Merz will den Regenwald retten – und wettet dafür mit Steuermilliarde auf 8 Prozent Rendite
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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) feiert in Berlin beim Petersberger Klimadialog einen Regenwald-Fonds namens „Tropical Forests Forever Facility“ (TFFF), dessen Renditeversprechen an Hochrisikoinvestments erinnern. Das Risiko trägt: der deutsche Steuerzahler.
„Investieren Sie jetzt – 8 Prozent Rendite, risikofrei!“ Kennen Sie solche Spam-Mails? Kaum jemand nimmt solche Versprechen heute noch ernst. Nur Opfer von Hochstaplern und Schneeballsystemen fallen darauf herein. Dazu gehört offenbar auch: die Bundesregierung. Denn mit dieser Logik will Friedrich Merz den tropischen Regenwald retten.
Der Kanzler-Auftritt beim Petersberger Klimadialog in Berlin
Beim Petersberger Klimadialog in Berlin verkündete der Bundeskanzler zum Abschluss stolz: „Ich freue mich, dass ich vor zwei Tagen mit Präsident Lula aus Brasilien meine Unterstützungszusage für die Tropical Forest Forever Facility bekräftigen und konkretisieren konnte. Wir werden über die nächsten zehn Jahre insgesamt eine Milliarde Euro bereitstellen.“ Das klingt großzügig, verantwortungsvoll und verheißt die Rettung des Regenwaldes. Ist aber bei genauem Hinsehen ein hochspekulatives Finanzexperiment, für das der deutsche Steuerzahler haftet.
Hinter dem wohlklingenden Namen „Tropical Forests Forever Facility“ (TFFF) steckt ein gigantisches, komplexes Finanzgebilde: Zunächst sollen insgesamt 25 Milliarden US-Dollar von teilnehmenden Staaten als Anschubfinanzierung bereitgestellt werden – Deutschland beteiligt sich mit einer Milliarde Euro. Ist dieses Ziel erreicht, sollen zusätzlich 100 Milliarden Dollar von privaten Investoren kommen. Macht zusammen 125 Milliarden Dollar, die an den internationalen Kapitalmärkten für Rendite arbeiten sollen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (Mitte) und Carsten Schneider (2.v.l.), Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, nahmen am 17. Petersberger Klimadialog teil.
Die erwartete jährliche Rendite laut Konzept: 7,6 bis 8,5 Prozent
Wer die Zahlen prüft, dem fällt auf: Solide Staatsanleihen bringen derzeit vier bis fünf Prozent Rendite. Wer dauerhaft acht Prozent erwirtschaften will, muss tief ins Risiko gehen.
Die privaten Investoren bekommen laut Konzept auf ihr Investment fünf Prozent Rendite garantiert, egal wie der Fonds performt. Anders formuliert: Der deutsche Staat übernimmt die Sicherheiten, damit internationale Investoren ohne Risiko Gewinne einstreichen können. Nur Gewinne, die oberhalb der garantierten fünf Prozent Rendite anfallen, dienen dann überhaupt dem Schutz des Regenwaldes.
In der Finanzwelt gibt es keine Gratis-Rendite. Jeder Prozentpunkt oberhalb der Anleihen bedeutet: mehr Schwankung, mehr Ausfallgefahr, mehr Verlustrisiko. Die deutsche Milliarde ist nicht einfach ein Beitrag. Sie ist eine sogenannte „Junior-Tranche“. Finanz-Deutsch für: Wenn etwas schiefgeht, verliert Deutschland als Erstes.
So sehen die Fakten aus:
- Zu wenig Geld im Topf: Von den benötigten 25 Milliarden an öffentlichem Kapital sind erst rund 6,7 Milliarden zugesagt, nicht einmal ein Drittel.
- Kaum andere Staaten springen auf: Viele Länder halten sich auffallend zurück. Offenbar haben deren Finanzministerien die Renditerechnung geprüft – und die Reißleine gezogen.
- Null private Investoren: Außer einem kleinen Beitrag einer australischen Stiftung: keine einzige Zusage. Kein Pensionsfonds, keine Bank, kein Versicherer springt auf. Das ist die eigentliche Nachricht: Die Profis machen bisher nicht mit.
- Das gesamte Konstrukt ist Wunschdenken: Die Renditeannahmen sind unrealistisch. Das Geschäftsmodell wackelt. Trotzdem feiert Berlin das Ganze als „innovative Klimafinanzierung“.
Und was bleibt am Ende für den Regenwald übrig?
Wahrscheinlich nicht viel. Denn die Reihenfolge steht fest. Zuerst werden die privaten Investoren mit ihren sicheren fünf Prozent Rendite bedient. Was dann noch übrig bleibt, falls überhaupt etwas übrig bleibt, fließt an die Waldländer und indigenen Völker, die den Wald schützen sollen. Fallen die Renditen unter fünf Prozent, haftet der deutsche Steuerzahler.
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Florian Morsch
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