Nur Hausfrau und Mutter – muss man sich wirklich dafür schämen?
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Louis HagenEs ist nicht lange her, da war es eine Selbstverständlichkeit: Frauen konnten arbeiten gehen und Karriere machen – oder als Hausfrau und Mutter zu Hause bleiben. Niemand störte sich daran, meist im Gegenteil. Wer sich mit vollem Herzen für ein Leben zu Hause entschloss, wurde oft bewundert, natürlich auch belächelt. Manche waren neidisch, andere sagten: Ich könnte das nicht.
Was Frauen in dem Beruf „Hausfrau“ alles leisten, fasste man mit dem Begriff „Hauswirtschaft“ zusammen. Ich sage es in der Vergangenheitsform, weil der Beruf der Hauswirtschaft immer weniger geschätzt zu werden scheint.
„Wir sind keine Reinigungskraft“
NIUS-Leserin Beate Kohl aus Münster schrieb uns dazu interessante Fakten, die den Zeitgeist widerspiegeln – leider, wie ich finde. Sie schreibt: „Die Hauswirtschaft wird gesellschaftlich auf das Bild einer gut bezahlten Reinigungskraft reduziert. Dieses verkürzte und fachlich falsche Verständnis prägt nicht nur die öffentliche Wahrnehmung, sondern offenbar auch politische Entscheidungen. Dabei steht die Hauswirtschaft in Wahrheit für weit mehr: Sie ist Organisations-, Versorgungs-, Nachhaltigkeits- und Bildungsarbeit zugleich.“
Qualifikation zu gering bewertet
Weiter schreibt Beate Kohl: „Hauswirtschaft ist kein Randberuf, sie ist ein Bildungsfaktor für unsere Gesellschaft. Themen wie Alltagskompetenz, Ernährungsbildung, Ressourcenmanagement, Hygiene und soziale Verantwortung gehören fachlich und konzeptionell in diesen Bereich. Angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen, vom Fachkräftemangel bis zur fehlenden Alltagskompetenz junger Menschen, müsste Hauswirtschaft viel mehr als klar definierter Bildungsauftrag verstanden und politisch gestärkt werden.“

Eine Frau holt Essen aus dem Ofen – bald ein Stigma?
Leider ist das Gegenteil der Fall. „Der Ausschluss unseres Berufes von der Meisterprämie in Nordrhein-Westfalen legt nahe, dass die Qualifikation und Verantwortung unseres Berufstandes geringer bewertet wird als andere Meisterabschlüsse. Warum wird ein Berufsfeld, das überwiegend von Frauen getragen wird und zentrale gesellschaftliche Aufgaben übernimmt, nicht gleichwertig anerkannt? Warum wird der Meistertitel in der Hauswirtschaft faktisch anders behandelt als andere Meisterberufe?“
Liebe Beate Kohl, ich möchte Ihnen zurufen – wie recht Sie haben. Und den letzten Satz in ihrer Mail an uns sollte jeder unterstützen, der sich auf einen gesunden Menschenverstand beruft. Er lautet: „Hauswirtschaft ist kein Nebenschauplatz, sie ist Teil der Versorgungsstruktur unseres Landes.“
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