Hape Kerkeling als Bundespräsident? Bitte nicht!
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Wird Hape Kerkeling der nächste Bundespräsident? Folgt auf den unfreiwilligen ein gelernter Komiker? Frank-Walter Steinmeiers zwei Amtszeiten lieferten so viele Gründe, das Amt abzuschaffen, wie Steinmeier Reden hielt. Fast jede war ein Meisterwerk der selbstgerechten Zerknirschung.
Mit Kerkeling würde es amüsanter. Leitartikler und Unterschriftensammler fordern: Kerkeling for president! Der Vorschlag wurde vom Witz zur ernst gemeinten Option. Kerkeling selbst dementiert nicht. Ein Bundespräsident Kerkeling aber würde die Gräben weiter vertiefen. Kerkelings Lebensaufgabe ist nämlich der sogenannte Kampf gegen Rechts.
„Kissler Kompakt“ vom 19. Juni sehen Sie hier:
Die AfD als verschimmeltes Brot
Die Witze werden dünner, die politischen Ansagen kräftiger. Kerkeling war ein wunderbarer, ein innovativer Komiker. Die deutsche Humorlandschaft hat ihm viel zu verdanken. Seit einigen Jahren aber ist Kerkelings Paradedisziplin nicht mehr gute Laune für alle, sondern Belehrung für jeden.
Womöglich bedingen sich die beiden Entwicklungen. Wird der Witz zum Rohrkrepierer, braucht es neues Zündwerk. Und in woken Kreisen punktet man zuverlässig, wenn man gegen Rechts schießt. Mit der AfD, sagte Kerkeling im Oktober 2024, müsse man doch wohl verfahren wie mit verschimmeltem Brot: wegwerfen, einfach wegwerfen.
Das treibt Kerkeling um: dass die AfD nicht verboten ist. „Der ganze Laib muss weg.“ Die AfD gehört wie verfaultes Brot in die Tonne – gemeint sein kann damit nur ein Verbot. Für ein Verbotsverfahren sprach Kerkeling sich bereits aus. Bis es soweit ist, fordert er von den Deutschen Widerstand. Er ruft, wie alle Linken, nach der sogenannten Zivilgesellschaft, um die AfD kleinzukriegen. So klang es im Dezember 2024.
Kerkeling will es nicht in den Kopf, dass die AfD nicht insgesamt als gesichert rechtsextremistisch gilt. Für ihn ist ein Glas Wasser ungenießbar, wenn man „ein bisschen Kloakenwasser“ hinzugibt. Das Glas könne man dann wegschütten. So formulierte er es mit Blick auf die AfD in der ARD-Sendung „Maischberger“. Wegschütten, wegwerfen, Kloake und Schimmel: Wenn Kerkeling von der AfD spricht, wird es unappetitlich.
Vorbild Selenskyj?
Die Herzen vieler Journalisten fliegen Journalisten wohl gerade deshalb zu. Der Chefredakteur von t-online, Florian Harms, schreibt: „Dass nichts dagegen spricht, einen Komiker ins höchste Staatsamt zu wählen, beweist die Ukraine, wo der einstige Fernsehclown Wolodymyr Selenskyj zu einem großen Staatsmann gereift ist. In einer Zeit, die von harten politischen Debatten, Krisen und Konflikten geprägt ist, wäre Hape Kerkeling genau der Richtige, um mit seiner gereiften Persönlichkeit die Bürger eines Landes auf der Suche nach sich selbst zu repräsentieren.“ Fordert Florian Harms.
Und in der Augsburger Allgemeinen lesen wir: „Hinter seinem Humor steckt immer auch Haltung: Respekt, Menschlichkeit, Toleranz. Und er setzt sich stark für die Erinnerungskultur ein.“
Eine Rede in Buchenwald
Kerkelings Befürworter werten dessen Ansprache im ehemaligen Lager Buchenwald als Bewerbungsrede. Der moralische Kern war ebenfalls die Warnung vor der AfD. Kerkeling gab zu verstehen: Wer die richtigen Lehren aus der nationalsozialistischen Judenverfolgung und Menschenvernichtung zieht, der müsse heute gegen die AfD aufstehen.
Alexander Gaulands später von ihm selbst bedauerter Vogelschiss-Vergleich war falsch und beschämend. Was aber ist von Kerkelings Nasenstüber fürs Volk zu halten? Nur die Erinnerungskultur, sagt Kerkeling, bewahre die Deutschen davor, wieder Täter zu werden – also zurückzufallen in die Barbarei.
Ein Staatspräsident sollte nicht noch geringer vom eigenen Volk denken, als es Steinmeier tat. Kerkeling will die Deutschen an die moralische Kette nehmen, damit sie den inneren Faschisten nicht von der Leine lassen. Wer ein Volk unter Generalverdacht stellt, sollte nicht dessen Präsident werden.
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Alexander Kissler
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