„Organismendemokratie“ als politische Bildung: Bundesregierung fördert Würmer-Parlament mit über 100.000 Euro Steuergeld
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Die Bundesregierung förderte einen Verein für „Organismendemokratie“ mit über 100.000 Euro Steuergeld. Dies geht aus der Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der AfD hervor, die wissen wollte, welche Organisationen seit 2020 über die Bundeszentrale für Politische Bildung finanziert wurden.
Der Verein Organismendemokratie/organisms democracy e.V. arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Demokratie zu öffnen „für die zwei bis zehn Millionen anderen Arten von Lebewesen, die gleichzeitig mit der dominanten Wirbeltierspezies Mensch den Planeten besiedeln“. Auf der Website des Vereins heißt es weiter: „Die Organismendemokratie beteiligt von Bäumen und anderen Pflanzen über Wirbeltiere, wirbellose Tiere und Pilze bis zu Bakterien und Viren alle Arten von Lebewesen, die einen gemeinsamen Lebensraum besiedeln.“

Die Organismendemokratie bei der Arbeit. Screenshot aus einem Kurzfilm über das Projekt.
Die beim Bundesinnenministerium angesiedelte Bundeszentrale für politische Bildung förderte den Verein 2023 mit 59.124 Euro, im Jahr 2025 mit 50.000 Euro. Außerdem flossen laut der Website des Vereins Gelder von der Stadt Berlin aus der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie über die Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung, die aus der gleichen Senatsverwaltung gefördert wird. Wie hoch die Beträge aus dem Berliner Senat ausfielen, dazu äußerte sich die Stadt auf NIUS-Anfrage nicht.
„Staatsgebiet“ in Berlin ausgerufen
Die ursprünglich in Wien gegründete Initiative ist seit 2019 auch in Berlin aktiv und hat dort bereits ein „Staatsgebiet“ ausgerufen: eine Grünfläche in der Osloer Straße 107/108. Dort hat sie zudem ein Parlament der Lebewesen gegründet, in dem unterschiedliche Fraktionen vertreten sind, wie etwa „Weichtiere und Würmer“, „Gliederfüßer“, „Pilze, Moose, Flechten“ und „Bakterien, Einzeller, Viren“.
Die Interessen des West-Nil-Virus werden in der aktuellen Legislaturperiode von Mario Asef vertreten, unter dessen Namen sich ein Berliner Konzeptkünstler mit argentinischen Wurzeln findet, der im Rahmen seiner künstlerischen Tätigkeit beispielsweise auf der Suche nach Flechten durch den Tiergarten streift. Für andere Lebewesen wie die Große Glanzschnecke oder das Bakterium Roseomonas terrae konnte offenbar noch kein Vertreter gefunden werden.

Ein Wahlomat hilft Weichtieren bei der Wahl der richtigen Fraktion.
In der steuerfinanzierten Organismendemokratie gilt laut Website das Prinzip der Gewaltenteilung. So setzt es sich aus dem Parlament, einer Exekutive und einem Verfassungsgericht zusammen. Dabei müssen auch Kollisionen mit bereits bestehenden Staaten wie der Bundesrepublik Deutschland verhindert werden: „Da die bisherigen Organismendemokratien sich auf nationalen Hoheitsgebieten rein menschlicher Staaten befinden, muß die Exekutive bei der Umsetzung von Beschlüssen gleichzeitig kommunale, nationale und internationale Menschengesetzgebung, wie zum Beispiel Naturschutzbestimmungen, beachten.“
Gleichwohl scheint man sich im Verein keine Sorgen finanzieller Natur zu machen. Auf der Website heißt es: „Die Haushaltsmittel für die Umsetzung der Parlamentsbeschlüsse wurden und werden in den bisherigen Organismendemokratien aus Fördergeldern von menschlichen Kommunen, Ländern und Staaten aufgebracht.“

Zwei Insekten der Initiativen posieren für einen Film.
Eine Verfassung der Tiere
Die Berliner Organismendemokratie hat sich sogar eine Verfassung gegeben. Die Präambel beginnt mit den Worten:
„Weg mit der Natur! Her mit der Politik! Wir, die Organismen des Gebiets Osloer Str. 107/108 in 13359 Berlin, erklären auf Grundlage der Allgemeinen Deklaration der Organismenrechte, im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung die Vielfalt in der Einheit zu leben und mit
dem Ziel, den größtmöglichen Nutzen bei kleinstmöglichem Nachteil für alle Organismen zu erlangen unser Heraustreten aus der vermeintlichen Zwangsläufigkeit evolutionärer Entwicklung (Dominanz/Verdrängung, Überleben/Aussterben) und gründen das eigenständige Gemeinwesen ‚Organismendemokratie Osloer Straße‘.“
2022 wurde die Verfassung „auf Antrag der Ulmenblattwespe Sarah Krit“ um das Staatsziel erweitert, „die Diversität der Spezies und Habitate weiter zu erhöhen.“

Die Verfassung der Berliner Organismendemokratie.
Beteiligt an dem Projekt ist auch die Berliner „Künstler*innengruppe“ Club Real, die laut Verfassung die Exekutive darstellt: „Club Real übernimmt im Rahmen der Umwandlung des Ökosystems zur Volksherrschaft im Garten die Rolle einer exekutiven prozessbegleitenden Macht.“
Die Zuteilung der Exekutivrechte an bestimmte Individuen in der Verfassung ist ein eigentlich eher undemokratisches Vorgehen. Dennoch störte sich die Bundeszentrale für Politische Bildung offenbar nicht daran, dem Verein im Namen vermeintlicher Bildung Gelder zukommen zu lassen. Die Institution ist seit Jahren nach links gerückt und hat soeben einen linken Kulturkämpfer von der SPD als neuen Präsidenten bekommen: Sönke Rix, einen Ex-SPD-Abgeordneten, der unter anderem durch Pöbeleien gegen die CSU von sich reden machte.
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Michael Espendiller, dessen Anfrage die Förderung aufdeckte, erklärt gegenüber NIUS: „Wer das für ,politische Bildung‘ hält, hat den Bezug zur Realität verloren. Man muss sich im Lichte der Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage fragen, ob die Bundeszentrale für politische Bildung überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat.“
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Pauline Voss
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