„Strategische Neuausrichtung“: Warum Grünen-Politikerin Anja Siegesmund als Lobbyistin scheiterte
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Wenn es hinter den Kulissen von Wirtschaftsverbänden richtig kracht, dann klingt es so: „Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. befindet sich im Übergang in eine neue Entwicklungsphase. Notwendig ist eine strategische Neuausrichtung und eine moderne Positionierung des Verbandes. Unter der Führung von Anja Siegesmund wurde die Erreichung dieser Ziele in hervorragender Weise vorangebracht.“
Nicht erst seit dem Ende der Ampel-Regierung von Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) suchen Grünen-Politiker nach Anschluss-Posten jenseits der Politik. Während es in der regulären Wirtschaft selten klappt, drängen viele von ihnen in die Wirtschaftsverbände. Bei Kerstin Andreae, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, ging das gut. Ihr bescheinigen Fachleute parteiübergreifend kluge und weitblickende Amtsführung. Bei der ehemaligen grünen Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund ist der Ausflug in die Welt der Wirtschaft krachend gescheitert.
Oder um es mit den Worten des Verbandes zu sagen: „In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass das Präsidium des BDE und die Präsidentin Anja Siegesmund teilweise unterschiedliche Vorstellungen zur weiteren Entwicklung des Verbandes haben. Vor diesem Hintergrund sind beide Seiten nach sorgfältigem und vertrauensvollem Austausch zu der gemeinsamen Auffassung gelangt, dass Anja Siegesmund ihr Amt als Geschäftsführende Präsidentin des BDE zum 31. Januar 2026 im besten Einvernehmen geordnet an den Vizepräsidenten Matthias Harms übergeben wird, der die Führung des Verbandes bis auf weiteres kommissarisch übernimmt.“

Der Sitz des BDE im Haus der Kreislaufwirtschaft
Zerrüttete Verhältnisse nach nur wenigen Monaten
Das mit dem „Einvernehmen“ stimmt allerdings nicht so ganz, wenn man in den Verband hineinhört. Persönliche Unzulänglichkeiten und ideologische Irrwege führten innerhalb weniger Monate zur völligen Zerrüttung zwischen den Mitgliedsfirmen und der neuen Top-Lobbyistin. „Eine richtige, längst überfällige Entscheidung“, sagt ein Mitglieds-Unternehmer zu NIUS. „Der BDE ist wichtigen Entwicklungen hinterhergelaufen“ und habe „einen erschreckenden Substanzverlust hinnehmen müssen – personell wie inhaltlich“. Mitgliedsunternehmen hätten den Verband verlassen, rund die Hälfte der Mitarbeiter habe die Geschäftsstelle verlassen. Auch ein Pressesprecher, den Siegesmund selbst geholt hatte, hielt es nicht lange aus.
Andere Verbandsmitglieder drücken es weniger freundlich aus. Von „Kirchentagsfeminismus“ und billigem „Klima-Sprech“ ist da die Rede, das sich stets an der „Plauder-Oberfläche“ bewegt habe. „Frausein allein genügt halt nicht, wenn man die Interessen einer ganzen Branche vertreten soll.“ Da Siegesmund „geschäftsführende Präsidentin“ des BDE war, verlief die Trennung nicht ganz unkompliziert. Rund eine halbe Million Euro werde es an Abfindung kosten, heißt es intern.
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Ralf Schuler
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