Liebe Sozialisten, denkt an Weihnachten daran: Jesus wäre heute Kapitalist
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Ben BrechtkenDer SPD-Politiker Matthias Miersch behauptete vor drei Monaten, dass Jesus „ein Linker“ gewesen sei. Kein Jahr vergeht, in dem nicht irgendein linker Politiker Jesus als Argument für seine Umverteilungsgelüste zu missbrauchen versucht. „Was würde Jesus tun?“ ist eine interessante Frage. Deren Beantwortung Linken missfallen wird.
Gut, er wäre sicherlich kein Kapitalist nach marxistischer Definition. Zugegebenermaßen ist es schwer vorstellbar, dass Jesus Christus mit einem Privatflugzeug zu der Aktionärsversammlung seines Nasdaq-Unternehmens fliegen würde. Er wäre wohl auch im Jahr 2025 kein Kapitalbesitzer mit etlichen Angestellten.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch
Die andere Definition eines „Kapitalisten“ ist da schon deutlich gewinnbringender – wie alles, was ohne Karl Marx auskommt. Nämlich ein Kapitalist, der deswegen Kapitalist ist, weil er für den Kapitalismus und die Marktwirtschaft streitet. Der Kapitalismus als eine Ordnung, die auf freien Verträgen, freiwilligen Interaktionen zwischen Menschen und natürlichen Prozessen jenseits staatlicher Befehle beruht. Eine Ordnung, die Ungleichheit, Reichtum und Privateigentum zulässt. Die nicht auf einen allmächtigen Staat, geschweige denn einen omnipräsenten Sozialstaat deutscher Größenwahngröße setzt.
Nächstenliebe und Eigenliebe als wichtigstes Gebot
Jesus und das Christentum werden zumeist mit Fürsorge für Arme, Wohltätigkeit und Nächstenliebe verbunden. Klassisch linke Prioritäten, oder? Doch Jesus‘ Erläuterung der Nächstenliebe bringt diese Interpretation in Gefahr. Als dieser von einem Lehrer gefragt wurde, welches Gebot besonders wichtig sei, nannte Jesus nur zwei Gebote. Ihm am wichtigsten war natürlich, den einen Gott zu ehren. Aber an zweiter, gleichwertiger Stelle platzierte er: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

Die Friedenskirche in Berlin-Charlottenburg fragt: „Aber was, wenn die Geschichte, die wir jedes Jahr feiern, auch Geschichten von Macht, Kolonialismus und Diskriminierung erzählt?“
Ja, die Nächstenliebe ist zentrales Fundament des Christentums, aber die Grundlage dafür ist die Selbstliebe. Liebe dich selbst, gehe nicht im Kollektiv auf, bleibe Individuum, verleugne dich nicht. Diese Selbstliebe, dieser radikale Individualismus ist die Gegenbotschaft zu allen kollektivistischen Ideen der Menschheitsgeschichte. Sie macht immun gegen die Versprechungen des „Wir“ und betont die immense Wichtigkeit des „Ich“. Wer das Jesus-Zitat kennt und versteht, kann sich die Lektüre von Ayn Rand eigentlich sparen. Kein Wunder, dass der Kommunismus alles daran setzte, diese Religion zu bekämpfen.
Solidarität ist kein sozialistisch stilisierter Altruismus
Die nicht zu überbietende Einordnung dieses Gebots relativiert gleichzeitig all die Reichtums- und Reichenkritik von Jesus, einschließlich des berühmten Nadelöhr-Gleichnisses. Ohnehin ging es bei dessen Kritik an übermäßigem Materialismus und übertriebener Geldverehrung nie um fremden Zwang, sondern um Selbsteinsicht. Die christliche Reichenkritik kann nicht für sozialistische Zwecke herangezogen werden.
Das „Selbst“ als Startpunkt der Nächstenliebe betont zudem, dass Solidarität kein vollkommen selbstloser Akt, kein sozialistisch stilisierter Altruismus ist, sondern auch der helfenden Person etwas bringt. Von persönlicher Genugtuung über steuerliche Absetzbarkeiten bis hin zu gesamtgesellschaftlicher Anerkennung kann es diverse egoistische Motive für Spenden und private Wohlfahrt geben.

Solidarität ohne Freiwilligkeit ist Zwang, etwa bei Umverteilung von Sozialkosten.
Nur freiwillige Solidarität ist echte Solidarität
Natürlich rannte Jesus auch nicht durch die Gegend und forderte, dass die Menschen mit staatlicher Gewalt dazu gezwungen werden, ihren Nächsten zu helfen. Die Botschaft des Christentums ist eine Botschaft der Freiwilligkeit, allen Umdeutungsversuchen zum Trotz. Nur freiwillige Solidarität ist echte Solidarität. Staatliche Umverteilungssolidarität und das nicht zu fassende Wieselkonzept der „sozialen Gerechtigkeit“ sind wenig mehr als glorifizierte räuberische Erpressung.
Auch das erste Gebot, die Gottesliebe „von ganzem Herzen“, lässt keinerlei Platz für die Staatsliebe der Sozialisten jeglicher Couleur. Um nicht zu übertreiben: Selbstverständlich wäre Jesus kein Anarchokapitalist, aber mit staatlicher Allmacht verneinenden Botschaften wie „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ wäre der Status eines libertären Minimalstaatlers, der geringe Steuern für grundlegendste Staatstätigkeiten toleriert, locker vorstellbar.
„Liebt eure Feinde“ und „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“ sind gegenteilige Botschaften zum Vernichtungswahn aller Totalitären. Gleichheit vor dem Gesetz, Minderheitenrechte, Meinungsfreiheit für jedermann, alle westlichen Werte lassen sich daraus ableiten. Das lässt sich von keiner einzigen sozialistischen Botschaft behaupten.
Kapitalismus brachte Menschen aus der Armut
Jesus‘ Gleichnis vom Senfkorn, in dem das kleinste von einem Bauern ausgesäte Senfkorn völlig unvorhersehbar zu einem riesigen Baum heranwächst, der alle anderen Pflanzen überragt, ist eine Absage an jeden Zentralplaner, jede Planwirtschaftsbehörde, jeden politischen Mikromanager. Es steht für ein organisches, ungesteuertes Wachstum in einer chaotischen, nicht zu überblickenden Ordnung. Für die Marktwirtschaft also. Nicht zuletzt wäre Jesus Christus heute deshalb Kapitalist, weil er sehen könnte, dass niemand so viel Wohlstand geschaffen und so viel Armut reduziert hat wie die vom Kapitalismus freigesetzten Kräfte. Lebten Anfang des 19. Jahrhunderts noch über 75 Prozent der Menschen in extremer Armut, sind es in der Gegenwart nur noch etwa zehn Prozent. Bei sieben Milliarden Menschen mehr.
Der Alltag im Kapitalismus ist das potenzierte christliche Wunder der Vergangenheit
Milliarden Menschen mehr, die entgegen aller malthusianischen Vorhersagen nicht verhungerten, sondern bestens mit Nahrung versorgt wurden und werden. Im Gegensatz zu dieser marktwirtschaftlichen Großleistung erscheint das Christuswunder der Brotvermehrungen nahezu langweilig. Jesus‘ Heilung von Blinden wird 2000 Jahre später noch bewundert, während Youtuber wie MrBeast in einem einzigen Video 1000 Blinde wieder sehen lassen und Kapitalisten wie Elon Musk daran arbeiten, das Schicksal der Blindheit mithilfe von Neuralink Geschichte werden zu lassen. Der Alltag im Kapitalismus ist das potenzierte christliche Wunder der Vergangenheit.
Außerdem: Es kann doch niemand ernsthaft glauben, dass ein Prediger, der von seiner Meinungsfreiheit lebt wie von seinem Atem, in der Neuzeit ein Linker wäre. Jesus wurde von einer personifizierten Meldestelle verraten. An ein Vorgängermodell des Nancy-Faeser-Lisa-Paus-Meinungsverfolgungs-Komplexes. Er musste als gefährlicher Staatsdelegitimierer und politischer Unruhestifter sterben.
Falls also an Weihnachten die linke Nichte Jesus für ihre Politik missbrauchen sollte, bitte widersprechen. Wobei es Linken an Weihnachten ja in Wahrheit gar nicht um Jesus, sondern um die Geschenke der wohlhabenden Verwandtschaft geht. Auch hier hat sich der Kapitalismus durchgesetzt.
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