Wird Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer Schattenminister bei Cem Özdemir?
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„Aktuell stellt sich die Frage nicht.“ In der Politik gibt es Antworten, bei denen die sprichwörtliche Nachtigall wie Donnerhall durch die Arena trapst: Aktuell stelle sich die Frage nicht, ob der Ex-Grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, in ein mögliches Kabinett von Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir wechsle, gab dieser zu Protokoll, als beide dieser Tage einen Tübinger Solarpark besichtigten.
Fragen, die sich aktuell angeblich nicht stellen, können innerhalb kurzer Zeit beantwortet werden. Und wo in der Politik anstelle eines klaren Ja oder Nein ausgewichen wird, ist Argwohn mehr als berechtigt.

Sowohl Hagel (links) als auch Özdemir fehlt es im Wahlkampf an Charakteren wie Palmer, die mit Geradlinigkeit und Authentizität aufwarten.
Palmer hat das, was Özdemir und Hagel fehlt
In einer Beliebtheitsumfrage der Schwäbischen Zeitung rangierte Özdemir im Herbst bei 29 Prozent, Palmer knapp dahinter bei 25 Prozent und CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel wäre im Falle einer Direktwahl auf neun Prozent gekommen. Selbst in aktuellen Umfragen wollen 39 Prozent der Ländle-Wähler den Tübinger Oberbürgermeister im Kabinett der Landesregierung sehen. Palmer, der sich selbst einen „Realo-Taliban“ nennt, verkörpert perfekt das, was Özdemir und Hagel fehlt: Authentizität, Unverbogenheit und Geradlinigkeit.
Kein deutscher Politiker ist des Parteisoldatentums unverdächtiger als Palmer. Ganz gleich, ob es um Woke-Wahnsinn geht oder um die Vielfalts-Verlogenheit auf Werbeplakaten der Deutschen Bahn, auf denen seit geraumer Zeit immer auch dunkelhäutige Models mit im Abteil sitzen müssen, um ja nicht in den Verdacht der Migrationsskepsis zu geraten. In einer aktuellen INSA-Umfrage für NIUS kommt Hagels CDU auf 29 Prozent, die Grünen liegen bei 21 Prozent und die AfD knapp dahinter bei 20 Prozent. Mit anderen Worten: Für Özdemir könnte ein Leuchtturm der parteipolitischen Unabhängigkeit und Sympathieträger wie Palmer zum Gamechanger werden.

Mit den Grünen macht es Palmer nicht mehr, aber freundschaftlich ist er mit Kretschmann und Co. noch bestens vernetzt.
Kretschmann förderte Palmer für lange Zeit
Hinzu kommt: Özdemir und Palmer sind seit langem befreundet. Noch-Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) förderte Palmer lange Zeit ausdrücklich als Anwärter für seine Nachfolge, bis dieser die Toleranz der links-grünen Basis der gemeinsamen Partei mit seinem realistischen Blick auf Migration und seiner Aversion gegen Lebenslügen überstrapazierte. Wird Palmer also vielleicht doch zum Schattenminister im Kabinett Özdemir?
„Die Frage stellt sich aktuell nicht.“ Wo Antworten allzu deutlich nach Nein-Vermeidung klingen, werden Fragen am Ende immer lauter gestellt ...
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