Proteste gegen Hayek-Tagung: Die Freiheit hat in Deutschland nur eine kleine Lobby, aber viele Feinde
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Die Freiheit hat in Deutschland nur eine kleine Lobby, aber viele Feinde. Einige Dutzend davon demonstrierten am Freitagnachmittag vor dem Hotel Atlantic in Münster, wo sich die Hayek-Gesellschaft in diesem Jahr zu ihrer Jahrestagung und der Verleihung der Hayek-Medaille an die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm eingefunden hatte.
„Um zu bemerken, dass man selbst nicht klug ist, müsste man es sein“, sagte Carlos A. Gebauer, Justiziar der Hayek-Gesellschaft, gerade auch mit einem süffisanten Blick auf die Feinde der Freiheit vor dem Hotel und draußen im Land in seiner Eröffnungsrede und spießte pointiert einige Entwicklungen der aktuellen Politik auf, die eine Mischung aus Freiheitsfeindlichkeit und eher skurrilen Abwegen des Intellekts erkennen ließen.
Gebauer verwies auf die frühere SPD-Chefin Saskia Esken, die mit Blick auf ein Interview mit dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke eine schwarze Liste für missliebige Medien ins Spiel gebracht hatte. „Bei Frau Esken kann man keine Zitate aus dem Kontext reißen“, so Gebauer. „Es gibt keinen.“ Grundsätzlich gelte, dass das mediale Abbild niemals die Realität vollkommen abbilden könne. Es komme deshalb darauf an, durch den Vergleich einer möglichst großen Zahl der medialen Abbilder sich der Realität anzunähern.
Preisträgerin Veronika Grimm: „Kritisch, präzise und prinzipientreu“
Als eine der zahllosen kuriosen intellektuellen Irrfahrten der Gegenwart merkte Gebauer an, wenn es etwa Ideen linker Juristen gebe, die Natur zur juristischen Person und zum Grundrechtsträger zu machen, werde die Zimmerpflanze zum Mitbürger.
Die diesjährige Preisträgerin der Hayek-Medaille, die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm, „macht sich die Mühe, ökonomische Illusionen platzen zu lassen, bevor sie Unheil anrichten“, sagte der Vorsitzende der Hayek-Gesellschaft, der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Prof. Stefan Kooths, in seiner Laudatio. „Kritisch, präzise und prinzipientreu“ behalte Grimm immer wieder ausdrücklich die „gesamtwirtschaftliche Entwicklung“ gemäß dem Titel des Sachverständigenrats der Bundesregierung im Blick und lasse sich nicht durch Einzelthemen auf Nebengleise führen. Neun Mal habe Grimm mit Minderheitsvoten in dem Gremium gezeigt, dass sie ihren Überzeugungen und nicht dem Zeitgeist folge. Veronika Grimm leistet einen wichtigen „Dienst an der offenen Gesellschaft“, so Kooths.
Grimm auf X hart attackiert
In ihrer Dankesrede wies Grimm darauf hin, dass in der Politik durch verschiedenste Einflüsse und Konstellationen mitunter die Folgen des Handelns aus dem Blick gerieten und Akteure die Interessen des Landes kaum erkennen könnten. Dass sie auf X (mehr als 16.000 Posts) auch hart attackiert werde, kommentierte Grimm mit den Worten, man „werde oft von Personen verunglimpft, die gar keine Argumente zur Hand haben und deshalb ins Persönliche gehen“. Ökonomisch nehme sie in der Politik eine Tendenz wahr, in der Schulden für jede Krise als Rezept angeboten werden.

Ökonom Hans-Werner Sinn, hier bei einem Auftritt bei Lanz im Jahr 2025, war ebenfalls vor Ort.
Unter den rund zweihundert Teilnehmern und Gästen der Hayek-Tage waren auch der langjährige Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, der renommierte Staatsrechtler Prof. Dietrich Murswiek und der Volkswirtschaftler Stefan Homburg sowie zahlreiche internationale Gäste. Der Netzwerkpreis der Hayek-Gesellschaft ging in diesem Jahr an das „Bündnis Redefreiheit“ von Prof. Michael Esfeld (Universität Lausanne). Die internationale Hayek-Medaille erhielt am Freitagabend der US-Politiker Ron Paul für sein lebenslanges Eintreten für die Freiheit. Der 90-jährige Paul war live zugeschaltet, hielt eine furiose Rede und wurde mit anhaltendem Applaus der Anwesenden im Stehen gewürdigt.
Die Hayek-Gesellschaft führt den großen österreichischen Ökonomen Friedrich August von Hayek im Namen, einen der wichtigsten Denker des Liberalismus, der in seinen Werken (u.a. „Der Weg zur Knechtschaft“) immer wieder auf den engen Zusammenhang zwischen Freiheit und Wohlstand einer Gesellschaft hingewiesen hat. Hayek ging nach dem Anschluss Österreichs durch Nazi-Deutschland zunächst in London, später in den USA ins Exil.
Proteste gegen Tagung
Kurz nach Beginn der Tagung, die von zahlreichen Mannschaftswagen der Polizei und Beamten an den Eingängen des Hotels begleitet wurde, nahmen die Demonstranten mit Slogans wie „Für das solidarische Leben: Gegen Antifeministen, Monarchie-Fans, Tech-Millionäre und die AfD“ gegenüber im Park Aufstellung. Die Hayek-Stiftung habe eine „Scharnierfunktion“ zwischen konservativen und rechten politischen Akteuren, so ein Sprecher.
Stefan Homburg, der ebenfalls vor Ort war, twitterte dieses Video:
Dem Aktionsbündnis war es zudem gelungen, den Besitzer des Hotels im Vorfeld schon massiv einzuschüchtern. So wurde auch die Geschäftsführung des Atlantic-Hotels schriftlich über die Kritik an den „Netzwerken der Hayek-Gesellschaft“ informiert. Hoteldirektor Sascha von Zabern sagte dem Online-Magazin Rums, man werde die Hayek-Gesellschaft künftig nicht mehr im Atlantic Hotel tagen lassen, am bestehenden Vertrag sei allerdings nichts mehr zu ändern.
Argentiniens Präsident Javier Milei erhielt 2024 ebenfalls unter massivem Polizeiaufgebot die Hayek-Medaille in Hamburg.
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