Kulturstaatsminister Weimer möchte zusammen mit Böhmermann „gegen die rechten Brüder kämpfen“
Ein Beitrag von
Beim abendlichen Talk zwischen Jan Böhmermann und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Haus der Kulturen der Welt (HKW) geriet der Minister ins Kreuzfeuer des ZDF-Satirikers. Böhmermann warf ihm nicht nur vor, er habe in sein Programm „autoritär reinregiert“, sondern bezeichnete den Antisemitismus des Rappers zudem als nachvollziehbare Provokation – ohne Gegenrede des Ministers.
Zwischendurch versuchte Weimer, die aufgeheizte Stimmung zu entschärfen – berichtet Apollo News – und sagte zu Böhmermann: „Ich will ja mit Ihnen kämpfen gegen die rechten Brüder.“
NIUS hat das Gespräch unter dem Motto „Technik killt Kultur“ vor Ort verfolgt und präsentiert die größten Kontroversen des Abends – in Bild und Ton.
Ohne einen ausgetüftelten Technikschmuggel wäre das Gespräch nämlich nicht für die Nachwelt erhalten worden. Wie auch in der Ausstellung „Die Möglichkeit der Unvernunft“ forderte der öffentlich-rechtliche Witzbold und seine „Gruppe Royale“ ihr Publikum bereits bei der Ticketkontrolle dazu auf, die Handys an der Garderobe abzugeben. Damit auch wirklich sichergestellt werden konnte, dass (fast) niemand sein Gerät mit in das Miriam-Makeba-Auditorium bringt, wurden am Eingang Körperscanner aufgestellt.
Ob Böhmermann verhindern wollte, dass ausführlich über seine Attacken auf Weimer berichtet wird? Obwohl er selbigen im Verlauf des Abends noch als autoritär bezeichnen wird, zeigt er in dieser Hinsicht hier selbst eine doch sehr strikte Vorstellung von Pressefreiheit.
„Ungewöhnlich, dass ein Politiker auf diese Weise den Zeigefinger hebt“
Schon nach wenigen Minuten nimmt die Veranstaltung Fahrt auf. Es geht um die Absage des Chefket-Konzerts, das eigentlich für den 7. Oktober geplant war. Ausgerechnet am zweiten Jahrestag des Hamas-Massakers an der israelischen Bevölkerung sollte das Konzert mit dem Berliner Rapper stattfinden. Auf seinem Instagram-Profil zeigte der sich mit einem T-Shirt, auf dem der Umriss Israels zu sehen war, jedoch neu bedacht mit der Bezeichnung Palästina.
Lesen Sie auch: Die schlimmste Woche im linken Leben des Jan Böhmermann
Um die antisemitischen Verirrungen sollte es zunächst aber überhaupt nicht gehen. Moderatorin Eva Schulz beginnt den Abend mit der Frage an Weimer, warum er sich in einem öffentlichen, kritischen Brief an das HKW wandte: „Das ist ungewöhnlich, dass ein Politiker auf diese Weise den Zeigefinger hebt und sich in die Programmplanung einer Kulturinstitution einmischt“, meinte Schulz. Er antwortet, dass Antisemitismus „nicht irgendein Thema“ sei, sondern eines, das ihn bedrücke, „weil es groß und giftig ist“.
Weimer versuchte, Gemeinsamkeiten mit Böhmermann zu finden und einen Moment des Einvernehmens jenseits des Streits zu schaffen. Dabei sagte er den Satz, der später hängen blieb: „Ich will ja mit Ihnen kämpfen gegen die rechten Brüder.“ Böhmermann nahm das Angebot nicht an.

Musste sich harte Kritik gefallen lassen: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.
Als das Trio darauf zu sprechen kommt, woher Weimer den Antrieb für seine öffentliche Stellungnahme nahm, wirft Böhmermann ihm zunächst vor: „Ich verstehe Ihre Definition und auch Ihre Agenda verstehe ich, aber ich habe das Gefühl, dass es Ihnen nicht primär darum geht, Zusammenleben oder Gemeinsamkeiten zu finden, sondern dass Sie da mit einer relativ großen Wucht in dieses Thema reinhauen.“
Außerdem spricht der ZDF-Mann davon, der Minister sei medial beeinflusst gewesen: „Was Ihnen vorgeworfen wurde, ist ja, dass Nius.de, dieses rechte Hetzportal, Ihnen die Feder geführt hat und dass Sie den dogmatischen Umgang mit dem Thema Antisemitismus des Springer-Verlags sich zu eigen machen.“ Böhmermann selbst mache sich diese Vorwürfe jedoch nicht zu eigen – *zwinker*.
Später geht Böhmermann dennoch so weit, dass er die Amtsführung und das Einwirken Weimers als autoritär bezeichnet. „Ich fand, es war sehr schlüssig erklärt, warum Antisemitismus für Sie ein riesengroßes Thema ist. Wie sich daraus ergibt, dass man in bundeseigene Kulturinstitutionen so autoritär reinregiert und nicht den Dialog sucht, erschließt sich mir nicht.“ Sein Vorwurf: Der Kulturstaatsminister habe nicht zuerst den Dialog gesucht, sondern sich mit seinem Brief direkt an die Öffentlichkeit gewandt.
Apropos autoritär: Als sich Böhmermann festlegen soll, ob er ein AfD-Verbotsverfahren anstreben würde, antwortet er, es brauche auch Prozesse, deren Ausgang wir noch nicht kennen: „Ich bin großer Fan von Prozesse aufsetzen und sich nicht davor fürchten, sie auch wirklich auszuführen und zu schauen, was passiert, und damit umzugehen.“ Er sagt: „Ich weiß auch nicht, wie ein AfD-Verbot ausgeht, aber ich glaube, es nicht zu machen, ist nicht gut.“
Chefket-Antisemitismus ist „nachvollziehbare Provokation“
Außerdem beschwert sich Böhmermann über Weimers angebliche Kontakte zu Bild. Am Morgen der Konzertabsage soll er einen Anruf bekommen haben, mit einer Anfrage der Zeitung „mit dem exakt selben Informationsstand, der nicht im Presseverteiler war“.
Dann fehlen Weimer scheinbar die Worte, es geht um die Symbolik des anti-israelischen Protestes und Chefkets T-Shirt. Zwar sind sich die beiden einig, dass der gewählte Konzerttag im Nachhinein der falsche war, bei der Interpretation der „Protest“-Symbolik in Form des Shirts gehen die Meinungen jedoch auseinander: „Ich finde, das ist eine nachvollziehbare Provokation, ich will mich da nicht weiter zu einlassen, weil ich mir das zum einen nicht zu eigen machen kann und nicht will, aber ich weiß, wie Provokation funktioniert, und ich glaube, der Protest ist legitim und der muss stattfinden und auch wenn es wehtut“, so Böhmermann. Trotzdem sei die Entscheidung, das Konzert abzusagen, im Nachhinein richtig gewesen.

Jan Böhmermann: Seine Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt musste zuletzt heftige Kritik einstecken.
Wie sensibel er und seine Redaktion mit dem Thema Antisemitismus und 7. Oktober umgehen, will Böhmermann damit verdeutlichen, dass er sagt, sein Team habe zwei Monate gebraucht, um eine Positionierung zu finden, und habe erst einmal Informationen zusammentragen müssen. Dass diese Aussage nach den eilig bekannten Gräueltaten der Hamas nicht unbedingt für seine strikte Positionierung gegen Judenfeindlichkeit spricht, scheint ihm nicht aufzufallen.
Weimer verpasst es immer wieder, wortgewaltig Widerrede einzulegen – so auch zum T-Shirt-Gate. Selbst als das Thema auf die Wichtigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gelenkt wird, der in den vergangenen Wochen Skandale am laufenden Band produzierte, fällt er als Gegenredner aus. Während Böhmermann den ÖRR als demokratische Stütze lobpreist und interne Senderkritik ignoriert, spricht der Kulturminister nicht über Julia Ruhs, den kritischen ZDF-Redakteur Andreas Halbach oder NDR-Wortführerin Anja Reschke. Ein Auftritt, der eines Kulturstaatsministers nicht würdig war.
Lesen Sie auch:
Regierung prämiert Anleitung zum Linksterrorismus: Wolfram Weimer sieht kein „Verdachtsmoment“ für „Gewaltverherrlichung“
Mehr NIUS:
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Neue Studie: Deutschland verliert seine Besten
Polizei Brandenburg warnt Eltern vor „rechtsextremen Online-Strategien“
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Mehr NIUS:
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Gescheiterte Timmy-Rettung sorgt weltweit für Spott: „Deutschland hat den Verstand verloren“
#Männerhass: Wie ständig neue Internettrends Beziehungen schlechtreden
Nach „Lackaffe“-Strafbefehl: Drei weitere Merz-Beleidigungen werden von Staatsanwaltschaft Heilbronn verfolgt
Eric Steinberg
Artikel teilen
Kommentare