Eterna pleite – und wieder stirbt ein Stück deutscher Tradition
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Louis Hagen„Eterna“ ist Latein und heißt „ewig“. Der Name sollte Programm sein und klingt nun besonders bitter: Die Hemdenmarke Eterna meldet nach 163 Jahren deutscher Hemdenkultur Insolvenz an.
Das „Ewige“ bezog sich vor allem auf eine Stoff-Revolution, die das niederbayerische Unternehmen in Passau berühmt gemacht hat – bügelfreie Hemden und Blusen. Sie waren ewig gebügelt – also ewig knitterfrei. Das Unternehmen wird seinen Geschäftsbetrieb in diesem Sommer einstellen – für immer. Es hatte zwei Weltkriege überstanden, produzierte erfolgreich in der Wirtschaftswunderzeit und nach der Wiedervereinigung.
Eterna hatte bis zuletzt um sein Überleben gekämpft, wie die Passauer Neue Presse berichtet. Bis zu 20 potenzielle Investoren hatten sich die Bücher angeschaut. Keiner wollte in das Geschäft einsteigen. Nur die Namensrechte wurden verkauft. An wen, wurde nicht bekannt gegeben.
Eterna-Hemden fürs Büro – immer gut gebügelt
Die Marke Eterna steht für gehobene Mittelklasse-Hemden und Blusen. Sie kosten ab 50 Euro aufwärts pro Stück. Sie sind nicht so berühmt wie die Hemden von Brooks Brothers, Van Laack oder Hockerty. Sie sind – leider besser gesagt: sie waren – das Hemd des kleinen Angestellten, wenn man das ohne Hochmut sagen darf. Man sah immer gepflegt aus darin, immer gebügelt (siehe oben), immer adrett angezogen, wie man früher sagte.
Und das ist eben das Traurige am Verschwinden einer solchen Marke: Generationen von Männern und Frauen haben sich dazu entschieden, ihr Vertrauen einem Unternehmen zu schenken, das sie immerhin den ganzen Tag über begleitete.

Mit dem Eterna-Aus stirbt ein Stück deutscher Modegeschichte.
Ich nenne hier ein paar Namen von Marken, die einst groß waren – und nie wieder zurückkehrten. Diese Unternehmen waren eine Art Gemeinschaftserlebnis für Millionen Menschen. Man sprach nicht viel drüber. Man kaufte es. Man trug es, man aß oder trank es.
Schöne Erinnerungen an schöne Marken
Zum Beispiel Eduscho-Kaffee, die Älteren werden sich erinnern. Oder die Handelsmarke Kaiser’s, die mit der lachenden Kaffeekanne. Sie hat immerhin 100 Jahre überlebt, manche sagen immer noch: „Ich gehe zu Kaiser’s, äh zu Rewe.“
Andere Markennamen, die bei Millionen Menschen Erinnerungen wachrufen – und es sind fast immer schöne Erinnerungen. Produkte, die langlebig waren und von höchster deutscher Qualität. Strümpfe von Ergee, Schuhe von Salamander und Leiser. Kleinbildfilme von Agfa (bis 2005), Telefunken produzierte hochwertige Radios und Fernseher, die Geräte galten als das Beste, das man kaufen konnte.
Rosenthal-Porzellan – 2010 wurde die Produktion eingestellt. AEG-Kühlschränke und Waschmaschinen; Triumph-Motorräder; Braun-Rasierer und die eleganten Plattenspieler in wunderbarem Design, die Schreibmaschine Olympia aus Wilhelmshaven – als der Computer kam, wurde sie nicht mehr gebraucht. Pelikan, das Symbol für deutsche Schreibkunst; der Quelle-Katalog („Quelle macht’s möglich“) aus den 70er-Jahren, ein Fenster in die Welt des Konsums – durch Online-Bestellungen überflüssig geworden. Das sind nur ein paar Beispiele für viele andere. Ein bisschen überspitzt und ein bisschen sentimental gesagt – jedes Stück war auch ein Stück von einem selbst.
Deshalb geht es nicht nur um das Schicksal der 900 Mitarbeiter von Eterna aus Passau. Das ist schlimm genug. Es geht um Dinge, die uns begleitet haben auf einem guten Stück unseres Lebens. Und dafür sind Eterna-Hemden ein Symbol. Und leider ein trauriges.
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