18,7 Prozent in den Hochrechnungen: AfD legt in Baden-Württemberg deutlich zu, doch ihr politischer Einfluss bleibt begrenzt
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Die AfD hat bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg deutlich stärker abgeschnitten als noch vor fünf Jahren. Mit 18,7 Prozent der Stimmen konnte die Partei um Spitzenkandidat Markus Frohnmaier ihr Ergebnis fast verdoppeln. Politisch dürfte sich der Erfolg jedoch kaum in mehr Macht ummünzen lassen: Wegen der von den anderen Parteien gezogenen „Brandmauer“ gilt eine Zusammenarbeit weiterhin als ausgeschlossen. Trotz ihres deutlich stärkeren Abschneidens wird die Partei damit erneut in der Opposition landen.
„Man hat mit allen Mitteln probiert, die AfD zu beschädigen, das hat nicht funktioniert. Hier herrscht eine Bombenstimmung, wir haben uns verdoppelt.“ Mit diesen Worten kommentierte AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier das Wahlergebnis nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen. Mit 18,7 Prozent der Stimmen ist die AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg klar zur drittstärksten Kraft aufgestiegen – und hat ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt. Vor fünf Jahren konnte man noch lediglich 9,7 Prozent der Wähler überzeugen. Besonders deutlich fällt der Abstand zu den kleineren Parteien aus: SPD (5,5 Prozent) und FDP (4,4 Prozent) lässt die AfD klar hinter sich und ist damit die mit Abstand stärkste Kraft rechts der politischen Mitte im Land.

AfD-Kandidat Frohnmaier: „Hier herrscht eine Bombenstimmung.“
CDU schloss Zusammenarbeit im Vorfeld aus
Politisch dürfte der Wahlerfolg der Partei dennoch begrenzte Folgen haben. Zwar bot AfD-Co-Parteichef Emil Sänze, der auf Platz 1 der Landesliste kandidierte, der CDU bereits vor Bekanntwerden des Ergebnisses eine Zusammenarbeit an. Sänze sagte mit Blick auf Umfragen zur Bild: „Angesichts der unübersehbaren Tatsache, dass die Menschen auch im wirtschaftlich starken Südwesten des Landes mehrheitlich konservativ regiert werden wollen, bieten wir der CDU unsere Zusammenarbeit an – in allen möglichen Konstellationen.“ Doch die CDU (29,7 Prozent) schloss eine solche Zusammenarbeit schon im Vorfeld der Wahl aus, ebenso die Grünen, die mit 30,3 Prozent stärkste Partei wurden. Und das, obwohl ein Mitte-Rechts-Lager nach aktuellen Hochrechnungen mit 91 Sitzen gegen das Mitte-Links-Lager mit 67 Sitzen klar in der Mehrheit wäre.

Emil Sänze sitzt für die AfD im baden-württembergischen Landtag.
Dennoch verschieben sich mit dem starken Abschneiden der AfD, die im Wahlkampf vor allem mit Themen wie Migration, Energiepolitik und Kritik an der Bundesregierung zu mobilisieren versuchte, die Gewichte im Parlament. Sollte sich erneut eine Regierung aus Grünen und CDU bilden, dürfte die AfD zur größten Oppositionsfraktion werden – mit entsprechend mehr Redezeit, stärkerer Präsenz in den Ausschüssen und größerem Einfluss in der parlamentarischen Arbeit.
Frohnmaier steht überhaupt nicht auf der Landesliste
Ein ungewöhnlicher Umstand dieser Wahl: AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier wird dem neuen Landtag voraussichtlich nicht angehören. Der Bundestagsabgeordnete kandidierte weder in einem Wahlkreis noch steht er auf der Landesliste seiner Partei.

AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier an der Wahlurne in Weil der Stadt.
Damit kann Frohnmaier unabhängig vom Abschneiden der AfD kein Mandat im Stuttgarter Landtag erhalten. Ministerpräsident könnte er nur in einem theoretischen Szenario werden: Der Regierungschef wird vom Landtag gewählt und muss selbst kein Abgeordneter sein. Dafür bräuchte die AfD allerdings eine parlamentarische Mehrheit – die derzeit nicht in Sicht ist.
Meiste Zugewinne von der Union
Die meisten Zugewinne strich die AfD bei der Union ein. Insgesamt 65.000 wechselten von der CDU, mit 60.000 kamen fast ebenso viele von der FDP – gefolgt von 30.000 ehemaligen SPD-Wählern und 25.000 Grünen-Wählern. Die Partei konnte außerdem die meisten Nichtwähler mobilisieren. 195.000 entschieden sich, doch noch das Kreuz bei der AfD zu setzen. Zum Vergleich: Die CDU konnte in dieser Gruppe 155.000 Wähler mobilisieren, die Grünen 115.000.
Die meisten Wählerstimmen erhielt die AfD laut Infratest Dimap in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen. Hier entscheiden sich 24 Prozent für die Wahl von Frohmaiers Partei, gefolgt von 22 Prozent bei den 25- bis 34-Jährigen. Geschwächelt hat die Partei vor allem bei den Jüngsten und Ältesten. Von den 16- bis 24-Jährigen wählten nur 16 Prozent die AfD, noch weniger warten es mit gerade einmal neun Prozent nur bei den über 70-Jährigen.
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