Was die Piloten heute von den Helden der „Luftbrücke“ lernen können
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Jeder Wintertag in Deutschland ist ein Tag der Flugausfälle: In 24 Stunden wurden von 1052 Flügen 98 annulliert. Hauptbegründung: schlechte Sicht, Eis, Schnee.
Auch wenn ich gerade erst geboren war – einem Berliner fällt da ein historischer Vergleich ein – die „Luftbrücke“. Am 24. Juni 1948 blockierten die Sowjets alle Straßen, Bahnstrecken und Flüsse. Über ein Jahr lang versorgten die Alliierten die Berliner Bevölkerung aus der Luft. Es war eine der größten Rettungsaktionen der Geschichte. Die sogenannten „Rosinenbomber“ ließen eine zerstörte Großstadt mit ihren 2,2 Millionen Menschen nicht verhungern. Rosinen deshalb, weil vor allem die Amerikaner Süßigkeiten wie Rosinen und Schokoladentafeln an kleinen Fallschirmen abwarfen.

Sturmtief Elli legte den Betrieb in Hamburg stundenlang lahm
Alle 45 Sekunden eine Landung auf Sicht
Der Sichtflug war für die Helden der Luftbrücke von zentraler Bedeutung. Vor allem Nebel führte zu massiven Einbrüchen der Transportleistung. Deshalb gab es in den Berliner Westsektoren zum Jahreswechsel 1948/49 nur noch Vorräte für wenige Tage. Trotz schlechten Wetters lieferten die alliierten Piloten ununterbrochen ihre lebenspendende Fracht auf Berliner Flughäfen ab: 1,44 Millionen Tonnen Kohle, 485.000 Tonnen Nahrungsmittel, 160.000 Tonnen Baustoffe zum Ausbau der Flughäfen. Die meisten Waren kamen über den legendären Flughafen Tempelhof.
Weil Zahlen dieser Größenordnung sehr abstrakt klingen und schwer vorstellbar sind: Hier ist eine Zahl, die jeder versteht und die in unsere Zeit hineinragt: In Spitzenzeiten landete ein Frachtflugzeug mit Essen oder Kohle alle 45 Sekunden! Die Maschinen hatten zwar eine Art Ortungssystem, aber wurden nicht – wie heute – über Radar geleitet. Sie orientierten sich aneinander, also an dem Piloten vor ihnen und nach ihnen.

Auch am Flughafen München sorgte das Winterwetter für Verzögerungen
„Ihr Völker der Welt, gebt diese Stadt nicht preis“
Es war allein das Können und der Mut der Amerikaner und Briten, die dicht hintereinander Tag und Nacht ihre kostbare Fracht in die eingeschlossene Stadt brachten. Die Maschinen waren zum Teil alt und ausgemustert, es gab Nebel, es gab Schneetreiben. Der Regierende Bürgermeister des freien Berlins, Ernst Reuter, hatte in einer bis heute unvergessenen Rede vor 300.000 Menschen gerufen: „Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt.“
So geschah es. Das freie Berlin wurde gerettet – von einigen tausend tapferen Männern. Bei der Berliner Luftbrücke starben 39 britische und 31 amerikanische Piloten. Die meisten der Besatzungsmitglieder kamen bei Unfällen und Abstürzen ums Leben.
Wer heute fliegt, wünscht sich keine Verhältnisse wie die bei der Luftbrücke, natürlich nicht. Gut, dass wir mit modernen Sicherheitssystemen sicher in den Urlaub fliegen können. Aber dass an einem normalen Wintertag ein Zehntel aller Flüge ausfällt, gibt einem schon zu denken.
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