Sicherheitsexpertin Hager Ali: „Europa muss sich auf einen neuen Flüchtlingsstrom vorbereiten“
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In der vergangenen Woche warnte der griechische Migrationsminister Thanos Plevris davor, dass zurzeit 550.000 Migranten in Libyen darauf warteten, nach Europa überzusetzen. In der Neuen Zürcher Zeitung spricht die deutsche Sicherheitsexpertin und Politologin Hager Ali über diese Migranten – und andere aktuelle Entwicklungen bei neuen Flüchtlingsströmen.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen.
Über wartende Migranten in Libyen, die nach Europa wollen
„Das gute Wetter spielt eine Rolle, dass die Reise von Libyen nach Kreta erleichtern kann. Die Insel ist knapp 300 Kilometer von Libyen entfernt und das Ziel vieler Migranten, die übers Mittelmeer nach Europa wollen. Hinzu kommt, dass sich die Situation im Nahen Osten, aber auch in Afrika verschärft hat. Es gibt gleich mehrere Krisenherde: den Krieg im Iran, den Krieg im Sudan und die Situation in Westafrika, wo es zum Beispiel in Mali wieder brodelt. Manche warten auf den richtigen Moment, nach Europa zu kommen. Andere hoffen, in Libyen Arbeit zu finden, um Geld für die Fahrt über das Mittelmeer zu verdienen. Wieder andere kommen jetzt in Libyen an, weil vor einigen Monaten ein Konflikt in ihrem Heimatland ausgebrochen ist.“
Libyen als Transitland nach Europa
„Durch die Nähe zu Europa ist Libyen extrem wichtig, gerade weil die instabile Sicherheitslage illegale Migration erleichtert. Andere nordafrikanische Länder sind ähnlich wichtig für die Migration wie Libyen. Marokko bildet eine Art Flaschenhals für den Schmuggel in Richtung Spanien – ob es sich dabei um Drogen, Waffen oder Menschen handelt. Hier geht es vor allem um das Eindämmen organisierter Kriminalität. In Libyen könnte die Lage zurzeit schnell kippen. Sehr viele Flüchtlinge aus Westafrika kommen nach Libyen.“

Fluchtkorridore nach Europa 2026.
Muss sich Europa auf einen neuen Flüchtlingsstrom einstellen?
„Ja, denn das ist die Konsequenz von Konflikten und Instabilität in der Region. Dieses Jahr stehen in Afrika elf Wahlen an, darunter Äthiopien, Somalia und der Südsudan. Genau da sind Wahlen mit hohem Risiko verbunden, mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen vonseiten der Regierung und der Verfolgung politischer Dissidenten, die potentiell fliehen müssen. Hinzu kommt, dass sich zum Beispiel in Mali wieder Dschihadisten ausbreiten. Das führt zu vielen Fluchtbewegungen, zumal sich Deutschland, Frankreich und die USA aus dem Sahel zurückgezogen haben. Damit ist die russische Afrikastrategie aufgegangen: Söldner des Afrikakorps sorgen mit Gewalt für profitable Instabilität in einer Region, die Flüchtlingsbewegungen nach Europa fördert. Europa hingegen konzentriert sich auf die östliche Flanke der Nato und auf den Nahen Osten, verliert dabei aber aus dem Blick, dass in Nordafrika und dem Sahel gerade mehrere Konfliktherde durch den Schmuggel von Waffen und Drogen sowie Söldnern vernetzt werden. Neue Fluchtbewegungen sind da lediglich eine Frage der Zeit.“
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