Havel-Therme schließt „Männergruppen“ aus: Welche Männer sie wirklich meinen
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Marc SierzputowskiDie Entscheidung der Havel-Therme, die Einlassregelungen drastisch zu verschärfen, ist ein Symptom einer tieferliegenden Herausforderung. Nach wiederholten Vorfällen mit sexuellen Belästigungen, körperlichen Übergriffen und sogar Messerstechereien auf dem Parkplatz der Therme hat der Betreiber reagiert und ein rigoroses Zugangskonzept eingeführt, das im Ergebnis eher an die Kontrolle eines Nachtclubs als an den Zutritt zu einer Erholungsstätte erinnert.

Die Havel-Therme von innen
Mit neuen Zugangsregeln für die Therme sortiert der Betreiber aus Angst vor fehlender Sicherheit „Männergruppen“ aus und führt eine Geschlechterquote ein. Künftig wird es keine Mehrheit von Männern in der Therme geben. Doch wohin führt das?
Geschlechterquoten sollen Konflikte reduzieren
Dass es reale Probleme gibt und gab, steht außer Frage. Messerangriffe auf Parkplätzen, Grapschereien im Wasser, aggressive Gruppen. Doch anstatt gezielt gegen Störer vorzugehen, hat man sich für die bequemste aller Lösungen entschieden. Man sortiert vor. Nicht nach Verhalten, sondern nach Wahrscheinlichkeit. Wer jung ist, männlich wirkt und womöglich in einer Gruppe erscheint, hat Pech gehabt und wird künftig nicht mehr in der Therme entspannen können.
Die neue Einlasspolitik erinnert dabei weniger an ein Sicherheitskonzept als an das Bauchgefühl eines Türstehers um drei Uhr morgens. Nur ohne dessen Erfahrung und ohne dessen situative Flexibilität. Stattdessen regieren Quoten, Voranmeldungen und Geschlechterverhältnisse. Das Ergebnis ist eine mathematische Vorstellung von Ordnung, die vorgibt, objektiv zu sein, während sie in Wahrheit kollektive Zuschreibungen verwaltet. Dabei darf man sich nicht falsch verstehen, denn auch ich möchte das Gefühl von Sicherheit, vor allem wenn ich gemeinsam mit meinen Liebsten entspannen möchte.

Dieser Mann wird von der Polizei gesucht. Er soll in der Therme ein Kind „unsittlich“ am Gesäß angefasst haben.
Die Therme hatte die Chance, es auszusprechen, aber entscheidet sich dagegen
Besonders elegant beim Vorgehen der Therme ist dabei die moralische Selbstentlastung. Niemand sagt offen, worum es geht. Man spricht von Männergruppen, von Dynamiken, von Einzelfällen in großer Zahl. Dass Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund bei den bekannten Problemfällen überrepräsentiert sind, weiß jeder, aber niemand soll es benennen. Also trifft es alle. Auch den unauffälligen jungen Mann, der einfach schwimmen will. Gleichmacherei als Ersatz für Differenzierung. Die Therme reduziert das Problem auf den letzten und größten gemeinsamen Nenner, der Straftäter und brave junge Männer eint: das Geschlecht.
Natürlich wäre es politisch unkorrekt, offen nach Herkunft zu unterscheiden. Also erfindet man neutrale Regeln, die genau das leisten sollen, ohne es zuzugeben. Das Ergebnis ist eine Art moralische Schattenpolitik. Man will differenzieren, darf es aber nicht, also tut man so, als wäre Pauschalisierung besonders gerecht. Wer noch nie auffällig wurde, nie belästigt, nie bedroht, nie ein Messer gezogen hat, wird dennoch vorsorglich aussortiert. Nicht wegen seines Handelns, sondern wegen seiner statistischen Nähe zu einem Problem, das er gar nicht verursacht. Es geht um migrantische, statistisch überrepräsentierte Araber, die in der Gegenwart von Frauen in Bikinis, triebgesteuertes und testosterongeladenes Machogehabe an den Tag legen.

Die Therme von außen
Man könnte sagen, die Therme hat das integrationspolitische Leitmotiv unserer Zeit perfekt umgesetzt. Probleme werden nicht gelöst, sondern verlagert. Konflikte nicht benannt, sondern neutralisiert. Und Freiheit wird so lange eingeschränkt, bis niemand mehr stört, außer vielleicht das eigene Gewissen. Am Ende ist die Therme vielleicht ruhiger. Aber nicht, weil es gerechter geworden wäre, sondern weil man vorsorglich alle ausgesperrt hat, die theoretisch Ärger machen könnten. Die Kapitulation mit Eintrittskontrolle quasi.
Vielleicht wäre es ehrlicher, einfach offen zu sagen, was man ohnehin denkt. Statt die Deutschen mit Hausregeln zu erziehen, könnte man jene ausschließen, die erfahrungsgemäß durch konsequenten Regelbruch auffallen. Das wäre zumindest logisch. Stattdessen entscheidet man sich für die moralisch saubere, praktisch absurde Variante. Alle leiden ein bisschen, damit niemand klar benannt wird.
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Marc Sierzputowski
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