Abschottung statt Selbstkritik: Unter Himmler wird das ZDF zur Sekte
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Unter Himmler wird das ZDF zur Sekte. Einen anderen Reim kann ich mir auf die Vorkommnisse im Fernsehrat nicht machen. Ein Intendant sollte gewählt werden. Amtsinhaber Norbert Himmler war der einzige Kandidat. Schon das hat mit Demokratie und mit Wettbewerb nichts zu tun.
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Himmlers ZDF befindet sich in einer schweren Legitimationskrise. Himmler ist das Gesicht des Niedergangs. Und dann wird er mit über 90 Prozent Zustimmung gewählt – nach einer Bewerbungsrede, in der er freie Medien zum Feind erklärt hat.
Im ZDF funktioniert das Programm ebenso wenig wie die Aufsicht. Augen zu und durch, heißt die Devise. Man schließt die Reihen. Unter diesem Intendanten und mit diesen Gremien wird das Zweite Deutsche Fernsehen zur weltweit teuersten Sekte.
Alte Lyrik für den Fernsehrat
Ohne den Zwangsbeitrag gäbe es das ZDF nicht. Die Deutschen müssen für einen entgrenzten Erziehungsfunk zahlen. Beim ZDF kam jüngst der Skandal um falsche Bilder im heute-journal hinzu. Kein Tag vergeht, ohne dass die öffentlich-rechtlichen Medien Kostproben ihres Illusionstheaters geben. Und was tut Himmler? Er trägt dem mehrheitlich linken Fernsehrat abgestandene Lyrik vor. Er beruft sich auf Prinzipien, die in der ZDF-Realität missachtet werden.
Der Applaus ist verräterisch. Der Fernsehrat klatscht einer kontrafaktischen Behauptung Beifall. Theoretisch mag das ZDF keine Botschaft zu vermitteln haben.
Praktisch präsentieren die Nachrichtensendungen, Magazinformate und Diskussionsrunden die immergleiche Botschaft: Klimaschutz und Gleichstellung müssen sein, Migration nutzt, Migrationskritik schadet, Trump ist ein Idiot, Rechts igittigitt und Links toll. Doch Himmler erzählt Märchen, um wiedergewählt zu werden.
Unvoreingenommen berichtet das ZDF höchstens, wenn es um die Fußballbundesliga geht. Ansonsten residiert auf dem Mainzer Lerchenberg die Sekte der einseitig Stabilen. Wird man ertappt, gibt man sich unschuldig. Mehrfach zeigte das ZDF Grafiken, die den Stimmenanteil der AfD zu gering darstellten. Laut Chefredakteurin Bettina Schausten waren das nur bedauerliche Bedienungsfehler.
Zwei Milliarden Euro Zwangsbeitrag genügen also nicht, um Fachkräfte zur Bedienung von Grafik-Software zu finden. Die vermeintlichen Einzelfälle sind beim ZDF Legion. Je grüner und linker eine Person oder Partei ist, desto mehr Sympathie erntet sie bei der Sekte der einseitig Stabilen.
Ideologischer Nahkampf gegen Feinde
Und Himmler setzt an zum ideologischen Nahkampf. Mit zwei Milliarden Euro Zwangsbeitrag im Rücken wettert er gegen die, wie er wörtlich sagt, „sogenannten Medien, die so einseitig berichten, dass das mit Journalismus nichts mehr zu tun hat“. Damit meinte er wohlgemerkt nicht die eigene Anstalt, sondern private Konkurrenz. In ihr sieht er den Feind.
„Der Feind sitzt schlichtweg woanders.“ Himmlers Reden macht sprachlos. Der Intendant markiert mediale Feinde, die er mit seiner milliardenschweren Anstalt bekämpfen, womöglich vernichten will. Und er reicht den gewogenen, den erwünschten, den von ihm definierten Qualitätsmedien die Hand zur Zusammenarbeit.
Große Freude bei Union und SPD
Himmler ist bereit, mit dem Geld der anderen in den freien Markt einzugreifen. Auch da sollen sich die Reihen schließen. Der Diskurs soll abgedichtet werden.
Die Große Koalition ist begeistert. Die ehemalige CSU-Familienministerin Gerda Hasselfeldt, die Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, freut sich über Himmlers Wiederwahl. Übers ganze Gesicht strahlt auch die ehemalige SPD-Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Marie Luise Dreyer, die Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrats.
Das ZDF ist nicht staatsfern, sondern staatsnah. Es ist nicht unvoreingenommen, sondern parteiisch. Es informiert nicht, es missioniert. Es bebildert Haltungen. Es schottet sich ab. Es ist die teuerste Sekte der Welt.
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Alexander Kissler
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