Bundesrepublik Deutschland zum Tag der Einheit wurde. Am 17. Juni 1953 (und den Tagen danach) demonstrierten bis zu eine Million Menschen in Berlin und an anderen Orten der DDR. Sie demonstrierten gegen neue Arbeitsnormen, gegen die SED, für freie Wahlen und mehr Wohlstand. Sowjetische Panzer walzten den Aufstand nieder – 55 Menschen starben, 10.000 wurden verhaftet, 1.500 zu Gefängnisstrafen verurteilt. Das Foto, auf dem sich Ostberliner Arbeiter mit Steinen gegen sowjetische Panzer wehren, ging um die Welt. Es ist zum Symbol geworden für den Kampf Unbewaffneter gegen eine bewaffnete Staatsmacht.
„17. Juni!“ – das war ein Stichwort, das die SED-Bonzen fürchteten wie kaum ein anderes. 1989, als die friedliche Revolution begann und immer mehr Menschen der DDR auf die Straße gingen, hatte Stasi-Chef Erich Mielke die Frage gestellt: „Ist es so, dass morgen der 17. Juni beginnt?“ So tief saß der Stachel des Aufstands des 17. Juni mehr als 35 Jahre nach dem Ereignis.

Stasi-Chef Erich Mielke
Kerzen im Fenster am 17. Juni
Für uns Heranwachsende in Westberlin war der 17. Juni ein wahrhaft feierlicher nationaler Feiertag. Wir stellten Kerzen in unsere Fenster, in der Schule hielten wir Vorträge, ich selbst kannte die Wege der Demonstranten auswendig und konnte sie auf der Karte zeigen, obwohl ich nie dagewesen war (weil ich nicht durfte). Es war ein Feiertag, an dem man sich an den Todesmut und die Opferbereitschaft jener erinnerte, die unsere Nachbarn waren. Erst fünf Jahre später trennte Walter Ulbricht die Deutschen mit Mauer und Stacheldraht.
Was war der Anlass für die Massenproteste am 17. Juni 1953? Im Nachhinein betrachtet, war es kein versuchter Staatsstreich oder ein Angriff auf die SED-Führung. Es ging um die sogenannte Normerhöhung – für dasselbe Geld sollte zehn Prozent mehr gearbeitet werden. Nach der Niederschlagung der Proteste wuchs die Zahl der Häftlinge innerhalb weniger Monate von 37.000 auf 67.000. Die Zahl der Flüchtlinge aus der DDR in die Bundesrepublik betrug vom Sommer 1952 bis zum Sommer 1953 rund 300.000 Menschen.
An Mauer und Stacheldraht starben bis zur Wiedervereinigung in Berlin mindestens 140 Menschen. An der gesamten innerdeutschen Grenze waren es nach aktuellem Forschungsstand mindestens 260 weitere Todesopfer. Sie wurden erschossen, ertranken, starben an Selbstschussanlagen. Jeder Tote hatte sein eigenes furchtbares Schicksal. Sie alle hatten eines gemeinsam: Sie starben für das, was sie nicht hatten und sich so sehnlich herbeigewünscht hatten – die Freiheit. Das sollten wir, die wir heute friedlich im vereinten Deutschland leben dürfen, nicht vergessen.
Die Einheit wurde uns nicht geschenkt.
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