Björn Höcke sorgt im Podcast für Rekorde: Die alten Diskussionsverwalter verlieren ihre Macht und heulen auf
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Florian Schroeder wäre gerne lustig und klug – und beides ist er nicht. Zumindest ist der Kabarettist nicht so lustig, wie er sich hält, und nicht so klug, wie er meint. Generell findet man im öffentlich-rechtlichen Erziehungsfunk selten lustige und noch seltener kluge Protagonisten.
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Nun äußerte sich Florian Schroeder auf zumindest unfreiwillig komische Art. Ihm missfällt, dass Björn Höcke im Podcast „Ben ungeskriptet“ viereinhalb Stunden reden durfte, ohne dass das Gespräch zum Tribunal geworden wäre. Schroeders Erwiderung zeigt: Es geht den bisherigen Diskussionsverwaltern nicht um Aufklärung, sondern um Macht. Genau diese Macht aber erodiert – die Macht, zu bestimmen, wer mit wem wie lange auf welche Weise reden darf. Und das ist gut so.
Eine gewaltige Lücke
Dieser Podcast elektrisiert, dieser Podcast sorgt für Rekorde. Über drei Millionen Mal wurde der Auftritt von Björn Höcke bei „Ben ungeskriptet“ bisher aufgerufen. Gastgeber Ben Berndt redet mit nahezu allen – das ist sein Markenkern. Und genau das ist die publizistische Lücke, die die öffentlich-rechtlichen Erziehungsmedien lassen. Es ist eine gewaltige Lücke.
Der thüringische AfD-Politiker will sich natürlich gewinnend präsentieren. Er sei „eigentlich Politiker wider Willen“, sagt er einmal, und überhaupt ein ganz lauterer Mensch mit einem reinen Herzen. Das glaube, wer mag.
Florian Schroeder missfällt das
Podcaster Ben fährt Höcke deutlich weniger in die Parade, als es Journalisten tun. Das übliche Höcke-Interview ist kurz, anklagend und durchzogen von Zwischenfragen. Journalisten interviewen Höcke, um zu demonstrieren, wie wenig sie von ihm halten.
Podcaster Ben ist von diesem Ehrgeiz nicht getrieben. Das missfällt vielen Diskussionsverwaltern, vor allem Florian Schroeder. Er versteigt sich zur Aussage: Faschisten würden dieses Talkformat feiern. Auch Höcke sei ein, wie Schroeder sagt, „zertifizierter Faschist“.
Mehrere Millionen Menschen haben sich das Gespräch oder Teile angeschaut. Die meisten Kommentare sind positiv. Alles Faschisten? Herr Schroeder verfährt offenbar nach dem Motto: Wer Faschist ist, bestimme ist. Und die bisherigen Gespräche Höckes mit, wie Schroeder es fordert, argumentativ „bewaffneten“ Gesprächspartnern waren Rituale von überschaubarem Erkenntnisgewinn.
Überall Rechtsextremisten!
Doch der anklagende und verurteilende Kabarettist verirrt sich noch tiefer im Unterholz trüber Gesinnung. „Nur Rechtsextremisten“, behauptet Schroeder, wünschten sich neutralen Journalismus – ja, „nur Rechtsextremisten“.
Florian, ach Florian, zünd’ andre Häuser an! Es ist legitim, Politiker zu grillen. Es ist genauso legitim, Politiker lange über ihren Werdegang und ihr politisches Profil reden zu lassen.
Wer Anstoß nimmt an Höcke, findet Material. Hier etwa in seinen Behauptungen, in Deutschland herrschten post-parlamentarische Zustände – und die Politik betreibe durch die Massenmigration ein „großes Mordkomplott gegen das deutsche Volk“.
Hoecke sieht einen „Staatsverfall“
Höcke sagt bei Ben programmatisch wenig Neues, das aber ausführlich. Er lehnt eine multikulturelle Gesellschaft ab und wünscht sich eine nationale „Vertrauensgesellschaft“ zurück, um dem, wie er sagt, „Staatsverfall“ entgegen zu wirken.
Außerdem fordert Höcke einmal mehr die Remigration von Ausländern ohne Bleiberecht. Auch für einen Zuzugsstopp für Menschen aus außereuropäischen Regionen will er sich einsetzen.
Das sind Äußerungen eines Landesvorsitzenden, dessen Partei an der 40-Prozent-Marke kratzt. Das sind Punkte, über die man diskutieren kann. Das sind Forderungen, die man ablehnen oder begrüßen darf.
Genau das wollen die bisherigen Diskussionsverwalter verhindern: einen offenen Austausch unter Erwachsenen. Sie wollen Tribunale, bei denen sie anklagen und verurteilen dürfen. Gut, dass den Mächtigen von einst ihre Macht zwischen den Fingern zerrinnt.
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Alexander Kissler
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