Angela Merkel besucht den Parteitag zur Wiederwahl von Friedrich Merz
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Der CDU bleibt auch nichts erspart. Kanzlerin a.D. Angela Merkel (71) wird beim CDU-Bundesparteitag am Freitag (20. Februar) in Stuttgart dabei sein, wenn sich ihr Nachfolger Friedrich Merz als CDU-Chef wiederwählen lassen will. Ihr Bundestagsbüro bestätigte am Dienstag die Teilnahme.
Nach ihrem Rückzug aus der aktiven Politik war Merkel nicht mehr auf Parteitagen anwesend und hatte selbst intern und bei öffentlichen Auftritten immer wieder durchaus plausible Begründungen dafür parat: Ihr Kommen ziehe unweigerlich Aufmerksamkeit auf sich. Ihr Empfang werde mit demjenigen von Merz verglichen, produziere unweigerlich Bilder, die als Konkurrenz interpretiert werden könnten, und reiße alte Debatten wieder auf.

2024 überreichte Merz Blumen an die Ex-Kanzlerin.
All das trifft zu, zählt jetzt aber offenbar nicht mehr. Eine Rede werde die Alt-Kanzlerin nicht halten, hieß es, und doch ist Merkel Profi genug, um zu wissen, dass ihr Kommen die Berichterstattung zumindest teilweise dominieren wird. Vor allem aber dürfte das Ergebnis der Merz-Wiederwahl automatisch mit ihren Werten verglichen werden. Ihr schlechtestes Ergebnis erzielte Merkel 2004 mit 88,4 Prozent, das beste 2012 mit 97,9 Prozent.
Des einen Freud ist des anderen Leid
Hört man sich in der Union um, so ist das Echo gemischt. Sie wolle ihren Auftritt in Stuttgart wohl als Unterstützung für Merz verstanden wissen, heißt es im Berliner Konrad-Adenauer-Haus, und werde dem Kanzler selbstverständlich nach der Wahl gratulieren. Ihre Anwesenheit zwingt den Kanzler und Parteichef, seine Vorgängerin besonders zu würdigen und gebührend herzlich zu empfangen, weil ein eisiger Umgang rasch zum Desaster würde und seine Chancen für ein gutes Ergebnis minimieren dürfte. Schneidet Merz bei der Wiederwahl schlechter ab als Merkel, dürften die Bilder als Demütigung gelten.
Viele erinnern sich an die Migrationsgrätsche von Merkel
Andere sagen offen, dass sie auf Merkels Anwesenheit gern verzichten würden. Die Wortmeldungen der Ex-Kanzlerin in jüngster Zeit rund um die Promotion-Auftritte für ihr Buch seien nicht immer „hilfreich“ und genau jene Art von Zwischenrufen von der Seitenlinie gewesen, die man sich als Ex-Regierungschef sparen sollte. Unvergessen ist vor allem Merkels ungefragte Grätsche bei der Migrationsabstimmung im Bundestag kurz vor der Bundestagswahl mit den Stimmen der AfD. „Für falsch halte ich es, sich nicht mehr an diesen Vorschlag gebunden zu fühlen und dadurch am 29. Januar 2025 sehenden Auges erstmalig bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen“, hatte Merkel damals verlautbaren lassen.
Hinzu kommt, dass Merkel Merz in einer schwierigen Phase als Kanzler und Parteichef trifft: Merz kann die hohen Erwartungen, die er selbst an seinen „Politikwechsel“ geknüpft hat, derzeit nicht einlösen und kritisierte intern sogar das „Erwartungsmanagement“ der hoch gesteckten Ziele. Merkels Kommen könnte als stumme Amüsiertheit und Süffisanz über die auf Normalmaß geschrumpfte Politik ihres vormals größten Kritikers verstanden werden. Oder, wie es FAZ-Leitartikler Jasper von Altenbockum dieser Tage schrieb: Die Union wolle derzeit alles – außer auffallen. „Aber es ist in der CDU offenbar so wie im Rest der Gesellschaft: Jeder weiß, dass sich etwas grundlegend ändern muss, aber wenn sich dann tatsächlich etwas ändern soll, wird die Debatte darüber erstickt, bevor sie den Bundestag erreicht hat. ‚Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem‘ – der Jahresbeginn lässt daran zweifeln, ob der erste Teil dieses viel zitierten Satzes wirklich stimmt.“
Angela Merkels Gegenwart signalisiert dagegen: Es war nicht alles schlecht … Für gewöhnlich spielt in solchen Situationen ein feines Lächeln um ihren Mund.
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Ralf Schuler
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