Warum können sich Linke so gar nicht über das Ende des Gaza-Krieges freuen?
Ein Beitrag von
Amir MakatovDurch den Friedensplan von US-Präsident Donald Trump scheint der Frieden nach zwei Jahren Krieg zwischen der islamistischen Hamas und dem jüdischen Nationalstaat Israel zum Greifen nah. Beide Konfliktparteien haben dem Deal zugestimmt, das Feuer soll zeitnah eingestellt und die Geiseln befreit werden. Doch ausgerechnet jetzt, wo das Leid aufhören soll, bleibt die Freude all jener aus, die zuvor nach Waffenruhe geschrien haben. Ging es ihnen vielleicht doch nicht nur um ihren Palästinenser-Fetisch, sondern um ihren Hass auf Zivilisation – in diesem Fall in der Gestalt Israels?
Die beiden Funktionäre der Linkspartei, Jan van Aken und Heidi Reichinnek, hatten in den vergangenen Monaten zu jeder erdenklichen Demonstration gegen Israel aufgerufen. Von „Genozid“ war die Rede, von „Völkermord“ und „Kolonialherrschaft“. Doch seit bekannt wurde, dass der Krieg nun endet, dass Israel und die Hamas einem Friedensplan zugestimmt haben, herrscht Funkstille. Kein Jubel, kein Wort der Erleichterung, kein „Endlich Frieden“. Offenbar ist die Waffenruhe nur dann eine gute Nachricht, wenn sie von Hamas-Raketen gestört wird.

Die Genossen lassen kein Wort der Freude über das Ende des Konflikts verlautbaren.
Auch die – laut Bundesregierung antisemitische – BDS-Bewegung kann mit Frieden nichts anfangen. „Our work is not done“, heißt es trotzig. Waffenruhe? Nur „ein weiterer Ausdruck des Genozids“. Aufgerufen wird, die „Kampagne zu eskalieren“. Der Frieden wird zur Gefahr – nicht für Palästinenser, sondern für das politische Geschäftsmodell der Empörung.

Krieg? Protestkonzert! Kein Krieg? Trotzdem Konzert!
Parallel veranstaltet die „Palästina Kampagne“ derzeit eine bundesweite Aktionswoche – unter dem Titel: „Zwei Jahre Genozid in Gaza – 77 Jahre Vertreibung, Kolonialismus & Apartheid.“ Vom 6. bis 12. Oktober wird mobilisiert, am 11. Oktober findet am Brandenburger Tor die Großdemonstration United4Gaza statt. Aufgerufen wird, „Rot zu tragen“, „eure Kuffiyeh“ mitzunehmen und „Transparente & Symbole“ zu bringen. In der Ankündigung heißt es: „Wir gedenken den Ermordeten und kämpfen für die Überlebenden. (...) Für das vergossene Blut. Für unsere Wut. Für unsere Solidarität. Für Gaza.“ Unter den Unterstützern: mehrere drittklassige Rapper, die unter dem Hashtag #Artists4Gaza auftreten wollen – darunter PA Sports oder der ehemalige Bushido-Sidekick Ali Bumaye.

Der Protest muss weitergehen!
Während das Konzert während des Krieges – trotz fragwürdiger Begründung – wenigstens noch aus der palästinensischen Perspektive logisch erschien, wirkt es jetzt wie eine Trotzhaltung: Ausgerechnet in dem Moment, in dem Frieden eingeleitet wird, macht man einfach weiter. Fast so, als ginge es den Rappern um Status und Gratismut innerhalb ihrer – größtenteils migrantischen – Szene, und nicht um das Ende des Konflikts.
Kein bisschen Frieden
Auch der Kommunistische Studentenbund ruft zu einer eigenen Kundgebung auf. Thema: „Beihilfe beenden – akademischer und kultureller Boykott jetzt.“ Vorgeworfen wird israelischen Universitäten, sie seien „essenzieller Teil des Systems von Besatzung, Apartheid und der ideologischen Rechtfertigung und materiellen Ermöglichung des Genozids“. Die Kooperation deutscher Hochschulen mit Israel solle deshalb beendet werden. Dem Bund ist egal, was Israel tut – es stört ihn, dass Israel überhaupt etwas tut. Solange es Israel gibt, werden Kommunisten Schaum vor dem Mund haben und gegen den einzigen jüdischen Staat agitieren.

Kein bisschen Frieden auch beim Kommunistischen Studentenbund, der zur Kundgebung am 15. Oktober aufruft unter dem Motto: „Beihilfe beenden – akademischer und kultureller Boykott jetzt.“
Furor statt Freude
So unterschiedlich die Akteure – von Linkspartei-Funktionären über Aktivisten bis zu Studentenverbänden und Rappern – ihr Tonfall bleibt gleich: Anklage statt Erleichterung. Die Aussicht auf Frieden bringt keine Freude, sondern neuen Furor. Während man den palästinensischen Betroffenen vorwerfen kann, dass sie zwei Jahre lang um Frieden baten, ihn nun erhalten und nicht annehmen, zeigt sich auf der linken Seite eine andere, zynischere Fratze. Im ewig beleidigten Lager herrscht Panik: Mit dem Gaza-Thema konnte man Jugendliche erreichen, emotionalisieren und mit rotem Gedankengut betören. Jetzt müssen sich die Genossen ein anderes Thema suchen, um daraus PR-Profit zu schlagen.
Vielleicht kehrt man einfach zurück zu den Wurzeln und versucht es erneut mit der Klimabewegung rund um „Fridays for Future“? Dann können die alten Ikonen bleiben, Greta muss nur schnell ihr Pali-Tuch ablegen.

Was haben Hamas und Klimaaktivisten gemeinsam? Beide tragen gerne grün.
Die sogenannte „palästinensische Sache“
Der Autor Florian Friedman schrieb kürzlich als Reaktion auf Trumps Friedensankündigung: „In diesen Stunden sollten unsere Gedanken und Gebete auch bei Tilo Jung, Georg Restle, Shirin David, Joko Winterscheidt und den vielen anderen mutigen Kämpfern für die palästinensische Sache sein. Es ist nicht leicht, einen Krieg zu verlieren.“ Zwar stichelt Friedman hier herrlich gegen all jene, die aus dem Krieg ihren moralin-getränkten sozialen Profit schlugen, doch muss man an dieser Stelle anmerken, dass der Krieg der Palästinenser nicht verloren ist. Er wird so lange weitergehen, bis es entweder kein Israel oder keine Palästinenser mehr gibt.
Die sogenannte „palästinensische Sache“ ist nicht der Erhalt eines Volkes durch Frieden, Aufbau und Zivilisation – sie ist der eliminatorische Kampf gegen Israel, den objektiv überlegenen Nationalstaat der Juden.
Auch bei NIUS:
Trumps Gaza-Deal: Das sind die Geiseln, die nun freigelassen werden sollen
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Amir Makatov
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