Migrationskrise beendet? Die wahre Bilanz der Masseneinwanderung nach Deutschland
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Die Bundesregierung will aus einer „Migrationswelle eine Migrationswende gemacht“ haben. Doch ein Blick auf die Zahlen macht deutlich: Eine tatsächliche Migrationswende ist nicht in Sicht. Zwar gehen die Asylzahlen nach unten, doch daran trägt die Bundesregierung keinen wirklichen Anteil. Zudem scheitert weiterhin der Großteil aller Abschiebungen. Die Masseneinwanderung findet derzeit nur verlangsamt statt, sie wird nicht gestoppt.
Am Dienstag trat Alexander Dobrindt selbstbewusst vor die Presse. „Wir haben aus einer Migrationswelle eine Migrationswende gemacht“, erklärte der Bundesinnenminister. Man habe „Ordnung geschaffen dort, wo Unordnung herrschte“. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hatte wenige Tage zuvor zuversichtlich behauptet, die Migrationskrise sei weitgehend gelöst.

Alexander Dobrindt spricht von einer weitgehend gelösten Migrationskrise.
Merz versprach nach den Aschaffenburg-Morden eine Migrationswende
Tatsächlich ist von den vollmundigen Versprechen, die Friedrich Merz bereits am 23. Januar 2025 der Öffentlichkeit präsentiert hatte, nach einem Jahr Regierungszeit nicht viel übrig geblieben. Wir erinnern uns: Im Januar 2025 hatte ein 28-jähriger Afghane im Aschaffenburger Schöntal-Park ein zweijähriges Kind und einen 41-jährigen Helfer erstochen. Merz erklärte anschließend:
„Ich werde im Fall meiner Wahl zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland am ersten Tag meiner Amtszeit das Bundesinnenministerium im Wege der Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers anweisen, die deutschen Staatsgrenzen zu allen unseren Nachbarn dauerhaft zu kontrollieren und ausnahmslos alle Versuche der illegalen Einreise zurückzuweisen. Es wird ein faktisches Einreiseverbot in die Bundesrepublik Deutschland für alle geben, die nicht über gültige Einreisedokumente verfügen. Das gilt ausdrücklich auch für Personen mit Schutzanspruch.“
Dieses faktische Einreiseverbot für „alle“ hat es seit der Regierungsübernahme im Mai 2025 nie gegeben. Über die deutsch-polnische, deutsch-österreichische oder deutsch-tschechische Grenze strömen weiter Menschen aus Nicht-EU-Staaten ins Land, wenngleich die Zahl der Asylanträge deutlich zurückgegangen ist. Der Zuzug nach Deutschland verlangsamt sich, aber er setzt sich kontinuierlich fort.
2025 wanderte über das Asylsystem eine Stadt der Größe von Trier ein
Im Gesamtjahr 2025 stellten 113.236 Personen einen Asyl-Erstantrag, nach der Amtsübernahme von Schwarz-Rot waren es allein von Juni bis Dezember 55.747 Personen. In diesem Jahr stellten von Januar bis April insgesamt 27.761 Personen einen Erstantrag auf Asyl. Zum Vergleich: Von Januar bis April 2025 waren es insgesamt 45.681 Personen, die Asyl begehrten. Damit haben sich die Zahlen in diesem Bereich fast halbiert. Doch es sind weniger die Maßnahmen der Bundesregierung, die zu diesem Rückgang geführt haben. Die Zahlen sind in der gesamten Europäischen Union deutlich zurückgegangen.
Laut der Asylagentur der Europäischen Union registrierten die EU-Staaten 2025 rund 822.000 Asylanträge – ein Rückgang um 19 Prozent gegenüber 2024. Damit liegen die Antragszahlen fast ein Drittel unter dem Höchststand von 2023. Treiber des Rückgangs sind vor allem die veränderten Verhältnisse in Syrien: Nach dem Sturz Assads im Dezember 2024 sank die Zahl syrischer Anträge von 151.000 (2024) auf 42.000 (2025) – ein Minus von 72 Prozent.

Nach der Amtsübernahme von Schwarz-Rot waren es allein von Juni bis Dezember 2025 55.747 Personen, die Asyl-Erstantrag stellten.
Unterdessen werden in Deutschland vermehrt Folgeanträge gestellt, insbesondere durch afghanische Antragsteller. Hier verzeichnet die Statistik im 1. Quartal 2026 ein Plus von 569,4 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2025. Der Anstieg steht in direktem Zusammenhang mit einem Gerichtsurteil. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte am 4. Oktober 2024 entschieden, dass Frauen in Afghanistan unter den Taliban systematisch diskriminiert würden und deshalb allein aufgrund ihres Geschlechts einen Asylgrund hätten.
Nur wenig Syrer verlassen Deutschland
Gleichzeitig hat der Regierungswechsel in Syrien nicht dazu geführt, dass nun mehr Syrer Deutschland verlassen. Wie die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) vor wenigen Tagen mitteilte, kehrten seit dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024 rund 1,6 Millionen Flüchtlinge nach Syrien zurück. Aus der Türkei kamen 634.000 Syrer, aus dem Libanon 621.000 und aus Jordanien 284.000. Deutschland wird in dieser Liste nicht einmal separat genannt, sondern in einer Gruppe „Sonstige Länder“ mit rund 6.100 Rückkehrern geführt.
Auch beim Familiennachzug versprach die Bundesregierung Veränderung – passiert ist jedoch nicht viel. Von Januar bis April 2026 haben die Auslandsvertretungen des Auswärtigen Amtes knapp 35.600 Visa zum Zwecke des Familiennachzugs ausgehändigt. Das teilte das Außenministerium von Minister Johann Wadephul (CDU) auf Anfrage von NIUS mit. Damit bewegen sich die Zahlen auf einem ähnlichen Niveau wie in den Jahren zuvor. Im Vergleichszeitraum von Januar bis April 2025 waren es 37.900 erteilte Visa. 2024 stellte die Behörde unter Ministerin Annalena Baerbock (Grüne) von Januar bis April noch 43.300 Visa für den Familiennachzug aus.

Die meisten der Visa in diesem Jahr wurden an Türken (5.900), Kosovaren (4.700), Inder (3.600), Syrer (2.600) und Albaner (1.500) ausgehändigt. Hier zeigt sich eine Veränderung: In den vergangenen Jahren wurden die meisten Visa stets an syrische Staatsangehörige verteilt. Nun sind die Anträge unter syrischen Staatsbürgern um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Die Visa für Familienangehörige aus dem Kosovo hingegen haben sich im Vergleichszeitraum 2025 fast verdoppelt.
Über das Asylsystem und den Familiennachzug sind von Januar bis April damit rund 63.300 Migranten aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland gekommen.
Immer mehr Leute beantragen den deutschen Pass
Die Zahl der Einbürgerungen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Jahreszahl für 2025 liegt noch nicht vor. Letzter Bundeswert ist der Höchststand 2024 mit 291.955 Einbürgerungen, ein Plus von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von den fast 300.000 Personen waren 83.150 syrische Staatsbürger, die einen deutschen Pass erhielten.
Doch auch 2025 verzeichneten die Bundesländer Rekorde beim Verteilen des deutschen Passes. Vor allem die Hauptstadt sticht heraus: 39.034 Einbürgerungen gab es 2025 in Berlin – fast doppelt so viele wie 2024 (21.811) und fast das Vierfache von 2023 (9.041). Doch auch in Städten wie München oder Frankfurt am Main stiegen die Anträge weiter an.
Ausweislich des Ausländerzentralregisters schrumpft deshalb auch seit einigen Monaten die Zahl der syrischen Staatsbürger. Waren es am 31. Dezember 2024 noch 975.061 Syrer, lag die Zahl Ende August 2025 bei 951.406 Personen. Am 31. Dezember 2025 verzeichnete die Statistik nur noch 936.285 syrische Staatsangehörige. Zum 31. März 2026 zählte die Statistik 926.322 syrische Staatsangehörige. Und das, obwohl immer mehr Syrer nach Deutschland einwandern. So gab es allein im vergangenen Jahr 23.256 Asyl-Erstanträge von syrischen Staatsbürgern. Der Grund für die Trend-Umkehr: Die Zahl der Einbürgerungen von Syrern übertrifft die Zahl der Zuzügler massiv.

Unterdessen ist die Zahl der Abschiebungen noch unter das Niveau der Ampel-Zeit gefallen. Im ersten Quartal 2026 kam es zu 4.807 Abschiebungen – 1.344 weniger als im ersten Quartal 2025, als 6.151 Migranten abgeschoben wurden. Das entspricht einem Rückgang von rund 21,8 Prozent.
Die Bilanz nach einem Jahr Schwarz-Rot fällt nüchtern aus: Es kommen deutlich mehr Migranten ins Land herein, als das Land verlassen. Gelöst ist die Migrationskrise noch lange nicht.
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