Fehlgeleiteter Missmut: Unsere Soldaten bekommen die Kritik ab, die Politiker und Generäle verdienen
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Chris BeckerIn geopolitisch bewegten Zeiten ist es recht und billig, dass Fragen der Landesverteidigung zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Das gilt selbstverständlich auch für die Bundeswehr, der als kämpfende Institution dieser Tage ein besonderes Augenmerk gilt. Sie unter die Lupe zu nehmen, ist eine Sache. Dass sie derart unter die Räder kommt, ist jedoch zutiefst ungerecht. An der medialen Skandalisierung unserer Soldaten beteiligen sich auch die politische Führung, die Parteien, Fachpolitiker und sogar Teile der Generalität.
Der Missmut, der der Truppe entgegenschlägt, ist fehlgeleitet. Allen voran trifft er jüngst die Fallschirmjäger und ist damit in neun von zehn Fällen an die Falschen adressiert. Der „Aktionsplan Luftlandetruppen“ unterstreicht das nur. Das kolportierte Zerrbild über die Streitkräfte entspricht nicht der Realität, vor allem aber übertüncht die hysterische Vorverurteilung ganzer Regimenter zahlreiche handfeste Probleme, die es dringend zu lösen gilt.

Deutsche Fallschirmjäger beim Training
Zwischen Sensationslust und soldatischer Wirklichkeit
Womöglich macht sich jemand einmal die Mühe, die deutschsprachigen Zeitungsbeiträge und Fernsehsendungen zu zählen, die in letzter Zeit im Kontext der Verteidigungspolitik erschienen sind. Ich kann Ihnen keine genaue Zahl nennen, jedoch dürften wir zügig zur einhelligen Überzeugung gelangen, dass die Berichterstattung über die Bundeswehr und verwandte Themen in den vergangenen Jahren, wenn nicht Wochen, exponentiell zugenommen hat. Vorgänge, die ich mir als Militärjournalist zuvor in mühevoller Kleinarbeit aus Nischenpublikationen zusammenklauben musste, werden nun im Akkord in reichweitenstarken Beiträgen publiziert. Dass dabei häufig die immer selben Experten mit einseitigen Analysen zu Wort kommen, ist eine Schattenseite des aufgeflammten Interesses an der Truppe; ein Umstand, der in dieser Kolumne im Dezember letzten Jahres bereits umfassend thematisiert wurde. Die landesweite Skandalisierung des Fallschirmjägerregiments 26 ist nun eine höher skalierte Neuauflage der fünf Jahre alten Empörungswelle über das Kommando Spezialkräfte (KSK), und wieder einmal sollen die Soldaten für Führungsschwächen auf höchster Ebene den Kopf hinhalten. Dabei sind diese und andere Vorfälle durchaus exemplarisch, allerdings auf eine völlig andere Weise, als es der breiteren Öffentlichkeit vermittelt wird.
Als Bundesverteidigungsminister Pistorius vor drei Tagen in die Sendung von Caren Miosga zugeschaltet ist, trägt er eine staatstragende, schwarz-rot gestreifte Krawatte. Er findet, die Äußerung des US-Präsidenten über Donald Trump, alliierte Soldaten hätten bisher einen zu zurückhaltenden Beitrag geleistet, verdiene eine Entschuldigung. Damit hat er recht: 119 deutsche Soldaten sind in Auslandseinsätzen gestorben – Einsätze übrigens, in die Deutschland den USA und der NATO gefolgt ist. 59 dieser Kameraden allein haben ihr Leben in Afghanistan gelassen. Zwar stimmt es, dass deutsche und europäische Soldaten in Einsätzen allgemein zurückhaltender agieren, dies liegt jedoch nicht an einer womöglich durch den US-Präsidenten implizierten Feigheit der Kampftruppen, sondern an der strategischen Zurückhaltung der politischen Führung und der unangemessenen Ausrüstung – ein anderes Thema. Zur Ironie der Geschichte zählt, dass kaum ein anderer Teil der Bundeswehr in Ausübung seiner Gehorsamspflicht einen derart hohen Blutzoll gezahlt hat wie die Fallschirmjäger. Das – wenn man es überhaupt so bezeichnen kann – berühmteste Gefecht der bundesdeutschen Geschichte, das sogenannte „Karfreitagsgefecht“, wurde von einem Fallschirmjägerbataillon ausgetragen. Es entbehrt wohl nicht einer gewissen Dissonanz, dass der Verteidigungsminister gegenüber Amerika eine Entschuldigung fordert, während ausgerechnet diese Soldaten im eigenen Land einem disziplinarrechtlichen und medialen Spießrutenlauf ausgesetzt sind. Die Deutschen tun sich schwer mit dem Andenken an die gefallenen Bundeswehrsoldaten: Denkmäler stehen fast ausschließlich im Wald oder in Liegenschaften der Bundeswehr, Feiertage und Gedenkveranstaltungen finden hinter abgeriegelten Torposten statt. Kaum ein Politiker, Experte oder Journalist kennt ihre Namen, auch die Zivilgesellschaft nicht.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), zugeschaltet bei Caren Miosga
Demgegenüber stehen die Halbwahrheiten und Vorurteile, die die Leute allgemein für wahr halten. Die Bundeswehr gilt Teilen der etablierten Medien als ein latent rechtsextremer und sexistischer Haufen, und sie teilen dieses Bild aufgekratzt und energisch mit der zunehmend ungedienten Bevölkerung, die sich in ihren Annahmen nach Jahren der Berichterstattung stets aufs Neue bestätigt sieht. Da hilft es auch nicht, wenn die Division Schnelle Kräfte (DSK), also die den Fallschirmjägern übergeordnete Einheit des Heeres, in einem internen Bericht zu einer äußerst differenzierten Betrachtung der Vorgänge in Zweibrücken gelangt. Wie schon 2021, als das KSK mit den Argusaugen der Vorzeigedemokraten betrachtet wurde, gelangt die DSK zu dem Schluss, dass zwar Fehlverhalten Einzelner festzustellen war, jedoch mitnichten von einem strukturellen Versagen die Rede sein kann. In den glasklaren Fällen von eindeutigen Verstößen gegen Dienstpflichten hat die lokale Führung im Gegenteil fast immer richtig gehandelt. Zum Vergleich: In Zweibrücken wurden neunzehn Soldaten entlassen, gegen eine Handvoll weitere wird ermittelt. Das Regiment zählt allerdings etwa 1.800 Staatsbürger in Uniform, und ganz allgemein ist der Anteil an Straftätern und Extremisten in der Bundeswehr selbstverständlich deutlich niedriger als in der Zivilbevölkerung. Anders als in der Gesellschaft geraten Missetäter fast immer rechtzeitig auf das Radar, sodass entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden können. Doch wen interessieren schon die Fakten?
Der interne Bericht, über den die Kollegen der NZZ heute Morgen exklusiv berichteten, kommt zu dem Schluss, dass das justiziable Fehlverhalten innerhalb des Fallschirmregiments tatsächlich konsequent geahndet wurde. Dazu zählen insbesondere Fälle von Drogenmissbrauch und ‑gebrauch, der eigentlich größere Teil der Vorwürfe, der allerdings in der Berichterstattung hinter den anderen zurücktrat. Von den insbesondere in progressiveren Medien breitgetretenen Vorstellungen, es handele sich besonders um Fälle von Sexismus und Rechtsextremismus, bleibt wenig übrig. Nur einem Soldaten konnte eine entsprechende politische Gesinnung nachgewiesen werden, er wurde entlassen. Die Sexismus-Vorhaltungen gehen auf die Beschreibungen einer einzigen Soldatin zurück, in vielen Fällen konnten und wollten viele weitere weibliche Angehörige des Regimentes diese Schilderungen nicht bestätigen. Übersetzt heißt das: Wo es eine Handhabe gab, um die Spreu vom Weizen zu trennen, haben Kameraden und Vorgesetzte im Grunde richtig gehandelt.

NZZ am 28.01.2026
Das heißt mitnichten, dass alles gut, die Aufregung also völlig umsonst ist. Dem Drogenmissbrauch, dem auffälligen Kern der eigentlichen Problematik, sollte deutlich mehr Augenmerk zuteilwerden. So berichtete die Bild heute früh, dass es auch an der Bundeswehr-Universität zu Hamburg, die den Namen Helmut Schmidts trägt, zu Drogenkonsum unter den studierenden Offizieranwärtern gekommen sein soll. Den richtigen Ton trifft der Bundestagsabgeordnete Rüdiger Lucassen, der Obmann seiner Partei im Verteidigungsausschuss ist: Ein solches Fehlverhalten, das zudem den überlebenswichtigen eigenen Körper verschleißt, verträgt sich nicht mit dem soldatischen Ethos. Das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes stützt sich nämlich nicht nur auf Juristen und Institutionen, sondern auf die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit und die politische Loyalität derjenigen, denen der Souverän die tödlichsten aller Waffen anvertraut. Die zukünftigen Offiziere in Hamburg und das letale Rückgrat der Streitkräfte in Zweibrücken haben in besonderer Weise dafür Sorge zu tragen, dass sie diesem Vertrauen gerecht werden. Ihre Belastbarkeit ist von wesentlich essenziellerer Bedeutung als die Zustände an den Schreibtischen in Köln, Bonn und Berlin.

Die Hamburger Bundeswehr-Universität aus der Luft
Vielleicht liegt es daran, dass die Kriegsdienstverweigerer in politischen Stäben und progressiven Redaktionen einer eher liberalen Einstellung zu Drogen anhängen; oder auch daran, dass sie gemeinhin an jeder Ecke Rechtsradikalismus und Sexismus wittern. Die Rampe jedenfalls, die sie der Politik und Generalität damit bauen, zielt letztlich in eine falsche Richtung. Vielmehr müssen sich die Verantwortlichen fragen, ob sie selbst in ihrer hohen Position alles tun, was nötig ist, um das Problem in den Griff zu kriegen. Konkret heißt das: Die Fallschirmjäger, das KSK, die jungen Offiziere und auch die Bundeswehr allgemein als militärische Elite zu begreifen – jeder nach seiner Art – und ihnen zu der gesellschaftlichen Stellung zu verhelfen, die ihre so selten gewordene Opferbereitschaft verlangt. Wer fachlich zur einsamen Spitze gehört, gesellschaftlich allerdings in die Schmuddelecke gestellt wird, der kann sich nur in das Obskure, Abgeschlossene, von bitterer Enttäuschung und Unverständnis geprägte zurückziehen. Welche Republik, die sich wie nie zuvor auf ihre wehrbereiten Kampftruppen angewiesen sieht, geht so stiefmütterlich mit ihren Soldaten um? Wie grotesk, dass es ausgerechnet das grüne, linke, liberale Milieu ist, das tagtäglich die Wehrbereitschaft gegenüber Putin, Trump, China, ja der ganzen Welt bemüht, und doch ist ihnen die Wirklichkeit der Kämpfer so unvertraut und verdächtig. Von Fallschirmjägern erwartet die Bundesrepublik, dass sie in Kilometerhöhe aus Flugzeugen springt, um hinter feindlichen Linien Dinge zu zerstören und andere zu töten. Für Geld machen die das nicht, sie kriegen dafür weniger als ein Grundschullehrer. Wie entfremdet, wie entkoppelt, wie verweichlicht eine Gesellschaft sein muss, dass sie von ihren mutigsten Regimentern erwartet, dass sie sich wie woke Sozialpädagogen gerieren. Und das, so viel sei gesagt, obwohl fünfundneunzig Prozent der Fallschirmjäger tatsächlich gute und respektable Sozialarbeiter abgeben würden. Die im Warmen und Trockenen lebenden Bundesbürger können sich einfach nicht vorstellen, dass der Stolz auf blaue Flecken und markige Sprüche tatsächlich etwas sein können, das zum Zusammenhalt in einer Kampfgemeinschaft gehört – übrigens auch in zivilen Berufen, in denen gehobelt wird – und das zum Funktionieren einer solchen Truppe dazugehört. Im Gespräch mit Bild-Journalist Paul Ronzheimer äußerte der renommierte Militärhistoriker Sönke Neitzel in dieser Woche einen von zahlreichen klugen Sätzen: Wenn Wandbilder der Fallschirmjäger aufgrund ihrer politischen Unangemessenheit weiß übertüncht werden, durch welche Illustrationen werden sie ersetzt? Wenn die auf der Stube gespielte Musik unerwünscht ist, das alte Liederbuch der Bundeswehr aus Bonner (!) Tagen plötzlich verboten wird, wann gibt es ein Neues? Kurzum: Die Berliner Republik darf nicht nur streichen, verbieten und neu organisieren, sie muss dieses Vakuum auch mit etwas füllen, das des Kämpfens wert ist und idealerweise dazu animiert. Wenn sie diesen Schritt scheut, darf sie sich nicht darüber wundern, wenn es zum organischen Wildwuchs in den Einheiten der Bundeswehr kommt.

Militärhistoriker Sönke Neitzel
Eigentlich wäre es also Aufgabe der Politik, sich schützend vor die Soldaten der Bundeswehr zu stellen. Doch die Lust an der Empörung ist verlockend, die öffentliche Distanzierung wohlfeiler als die Erledigung von Aufgaben. Die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit wächst täglich.
Mein Elternhaus steht in Zweibrücken in unmittelbarer Nähe der Niederauerbachkaserne. Zu meiner aktiven Dienstzeit hatte ich mehrfach die Gelegenheit, die Professionalität der Kameraden vor Ort in dieser großen und für die nationale Sicherheit so wichtigen Liegenschaft zu erleben. Zu den angenehmen Seiten meiner beruflichen Tätigkeit zählt, dass ein belesener Vater mich konsequent mit Lesestoff aus der Heimat versorgt. Seine Lektüre der Adenauer-Biografie mündete in der Atomwaffen-Kolumne von letzter Woche, vor allem aber beschäftigt die Lokalzeitung derzeit das hiesige Fallschirmjägerregiment. Schon der Spiegel berichtete in der Vorweihnachtszeit abfällig darüber, dass Bundeswehrsoldaten an ihrem Erbsensuppen-Stand auf dem lokalen Christkindlmarkt auch (ungeladene) Waffen „zur Schau stellten“ – während es doch gerade linksliberale Medien sind, die Nachrüstung und Amerika- wie Russland-Resilienz propagieren! Umso richtiger war es, dass lokale Politiker wie der ehemalige rheinland-pfälzische CDU-Generalsekretär Dr. Christoph Gensch und der Bundestagsabgeordnete Florian Bilic sich intuitiv hinter die Truppe stellten. Für die Vorschuss-Lorbeeren an die Zweibrücker Soldaten mussten sie auch Kritik aushalten, doch der differenzierte Bericht über die Hintergründe der Vorfälle verhilft ihnen und den Kameraden vor Ort nun zum Recht. Auf eine ehrliche Rehabilitation der Luftlandetruppen in deutschlandweiten Medien darf man allerdings vergebens hoffen.
„Aktionsplan Luftlandetruppen“: Der Heeres-Inspekteur spielt die Rolle des gefälligen Politikers
Bereits bei der Ankündigung des „Aktionsplanes Luftlandetruppen“ zeichnete sich ab, was in der politisierten Bundeswehr-Führung des 21. Jahrhunderts zum guten, karrierefördernden Ton gehört. Die Vorstellung des Planes heute Mittag in Altenstadt bestätigt folgerichtig die Annahmen: Es ändert sich nichts, wie auch schon 2021 im Falle des Kommandos Spezialkräfte. Die kriegstüchtigsten Teile der Bundeswehr werden weiter ihren in weiten Teilen überragenden Dienst leisten und stoisch mit der Verleumdung, die sie öffentlich ertragen müssen, leben. Zu den echten Reformen könnte gehören, die endlose Zusammenlegung der Regimenter zu beenden und dafür zu sorgen, dass der disziplinarrechtlich vorgesetzte Stab einer Einheit auch bei seiner Truppe zu sitzen hat – entgegen der Entwicklung, dass im Heer eine wachsende Anzahl von Generälen abseits ihrer Soldaten in schicken Kommandobehörden residiert. Ein mutiger, revolutionärer Schritt wäre gewesen, die Fallschirmjäger in ihrer Gesamtheit wieder der Luftwaffe zuzuführen. So könnte das mit der Führung der Spezialkräfte womöglich überforderte Heer seine Aufmerksamkeit gänzlich Einheiten wie dem KSK oder den Gebirgsjägern widmen, beide ebenfalls unstrittiges Rückgrat der Bundeswehr. Zudem trüge diese Neuordnung dazu bei, dass neben dem Heer und der Marine mit ihren Kampfschwimmern auch die Luftwaffe wieder über originäre, eigene Spezialkräfte verfüge. Die operative Verquickung der Fallschirmjäger mit der Luftwaffe (sie springen aus Flugzeugen), die Nähe zu Luftwaffenstandorten wie Germersheim und der Ramstein-Airbase sowie die unmittelbare Nähe zum kommunalpolitischen Zankapfel des stillgelegten Zweibrücker Flughafens machen diese Entscheidung eigentlich zu einer militärischen Notwendigkeit. Zudem ermöglicht es den Luftlandetruppen, ohne direkten Rückgriff auf ihre NS-Geschichte – die Fallschirmtruppen waren in den 1930er und 1940er Jahren Teil der neugegründeten Luftwaffe – das eigene Bild in der republikanischen Luftwaffe identitär wiederzuentdecken. Eine, auch operative, Selbstverständlichkeit – denn diese tapferen Männer springen nicht aus Schiffen oder Panzern. Die Luftwaffe ist als Teilstreitkraft auch in der jüngeren Geschichte weniger anfällig für Extremismus, international vernetzt und dürstet nach einer eigenen Spezialeinheit. Ein solcher Schritt wäre, bundeswehr-organisatorisch, radikal, aber was spricht dagegen?

Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des Heere
Dass „der Fisch vom Kopf her stinkt“, wie es manche, ganz sicher aber nicht dieses Medium formulieren würden, zeigt sich schlussendlich aber nicht nur in der Angelegenheit der Fallschirmjäger. Tatsächlich muss sich die Bundesregierung zunehmend die Frage gefallen lassen, wie sie ihr außenpolitisches Programm und ihre Beteuerung der „Kriegstüchtigkeit“ denn nun endlich in konkretes Regierungshandeln umsetzen will. Öffentlich-rechtliche Medien wie „Funk“ oder der WDR betreiben, nur vier Wochen nach dem gesetzlichen Start der Fragebogen-Wehrpflicht, regelrechte Kampagnen, um junge Männer zur Verweigerung zu animieren. Wie die Kollegen von Apollo News in einer fulminanten Berichterstattung vom gestrigen Tage offenlegten, stören Windräder die Radaranlagen der Bundeswehr erheblich – und das in einer Zeit, in der die etablierte Politik täglich vor Luft- und Drohnenangriffen warnt. Noch vor kurzem plädierte Verteidigungsminister Pistorius in einer Bundestagsrede für Entbürokratisierung, nun lassen sich die Bundeswehr und das Ministerium von der Klima-Lobby vorführen, indem das Aufstellen von einzelnen Windkraftanlagen allen Ernstes Vorrang vor den Radaranlagen der Luftwaffe genießen soll. Um den Primat der Klimapolitik gegenüber dem Radarbetrieb zu ermöglichen, wurden und werden sogar Gesetze geändert. In einem fulminanten Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schilderte der junge Historiker Muamer Bećirović vor einigen Tagen, wie kopflos deutsche Strategie und Militärplanung geworden sind. Und auch die Grönland-Apologetik der europäischen und deutschen Politik – Ursula von der Leyen unterstellte der Bundeswehr einst ein „Haltungsproblem“, Bundeskanzler Merz macht die Bundeswehr noch immer nicht zur Chefsache – kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bundesrepublik eine Gas-Abhängigkeit von Russland gegen eine Flüssiggas-Abhängigkeit von Trump und eine doppelte Atom-Abhängigkeit von Frankreich eingetauscht hat.
Über die Gesamtheit all dieser Umstände kann die militärische Schönwetter-Hysterie der Bundespolitik nicht länger hinwegtäuschen. Die Fallschirmjäger-Debatte ist daher nicht nur ein Detail der bundesdeutschen Verteidigungs-Diskussion, sie gerät regelrecht zum Lackmustest. Erlauben Sie mir daher eine überspitzte Pulsmessung: Deutschland ist im „Großen“ geostrategisch so stark, wie es seine Fallschirmjäger „im Kleinen“ sind. Wie wir der kleineren Herausforderung begegnen, wird auch darüber entscheiden, wie fit wir für die größere sind.
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Chris Becker
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