Hat er die CDU um den Wahlsieg in Baden-Württemberg gebracht?
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Auf der Digitalkonferenz re:publica hat der grüne Aktivist Peter Jelinek damit geprahlt, hinter der digitalen Kampagne gegen CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel im baden-württembergischen Wahlkampf zu stehen und damit den Wahlkampf beeinflusst zu haben. Kurz vor der Wahl war plötzlich ein älterer Interviewausschnitt Hagels viral gegangen und millionenfach in sozialen Netzwerken verbreitet worden. Jelinek schilderte nun, wie sein Netzwerk das Video gezielt verstärkte, um maximale Aufmerksamkeit zu erzeugen.
„Es war ein Video, was auftauchte. Es war auch ein bisschen älter“, erzählte Jelinek auf der Bühne. Hagel habe es „nicht geschafft, selbst darauf schnell zu reagieren“. Daraufhin habe man das Material strategisch aufgegriffen und verstärkt.
Sehen Sie hier Jelineks Aussagen auf der re:publica:
„Aufmerksamkeit organisiert“
Jelinek beschrieb nun auf der re:pubica, wie sein Netzwerk hierfür die entsprechende „Aufmerksamkeit organisiert“ habe: „Wir greifen das auf und sorgen dafür, dass es mehrmals innerhalb kurzer Zeit auftaucht.“ Über das eigene Format „29“, das sich laut Jelinek bereits auf die Bundestagswahlen 2029 vorbereite, habe man die Verbreitung vorangetrieben. Nach seinen Angaben seien dadurch „knapp neun Millionen Aufrufe“ erzielt worden.
Besonders bemerkenswert ist Jelineks Beschreibung der dahinterstehenden Netzwerkeffekte. Zahlreiche „Creatorinnen“ und politische Multiplikatoren hätten das Material aufgegriffen – teils Personen, die man kenne, teils Akteure außerhalb des unmittelbaren Netzwerks. Dadurch sei das Thema sowohl in etablierte Medien als auch in alternative Kanäle gelangt. „Es kam in der Tagesschau. Es kam im Stern“, so der Campaigner stolz. Entscheidend sei gewesen, dass „plötzlich alle darüber reden“.

Progressive Politik: Man „hacke“ den Diskurs.
Dass ein solches Vorgehen gemeinhin als „Schmutzkampagne“ bezeichnet wird, weist Jelinek zurück: „Wir werfen nicht mit Dreck“, sagte er. Man habe lediglich ein bereits vorhandenes Video verstärkt. „Das ist sowieso da, wir verstärken das nur.“
Den politischen Effekt der Aktion sieht Jelinek allerdings selbst heraus: Der Abstand zwischen dem grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir, der inzwischen Ministerpräsident ist, und Hagel, habe sich im Wahlkampf sichtbar verkleinert. Das Video sei „nicht das eine Entscheidende“ gewesen, „aber es war einer der ausschlaggebenden Punkte von dem Ganzen“.

Cem Özdemir und Manuel Hagel am Wahlabend im baden-württembergischen Landtag
Campaigner war Pressereferent für die Grünen im EU-Parlament
Peter Jelinek ist kein Seiteneinsteiger im politischen Campaigning, sondern professioneller Politik- und Klima-Kommunikator. Er war Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Grünen im EU-Parlament und zuvor Campaigner beim WWF. 2024 gründete er gemeinsam mit Patrick Haermeyer die Berliner Campaigning-Agentur „The Goodforces“ sowie das „Edelweiß“-Netzwerk, die auch gegen Medien wie NIUS Kampagnen fahren. Haermeyer war Vorstand der Grünen Jugend Mannheim, arbeitete in zahlreichen grünen Wahlkampfteams und als politischer Berater im Europaparlament.
Die Aktivisten werben offensiv damit, „Diskursmacht zurückzugewinnen“ und „den Diskurs zu hacken“, organisieren gemeinsame Kampagnen mit dem linken Kampagnennetzwerk Campact und Fridays for Future sowie weitere Aktionen gegen die CDU und Friedrich Merz. Sie pushen Kampagnen mit Titeln wie „Töchter gegen Merz“, ein Aufbegehren gegen die „Stadtbild“-Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz, starten eine Petition mit dem Appell „Deutsche bitten bei Brasilien um Entschuldigung für Merz“ und fordern: „Frauke Brosius-Gersdorf muss Richterin werden“. Auch die Hamburger Zukunftsentscheidung über Klimaneutralität, die Kampagne „Wir sind die Brandmauer“, „‚Prüf‘-Demos für ein AfD-Verbot“ oder „Ganz Berlin hasst die CDU“ sind auf die Macher zurückzuführen. Die Liste liest sich wie ein Katalog gezielter Provokationen und linker Agitation im Namen „unserer Demokratie“.
Jelinek und Haermeyer waren auch an einer Astroturfing-Aktion der Grünen-Fraktion beteiligt, bei der mit randomisierten Textbausteinen das EU-Konsultationsverfahren zur Gentechnik-Neuregelung manipuliert werden sollte. Astroturfing bezeichnet die gezielte Vortäuschung einer spontanen, breiten Bürgerbewegung, die in Wirklichkeit eine professionell gesteuerte Top-down-Kampagne ist.
Mehr: Die CDU unterwirft sich: in Baden-Württemberg den Grünen, in Rheinland-Pfalz der SPD
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