Jedes Glas Wein ist eines zu viel: Warum Wissenschaft und Politik Alkohol weltweit verbieten wollen
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Hand aufs Herz: Haben Sie jemals seit Ihrer Geburt ein kleines Bier, ein Glas Wein oder vielleicht ein Schnäpschen getrunken? Im Ernst? Dann haben Sie einen schweren Fehler gemacht, der nie wieder gutzumachen ist. Denn: Jedes Glas Bier, jedes Glas Wein, von Spirituosen gar nicht zu reden, ist ein Glas zu viel. Alkohol ist ein tödliches Zellgift, das selbst in kleinsten Mengen die DNA schädigt, freie Radikale erzeugt, den Stoffwechsel stört, Entzündungen fördert und Zellen abtötet.
Woher ich das weiß? Von den allerersten Autoritäten auf der ganzen Welt: Von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), dem Robert Koch-Institut (RKI), der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Und natürlich: von der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Jeder Tropfen Alkohol ist schädlich, jeder Krümel Cannabis gesund
Alle diese hervorragenden Institutionen wissen, dass jeder Tropfen Alkohol den Menschen irreversibel schädigt. Allerdings wissen sie das noch nicht sehr lange. Die DHS und die WHO kennen die frohe Botschaft seit 2023, die DGE erst seit August 2024, das DKFZ weiß es bereits seit 2022, während das RKI erst 2025 auf den Trichter gekommen ist. Aber jetzt wissen es alle: Es gibt keine sichere Menge Alkohol. Das Risiko beginnt mit dem ersten Glas. Im O-Ton der WHO: „No level of alcohol consumption is safe for our health.“
Jetzt noch eine Frage, und bitte antworten Sie wieder ehrlich: Haben Sie in den letzten Jahren vielleicht einmal einen Joint, also eine Zigarette, die „Gras“, sprich Marihuana, enthält, geraucht? Oder „medizinisches“ Cannabis gekifft, geschluckt, gelutscht oder gekaut? Wirklich? Dann haben Sie sich und Ihrer Gesundheit einen großen Gefallen getan.
Denn Haschisch, das Harz der Cannabispflanze aus der Familie der Hanfpflanzen, bietet einen ganzen Blumenstrauß von Benefits: Es lindert chronische und neuropathische Schmerzen, reduziert Spastik bei Multipler Sklerose, mindert Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie, steigert den Appetit bei Krebs und HIV, wirkt wohltuend bei schweren Epilepsieformen, fördert Entspannung und Schlaf bei Angst und Stress und wirkt symptomlindernd bei Autoimmunerkrankungen wie Lupus, Arthritis, Morbus Crohn und Multipler Sklerose. Und selbst wenn Cannabis eventuell doch nicht so gesund wäre, ist sein Konsum keinesfalls zu bestrafen, weil nicht Drogen das Problem sind, sondern ihr Verbot durch den Staat und die Kriminalisierung der „Abhängigen“, recte Konsumenten.

Cannabisblüten werden als medizinisches Cannabis zur Linderung von chronischen Schmerzen, Spastiken, Übelkeit und Appetitlosigkeit eingesetzt.
NGOs und Politik pushen Cannabis, bis der Arzt kommt
Woher ich das alles weiß? Auch hier wieder: von den größten und seriösesten Autoritäten in ganz Deutschland. Zum Beispiel vom Deutschen Hanfverband, einer kleinen (7.000 Mitglieder), aber extrem rührigen NGO, deren beide Geschäftsführer grüne Politiker sind, die mit maximalem Einsatz und mediokrem Mediengeschick, dafür aber mit viel scheinheiligem Idealismus Cannabis auf allen Kanälen pushen, bis der Arzt kommt. Oder vom Schildower Kreis, einem Netzwerk linker Akademiker mit wohlklingenden Titeln und blutenden Herzen, die jede Art von Drogenverbot ablehnen und die Freigabe praktisch aller Rauschgifte fordern.
Und natürlich von den Grünen, die die Legalisierung von Haschisch quasi seit dem Tag ihrer Gründung fordern. Selbstverständlich auch von der Linken, die seit Jahrzehnten für eine vollständige Freigabe „weicher“ Drogen kämpft. Leider auch von der FDP, die 2015 auf den Drogenzug aufgesprungen ist, und schließlich von der SPD, die lange dagegen war, aber im Koalitionsvertrag 2021 eingeknickt ist und seitdem ebenfalls die Freigabe von Haschisch richtig gut findet.

Die Cannabis-Legalisierung in Deutschland ist ein zentrales Projekt des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) gewesen. Seit dem 1. April 2024 ist der kontrollierte Umgang mit Cannabis für Erwachsene teilweise legal.
Der Diskurs hat sich komplett gedreht
Wer hätte das gedacht? In nur einer Generation hat sich der Diskurs zu Alkohol und Haschisch vollkommen gedreht. Wurden Wein, Bier, Cognac und edle Brände noch bis vor wenigen Jahren als anregende und in Maßen genossen durchaus unschädliche Genussmittel angesehen, die das Leben angenehmer machen, gilt inzwischen jegliche Menge Alkohol als todbringendes Gift, dessen sich der Mensch am besten lebenslang enthält. Ganz anders dagegen bei Haschisch und Marihuana. Diese alten Einstiegsdrogen wurden inzwischen im zeitgeistigen Diskurs von Rauschgiften zu medizinischen Wunderkräutern promoviert, deren Heilkraft den Menschen ein Segen und deren Verbot eine Zumutung ist und außerdem Millionen kriminalisiert, was doppelt untragbar ist.
Woher kommt nun dieser erstaunliche Sinneswandel? Was steckt hinter dieser Neudefinition der Schädlichkeit von Alkohol und der Nützlichkeit von Drogen auf der ganzen Welt? Mit einem Wort: Was ist die Wissenschaft dahinter? Denn sie alle – die WHO wie das RKI, das DKFZ und die DGE – berufen sich ja auf unangreifbare wissenschaftliche Studien, die ihnen merkwürdigerweise aber erst in den letzten Jahren bekannt wurden, während sie zuvor doch alle annahmen, ein Viertel Wein am Tag wäre besser als kein Alkohol und sogar ein gewisser Schutz gegen Diabetes und Arteriosklerose.
Hinter allen Zero-Alkohol-Empfehlungen steckt eine einzige Studie, finanziert von der Gates-Stiftung
Überprüft man die wissenschaftliche Grundlage der Zero-Alkohol-Empfehlungen der WHO und vieler anderer Institutionen, dann stellt sich heraus: Sie alle berufen sich auf ein und dieselbe Studie aus dem Jahr 2018, die im britischen Medizinjournal The Lancet erschien. Nun ist The Lancet gewiss eine der ältesten und renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, aber das allein sagt gar nichts, denn das berühmte und später hundertmal widerlegte Paper eines britischen Scharlatans, der behauptete, die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln würde bei Kindern Autismus auslösen, erschien 1998 ebenfalls in The Lancet.
Wie gut und wissenschaftlich exakt ist also das neue Evangelium der modernen Prohibition aus dem Lancet, das behauptet, jeder Tropfen Alkohol sei schädlich? Von wem stammt die Studie, wer hat sie finanziert, was sind die wissenschaftlichen Grundlagen und mit welcher Methodik wurde vorgegangen?
Der Titel der Studie aus dem Jahr 2018 lautet so: „Alcohol use and burden for 195 countries and territories, 1990–2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016.“ (Lancet 2018; 392: 1015–35)

Auszug Lancet-Studie
Wirft der Leser nun einen Blick in diese gerade einmal 21 Seiten starke Veröffentlichung, dann kommt die erste Überraschung gleich am Anfang: Finanziert hat diese Metastudie die Bill & Melinda Gates Foundation.

Auszug Lancet-Studie, finanziert von der Bill & Melinda Gates Foundation
Das muss jetzt nichts heißen, denn die Gates-Stiftung, mit einem Stiftungsvermögen von 70 Milliarden Euro und einem jährlichen Budget von etwa 8,5 Milliarden Euro die reichste NGO der Welt, hat ihre Finger in vielen Projekten auf der ganzen Welt und mischt oft mit, wenn es um Public Health geht oder das, was die geschiedenen Eheleute Gates dafür halten. Aber die Bezahlung durch die Gates-Stiftung ist ein Hinweis darauf, dass dahinter ein spezielles Erkenntnisinteresse steht und die Stiftung ein bestimmtes Ergebnis möglicherweise erwartet. Dazu passt, dass die federführende Autorin, Prof. Emmanuela Gakidou, leitende Direktorin am Institut für Gesundheitsstatistik an der University of Washington in Seattle ist, wo bekanntlich auch die Gates-Stiftung beheimatet ist. Es gibt also eine klare geografische und institutionelle Nähe zwischen Geldgeber, Forschungseinrichtung und den zentralen Akteuren.

Die Bill & Melinda Gates Stiftung ist in Seattle beheimatet. Ebenfalls dort beheimatet ist das Institut für Gesundheitsstatistik, dessen Direktorin Prof. Emmanuela Gakidou federführende Autorin der Lancet-Studie ist.
Kein Autor ist Mediziner
Überhaupt die Autoren: Neben Frau Gakidou hätten wir da noch den Volkswirt Dr. Max Griswold, Professor für Policy-Analyse an der RAND School of Public Policy in Santa Monica, sowie Nancy Fullman, Doktorandin für globale Gesundheitsstatistik und Implementierungsforschung, die bei Frau Gakidou promoviert und gleichzeitig für die Gates-Stiftung arbeitet. Diese Dreierseilschaft nun ist das Team, das erst der WHO und damit der ganzen Welt erklärt, dass jeder Tropfen Alkohol ein tödliches Gift und totale Abstinenz die einzige Rettung ist.

Rand School of Public Policy in Santa Monica: Hier lehrt und forscht einer der Studien-Autoren, Volkswirt Dr. Max Griswold
Keiner der Hauptautoren ist Mediziner, noch hat einer von ihnen klinische Erfahrung, geschweige denn in seinem Leben jemals einen Patienten behandelt. Das ganze Team hinter der Lancet-Studie besteht ausschließlich aus Datenanalysten, die Daten, welche andere erhoben, und Studien, die andere durchgeführt haben, in eine Statistiksoftware einspeisen und dann nach Kriterien, die sie selbst bestimmen, auswerten.
Was ist jetzt die Grundlage für Zero-Alkohol?
Was sind nun diese Studien, auf die sich diese Metaanalyse – so nennt man eine Studie, in der die Daten vorhandener Studien erneut ausgewertet werden – stützt? Was ist die Grundlage für das von den Autoren so offensichtlich angestrebte weltweite Alkoholverbot?
In Summe haben die Autoren 694 Datenquellen und 592 prospektive und retrospektive Einzelstudien ausgewertet. Die Datenquellen sind Verkaufsstatistiken, Umfragen, Bevölkerungsdaten und Steuerunterlagen aus 195 Ländern, die den Autoren dazu dienen, abzuschätzen, wie viel Alkohol die Menschen weltweit tatsächlich trinken. Die Einzelstudien sind wissenschaftliche Veröffentlichungen, in denen untersucht wurde, ob und wie stark Alkohol Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt verursacht. Die 694 Quellen sagen also: „Wie viel trinken die Leute in jedem Land der Welt?“, während die 592 Studien erklären: „Und welche Krankheiten verursacht das?“
Bei den 592 Studien handelt es sich um „prospektive und retrospektive Kohortenstudien“. Damit ist gemeint: Große Gruppen von Menschen (die „Kohorten“) werden zu Beginn der Studie per Fragebogen nach ihrem Alkoholkonsum befragt und dann zukunftsgerichtet („prospektiv“) über Jahre beobachtet, wobei regelmäßig überprüft wird, wer woran erkrankt. „Retrospektiv“, sprich rückwärtsgewandt, bedeutet, dass das historische Trinkverhalten von heutigen Kranken anhand alter Fragebögen analysiert wird.
592 Einzelstudien – und alle beruhen auf nie überprüften Fragebögen
Zu den fünf größten und einflussreichsten Einzelstudien, die in die Lancet-Analyse von 2018 einflossen, gehören die europäische EPIC-Studie (Rekrutierung 1992–2000 in zehn Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien; über 520.000 Männer und Frauen), die britische Million Women Study (1996–2001; 1,3 Millionen Frauen), die amerikanische Nurses’ Health Study (seit 1976 bzw. 1989; mehr als 230.000 Krankenschwestern), die ebenfalls US-amerikanische Health Professionals Follow-up Study (seit 1986; über 50.000 männliche Gesundheitsberufe) sowie die finnische ATBC-Studie (1985–1988; knapp 29.000 männliche Raucher). In allen fünf prospektiven Kohortenstudien wurde der Alkoholkonsum ausschließlich per Fragebogen erfasst – einmalig oder in regelmäßigen Abständen – und die Teilnehmer anschließend über viele Jahre auf Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Leiden beobachtet.
Die Schwachstelle all dieser Studien ist immer dieselbe: Die Teilnehmer füllen Fragebögen aus, in denen gefragt wird: „Wie viel Alkohol hast du in den letzten 12 Monaten getrunken?“ (Menge, Häufigkeit, Getränkeart: Wein, Bier, Schnaps usw.) Aber: In keiner der Studien gibt es objektive Messungen und Daten – keine Blutbilder der Probanden, keine Haaranalysen, keine Biomarker, keine Labortests – nichts. Alles basiert einzig und allein auf den Aussagen der Studienteilnehmer.
Starke Trinker sagen nicht die Wahrheit
Nun weiß jeder, dass Menschen Dinge vergessen, sich nicht genau erinnern oder ganz einfach lügen. Wer gibt schon gerne zu, dass er im Jahr 200 Flaschen Bier, 50 Flaschen Wein und 10 Flaschen Schnaps getrunken hat – er stünde ja als Quartalssäufer da. Also erinnert sich der Studienteilnehmer, wenn er den Fragebogen ausfüllt, nur an einige Bierchen, ein paar Gläser Wein und ab und zu ein Schnäpschen. Und an sonst nichts. Tun das viele Studienteilnehmer, und insbesondere starke Trinker neigen aus Scham genau dazu, dann macht das die ganze Studie wertlos.
Epidemiologen und Medizinstatistiker bezeichnen Erinnerungslücken, Unwahrheiten und Lügen von Studienteilnehmern gerne als „Underreporting Bias“. Das ist ein lachhafter Euphemismus, der verschleiern soll, dass ihre aufwendigen und teuren Studien mit Tausenden von Teilnehmern, die über Jahre und Jahrzehnte gehen, oft kaum etwas aussagen, weil fast alle Studienteilnehmer mit hohem Alkoholkonsum diesen verharmlosen, untertreiben oder komplett leugnen, da sie nicht als Säufer gelten wollen. Eine kanadische und eine amerikanische Studie, jeweils aus dem Jahr 2014, ergaben, dass Teilnehmer bei Alkoholstudien ihren wahren Konsum um bis zu 75 Prozent unterschätzten, also nur ein Viertel von dem, was sie tatsächlich trinken, angeben. Solche Daten sind wertlos – werden aber trotzdem veröffentlicht, da die Wissenschaftler dahinter für das ganze Geld und den enormen Aufwand ja irgendetwas vorweisen müssen und oft ihre eigene Karriere direkt an der Studie hängt.
Ein nicht zu heilendes Defizit der Studie
Und exakt das ist das große, nicht zu heilende Defizit der „Alcohol use and burden“-Studie von Frau Dr. Gakidou et alii: Es ist davon auszugehen, dass die Resultate der weitaus meisten der 592 Einzelstudien falsch sind, weil sie den wahren Alkoholkonsum der starken und riskanten Trinker unter den Teilnehmern – und das sind 25 Prozent – systematisch unterschätzen. Aufgrund ihrer Falschangaben rutschen viele der starken Trinker in die Gruppe der moderaten Trinker, was das Gesundheitsrisiko der gesamten Gruppe schlagartig erhöht. Da die Quartalssäufer mit ihren Zirrhosen, Fettlebern, Schlaganfällen und Vorhofflimmern nun zusammen mit jenen erfasst werden, die am Tag ein Glas Wein trinken, hat es plötzlich den Anschein, als würde dieses eine Glas all die Krankheiten der echten Alkoholiker in der Gruppe hervorrufen.
Die vielen falschen und von niemandem kontrollierten Aussagen der Teilnehmer in den ursprünglichen Studien sind das mit Abstand größte Problem der Anti-Alkohol-Studie im Lancet – und allein das stellt die ganze Studie in Frage.
Aber es gibt noch eine Reihe weiterer methodischer Fehler, die im Endeffekt die ganze Studie von Frau Dr. Gakidou und Kollegen wertlos machen.
Die halbe Welt hat keine zuverlässigen Alkoholstatistiken
Das beginnt mit der treuherzigen Versicherung der Autoren, sie hätten Daten zum Alkoholkonsum aus 195 Ländern gesammelt – denn die Studie soll ja die ganze Welt abdecken – und diese dann um den Konsum durch Touristen im Land sowie um illegalen Alkoholverkauf und Schwarzbrennereien bereinigt: „We adjusted the estimates of population-level alcohol stock to account for the effects of tourism and unrecorded consumption.“
Das ist gar nicht möglich. Die Hälfte aller Länder der Welt verfügt über keine akkuraten Daten zur Alkoholkonsumtion. Je stärker soziale Ächtung, religiöses Verbot oder fiskalische Kontrolle von Alkohol, desto größer die systematische Untererfassung. Alkoholdaten aus Iran, Saudi-Arabien, Kuwait, Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Indien, China, der Türkei, Nigeria, Äthiopien oder Brasilien sind notorisch verzerrt oder gleich ganz falsch und sagen wenig bis nichts aus. Der Konsum durch Touristen oder gar Schwarzbrennerei und illegaler Verkauf lassen sich weder in Mexiko noch in Indien, geschweige denn in China sicher bestimmen noch statistisch aus den vorhandenen Daten herausrechnen.
Kranke Ex-Trinker verzerren die Zahlen
Die Probleme setzen sich fort mit den sogenannten „Sick Quitters“ in den Referenzgruppen der zugrunde liegenden Einzelstudien. Die Sick Quitters sind ehemalige, inzwischen aber abstinente Alkoholiker, die in den Fragebögen als Nichttrinker erscheinen, obwohl sie jahre- oder jahrzehntelang getrunken haben und die Krankheiten aus diesen Jahren mit sich herumschleppen. Das verzerrt die Referenzgruppe der Nichttrinker, die jede Alkoholstudie benötigt. Zwar wollen die Autoren des Lancet-Papers dieses Problem durch statistische Methoden „korrigiert“ haben, doch sie trennen keine echten „Sick Quitters“ auf Individualebene, korrigieren keine Rohdaten und wissen letztlich nicht, wer tatsächlich krankheitsbedingt aufgehört hat – womit auch dieser Ansatz zum Scheitern verurteilt ist.
Ein kleines Pils ist kein Standarddrink
Das letzte Problem der Lancet-Studie, das dem ganzen Paper wissenschaftlich endgültig den Rest gibt, liegt in der von den Autoren festgelegten Referenzgröße von 10 Gramm Ethylalkohol als Standarddrink. 10 Gramm Alkohol sind im echten Leben gar nichts: Das entspricht der Alkoholmenge von 2 cl Schnaps, einem Achtel Wein, einem kleinen Bier (0,25 Liter) oder einem Glas Prosecco (0,1 Liter). Und diese unrealistischen 10 Gramm Alkohol je Drink haben die Autoren als Bezugsgröße auf der statistischen x-Achse festgelegt, mit welchem dann die vom Alkohol verursachten Krankheitsfälle auf der y-Achse korreliert werden. Das ist mit Bedacht geschehen, denn die Autoren wollen von vornherein zu dem Ergebnis kommen, dass bereits die kleinste Menge Alkohol schädlich und nur totale Abstinenz gesund ist.
Deshalb misst die Studie auch nicht den gesundheitlichen Schaden, den Alkohol verursacht, sondern den Schaden unter der Annahme, dass nur null Gramm Alkohol gesund ist.
Der Unterschied für die individuelle Gesundheit ist minimal
Wie irreführend die unterstellte Schädlichkeit dieser minimalen Menge ist, zeigt eine Kritik des englischen Statistikprofessors David Spiegelhalter von der Universität Cambridge. Der sagt: Die Studie betont einen Risikoanstieg von 0,5 Prozent bei einem Drink pro Tag im Vergleich zu Abstinenzlern. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass bei 100.000 Nichttrinkern pro Jahr 914 ein alkoholbedingtes Problem entwickeln, während es bei 100.000 Menschen, die täglich einen Drink zu sich nehmen, 918 sind. Der Unterschied von nur 4 Personen auf 100.000 ist für das individuelle Lebensglück so minimal, dass die daraus abgeleitete Forderung nach kompletter Abstinenz reiner Alarmismus ist.
Eine erschöpfende Kritik der Lancet-Studie, die hier nicht möglich ist, müsste zu dem Schluss kommen, dass die „Alcohol use and burden“-Studie von Dr. Gakidou und Kollegen wissenschaftlich nicht haltbar ist und keine zuverlässige Aussage darüber machen kann, ob auch schon kleinere Mengen Alkohol wie ein Viertel Wein pro Tag gesundheitsschädlich sind oder nicht.
Wie kann eine derart angreifbare Studie zum Goldstandard werden?
Dies wirft eine Frage auf: Wie ist es möglich, dass eine wissenschaftliche Arbeit, die derart angreifbar ist, seit ihrem Erscheinen weltweit als das letzte Wort zur Schädlichkeit von Alkohol gelten kann? Denn genau das ist sie: Die Lancet-Studie ist eine der einflussreichsten und am häufigsten zitierten wissenschaftlichen Arbeiten zur Schädlichkeit von Alkohol überhaupt und heute schon der Goldstandard im Wissenschaftsbetrieb.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Robert Koch-Institut (RKI), das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die World Heart Federation (WHF), der World Cancer Research Fund (WCRF) sowie Movendi International – sie alle und hundert andere Organisationen beziehen sich, wenn es um die Risiken des Alkohols geht, jeden Tag auf diese Studie. Und selbstverständlich haben auch die üblichen Systemmedien wie das Deutsche Ärzteblatt, die Süddeutsche Zeitung, die FAZ, die Zeit sowie ARD und ZDF seit ihrem Erscheinen die Ergebnisse der Lancet-Studie hundertfach breitgetreten.
All dies lässt nur einen Schluss zu: Die Gates-Stiftung im Hintergrund, die Autoren der Studie im Vordergrund und die Mainstreammedien im populären Diskurs – sie alle scheinen ein Interesse an einem neuen Zeitalter der Prohibition zu haben. Das sagt das Lancet-Paper auch ganz unverblümt: „These results suggest that alcohol control policies might need to be revised worldwide.“ Die Bill & Melinda Gates Foundation und die Autoren wollen also große Politik machen. Sie möchten, dass alkoholische Getränke auf der ganzen Welt entweder deutlich höher besteuert werden, damit sie teurer sind – oder gleich ganz verboten werden.

Bill Gates
Es geht um moralische Disziplinierung und Massenerziehung
Aber warum? Der Grund kann nicht in der Wissenschaft liegen, denn die Lancet-Studie ist angreifbar und würde einer gründlichen wissenschaftlichen Überprüfung vermutlich nicht standhalten. Wenn es aber nicht die Wissenschaft ist – was dann?
Antwort: Massenerziehung. Das Lancet-Paper ist keine seriöse Forschung, sondern Propaganda und Teil einer globalen Kampagne zur moralischen Disziplinierung von Menschen. Die Parallele zur Prohibition in Amerika von 1920 bis 1933 ist unübersehbar. Damals war die Grundlage des Alkoholverbots ein moralischer Rigorismus, der seine Wurzeln im calvinistischen Puritanismus der Neuengland-Staaten hatte – einer intoleranten, verbitterten und kleingeistigen Auslegung der Bibel, die ein Leben der Entsagung vorschrieb, das hauptsächlich aus Verboten bestand. Der Sinn dahinter ist klar: Die unerbittlichen Verbote stärken Konformität und Zusammenhalt der Kirchengemeinschaft, indem sie noch die geringste Abweichung vom vermeintlich rechten Glauben mit schweren Strafen bis hin zu Ächtung und Ausschluss belegten. Ziel der Prohibition war immer, ganz Amerika auf einen Kurs zu bringen. Denn: Können Kirche, Religion, und Regierung dem Menschen ein Glas Wein untersagen, dann können sie ihm noch viel mehr verbieten.

Prohibition in den Vereinigten Staaten von Amerika: Vernichtung beschlagnahmter Alkoholika um Weihnachten 1923.
Wissenschaft ersetzt Religion
Das Ziel der Autoren des Lancet-Papers ist im Kern dasselbe: Mit einer Fülle von Daten und Zahlen sowie eigens ersonnenen Risikomodellen, die die erwarteten Ergebnisse dann auch zuverlässig liefern, soll ein radikales, weltweites Alkoholverbot begründet werden. Nicht mehr wie vor hundert Jahren von der Kanzel herab mit der Bibel in der Hand, sondern mit wissenschaftlicher Präzision. Aber so wie den religiösen Fanatikern hinter der Prohibition einst die Bibel dazu diente, eine nicht hinterfragbare Autorität zu etablieren, gegen die kein Widerspruch möglich war, übernimmt für die Autoren der Lancet-Studie jetzt die Wissenschaft diese Rolle.
Das erklärt die rigide Intoleranz der Policy-Empfehlungen der Lancet-Studie: Es darf nicht ein Glas Wein am Tag sein, ja nicht einmal eins in der Woche – es muss lebenslang und überall Null sein. Die Empfehlungen der Lancet-Studie sind autoritär, absolut und totalitär – und damit naturgemäß alternativlos.
Politisch-manipulative Massenkampagnen seit 1960
Hier schließt sich jetzt ein Kreis zu einer Vielzahl anderer Kampagnen der letzten 50 Jahre, deren Vorschriften ebenso absolut und alternativlos waren: Das begann in den 1960er Jahren mit der von Ancel Keys initiierten Cholesterin-Fett-Theorie, der die Welt die Low-Fat-Manie verdankt; das ging in den 1990er Jahren mit Rauch- und Werbeverboten sowie drastischen Steuererhöhungen bei Tabak weiter; das setzte sich ab 2015 in der Klimapolitik vieler Staaten und in dem angestrebten Net-Zero-Status für die ganze Welt fort; und das charakterisiert natürlich auch die Corona-Politik auf der ganzen Welt mit ihren Ausgangsverboten und Lockdowns.
Auch wenn einige dieser Kampagnen, insbesondere jene gegen die Schädlichkeit des Tabaks, in Teilen berechtigt sind, stehen ihre dogmatische Präsentation, die Kompromisslosigkeit der in ihrem Namen verabschiedeten Gesetze und die Schärfe der verhängten Strafen in keinem Verhältnis zur zugrunde liegenden Gesundheitsschädlichkeit. Und ebenso lässt sich im Umkehrschluss klar erkennen, dass all diese Maßnahmen in Wahrheit eine quasi sozialistische Massenerziehung darstellen, deren Ursprung nicht in der Wissenschaft, sondern in politischer Ideologie liegt.
Von rosarot bis tot: Cannabis ist in, Alkohol ist out
Der fragwürdige Charakter der Lancet-Studie zeigt sich besonders deutlich, wenn man damit die Empfehlungen für die Freigabe von Cannabis auf der Welt vergleicht. Hier ist plötzlich alles, was bei Alkohol als lebensgefährliche Toxizität und schwere Gesundheitsschädlichkeit gilt, ein Füllhorn sensationeller Wohltaten. Ist Ethylalkohol ein tödliches Zellgift, dann sind die im Haschisch enthaltenen Substanzen Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol ein modernes „Snake Oil“, das alle Krankheiten kuriert, wunderbar entspannt und Geist und Seele magisch erweitert. Während Bier, Wein und Schnaps als Rauschmittel alter, weißer, konservativer Männer gelten, ist die alte Hippiedroge Marihuana für die geistige Erweiterung von Ökomarxisten, die die Welt jeden Tag besser machen wollen, unverzichtbar geworden. Muss man Alkohol um jeden Preis in allen 195 Ländern der Welt ab dem ersten Tropfen verbieten, sollte man Haschisch – vielleicht auch Kokain, Fentanyl, LSD, überhaupt alle Drogen – vollständig freigeben, damit in einem gnadenlosen Kapitalismus, der die Welt zerstört, jeder wenigstens privat zu sich finden kann.
Dummerweise ist dieses rosarote Cannabis-Weltbild in den letzten Jahren heftig erschüttert worden. Ganz aktuelle Studien aus Kanada und den USA zeigen, dass regelmäßiger Konsum von Haschisch mit erheblichen Risiken verbunden ist. Cannabisabhängige haben eine etwa dreifach höhere Sterblichkeit, das Suizidrisiko ist bis zu zehnfach erhöht, und nach der Legalisierung wurden mehr Psychosen sowie steigende Anteile von Schizophrenie beobachtet. Rund 30 Prozent der Konsumenten entwickeln eine Abhängigkeit; bei Jugendlichen sind Psychosen um etwa 60 Prozent gestiegen, während bei Älteren Notaufnahmen und medizinische Notfälle massiv zugenommen haben. Außerdem erhöht Cannabis das Risiko für Demenz, Herzinfarkt und Schlaganfall. Demgegenüber ist der medizinische Nutzen häufig schwach oder nicht nachweisbar; etwa 30 Prozent der „medizinischen“ Nutzer entwickeln ebenfalls eine Abhängigkeit, und viele Anwendungen sind wissenschaftlich nicht gedeckt.
Diese Ergebnisse wurden allerdings nicht in strahlenden Zeitschriften höchster Reputation wie dem Lancet veröffentlicht, sondern in obskuren Journalen wie dem Canadian Medical Association Journal, weshalb sie die Weltöffentlichkeit nie erreichten. Während die Global Burden of Disease Study 2016 im Lancet seit ihrem Erscheinen mehr als zehntausendmal zitiert wurde, wurden die Studien der Forscher über die Pathologie von Haschisch und Marihuana jeweils nur ein paar Dutzend Mal genannt.
Der Grund liegt nicht in der Wissenschaft, sondern allein im politischen Narrativ: Alkohol ist out und Cannabis ist in.
***
Literatur:
- Griswold M, Fullman N, Hawley C et al. Alcohol use and burden for 195 countries and territories, 1990–2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. The Lancet, 2018; 392: 1015–1035.
- Stockwell T, Zhao J, Macdonald S. Who under-reports their alcohol consumption in telephone surveys and by how much? An application of the “yesterday method” in a national Canadian substance use survey. Addiction. 2014 Oct; 109(10): 1657–1666. doi: 10.1111/add.12609. Epub 2014 Jun 19. PMID: 24825591.
- Klatsky AL, Udaltsova N, Li Y, Baer D, Nicole Tran H, Friedman GD. Moderate alcohol intake and cancer: the role of underreporting. Cancer Causes Control. 2014 Jun; 25(6): 693–699. doi: 10.1007/s10552-014-0372-8. Epub 2014 Apr 2. PMID: 24692102.
- Myran DT, Gibb M, Pugliese M, Fiedorowicz JG, Anderson KK, Ramsay T, Jalal H, Kurdyak P, Solmi M. Incidence of psychotic disorders by birth cohort: a population-based cohort study in Ontario, Canada. CMAJ. 2026 Feb; 198(4): E118–E127. doi: 10.1503/cmaj.250926.
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