Elektriker deckt bürokratische Mehrkosten auf: „Ich würde die auf 20.000 Euro im Jahr schätzen“
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Eric SteinbergProtokolle statt Phasenprüfer: Matthias Schwab ist Elektromeister in Karlsruhe – und eigentlich jemand, der lieber Steckdosen setzt als Formulare verschickt. Doch bevor er heutzutage überhaupt beim Kunden klingeln darf, beginnt die Arbeit oft am Schreibtisch. Selbst sein Nebengeschäft wird durch Bürokratie erschwert.
„Mit den Jahren hat sich das immer weiter gesteigert, dass man alles niederschreiben muss“, ist sich Schwab sicher, als es um den bürokratischen Aufwand geht, dem er sich täglich in seinem Betrieb stellen muss. Doch das bedeute nicht nur für ihn mehr Belastung: „Für die Kunden wird es immer teurer, die Dienstleistung in Anspruch zu nehmen.“
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Selbst, wenn ihn ein Kunde bitte, nur zwei Steckdosen zu verbauen, müsse er zunächst über das 14-tägige Widerrufsrecht belehren, ein Formular verschicken und unterschrieben zurückfordern. „Früher ist man einfach hingefahren und hat’s gemacht“, sagt der Elektromeister.
Leiter-Checks mit mehr als zehn Schritten
Auch im Betrieb selbst stapeln sich die Listen: Führerscheinkontrollen, Schutzschalter-Prüfprotokolle, Verbandsbuch oder detaillierte Leiter-Checks mit mehr als zehn Prüfschritten. Für Schwab brauche es das meiste davon nicht, vieles sei stattdessen auch mit „gesundem Menschenverstand“ händelbar.

Für fast jedes Elektrogerät, das Schwab verbauen oder verschicken will, braucht es bürokratische Vorgänge.
Bürokratie selbst im Online-Elektro-Handel
Zusätzlich betreibt er einen kleinen Onlinehandel für Elektrogeräte. Dort müsse er vor jedem Verkauf prüfen, ob der Hersteller auch im Elektro-Altgeräte-Register eingetragen ist. Seit Dezember 2024 verlange die neue Produktsicherheitsverordnung außerdem Herstellerangaben, Datenblätter und Sicherheitshinweise in jedem Angebot – selbst für einen einfachen Lichtschalter.
Seine Bilanz: Rund 25 Prozent seiner Arbeitszeit gehen für Bürokratie drauf. Kosten: etwa 20.000 Euro im Jahr. „In der Zeit könnte ich eigentlich arbeiten“, sagt Schwab.
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