Luisa Neubauer lobt das „Zukunftswissen“ der Jugend und keilt gegen Wolfgang Kubicki: So kollabiert linkes Dinken
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Sarah Bosetti wäre gerne unterhaltsam und Luisa Neubauer gerne relevant. Traurigerweise hapert es an beidem. Über Neubauers Klimaschutz-Geschäft ging die Zeit hinweg. Ohne den öffentlich-rechtlichen Betreuungsfunk würde man gar nichts mehr von Neubauer erfahren.
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Ebendort ist auch Sarah Bosetti wohlgelitten. Die Moderatorin gilt als öffentlich-rechtliche Komikerin, obwohl sie platte Parolen und das Talent zur Ausgrenzung im Angebot hat. Bosetti und Neubauer trafen zu einem Spaziergang unter Linken zusammen. Wir haben gelernt: Wer Arroganz für Bildung hält, wird nur Bildungsferne begeistern.
Bosetti lädt bei 3sat ein
Mancher Fernsehkonsument nennt Sarah Bosetti Blinddarm-Bosetti. Den bösen Begriff hat die Moderatorin sich selbst zuzuschreiben. Bosetti vergleich einst für das ZDF Ungeimpfte mit dem Blinddarm - irgendwie da, aber „nicht im strengeren Sinne essentiell für das Überleben des Gesamtkomplexes“. Anlass war eine Corona-Virus-Variante namens Omikron. Lang ist’s her. Aber Bosetti darf dank öffentlich-rechtlicher Beitragsgelder weiterhin unfrohen Schabernack treiben.
Ein Format heißt „Bosetti Late Night“, dauert eine dreiviertel Stunde und wird bei 3sat ausgestrahlt. Unter der Überschrift „Wenn Boomer die Welt erklären“ wollte Bosetti den Generationenkonflikt heiter ergründen. Die bald 30-jährige Neubauer durfte eine Stimme der Jüngeren sein.
Neubauer mag kein Erfahrungswissen
Ein Gang durch das herbstliche Laub gab dem Gespräch der Beiden ein Klima der Vergänglichkeit. Oder war es ein Friedhof? Falls ja, muss es sich um einen Friedhof handeln, auf dem gute Hoffnungen begraben liegen und der Dünkel untot ist. Nie saß Neubauer auf einem höheren moralischen Ross – und das will bei der arroganzerprobten Aktivistin schon etwas heißen.
Neubauer kann offenbar keine Männer ertragen, die älter sind als sie, mehr Erfahrung haben und womöglich mehr wissen. Dieses Wissen der Älteren, belehrt uns Neubauer, sei bloß Erfahrungswissen. Wichtiger sei heute Zukunftswissen. Und das hätten die Jüngeren im Überfluss.
Frau Neubauer erklärt in einer Zeit, in der Deutschland eine bildungsferne Nation zu werden droht: Problem sei das „Erfahrungswissen“. Ich meine: Mit etwas mehr Erfahrungswissen wären uns viele Peinlichkeiten erspart geblieben, zwischen BER, Stuttgart 21, EU-Schraubverschluss und Klimaneutralität.
Zukunftswissen hieße zu wissen, wie die Zukunft aussieht. Das weiß niemand. Indem Frau Neubauer Zukunftswissen höher gewichtet als Erfahrungswissen, gibt sie der Fiktion dem Vorrang vor dem Gewussten. Das passt dann schon wieder zur Kernkompetenz, der hoch getragenen Nase.
Der Boomer als Feindbild
„Wenn Boomer die Welt erklären“ hieß die Sendung. Inbegriff des Boomers als Feindbild ist in Frau Neubauers Augen Wolfgang Kubicki. Als Mann mit Erfahrungswissen und abgeschlossener Berufsausbildung nutzt die Zukunftswissende ihn als Vogelscheuche der Ablehnung. In Kubickis armem Kopf, denkt sich Frau Neubauer, muss es übel zugehen.
Frau Neubauers Küchenpsychologie reicht nur für Dünkelbrote. Kubicki, denkt sich Frau Neubauer, läuft vor den wichtigen Fragen davon, weil ihm nichts über seine Autos gehe. Als alter weißer Automobilist, gibt Frau Neubauer zu verstehen, könne er lässig einen Bogen um die Klimakrise machen. Doch seinem Seelenheil, weiß Hobbytheologin Neubauer, diene Kubicki damit nicht.
Die Arroganz der 17-Jährigen kann die Vorstufe der Einsicht sein. Die Arroganz einer bald 30-Jährigen ist ein Zeichen von Unreife. So kann es gehen, wenn eine vermeintliche Zukunftsbewegung wie Fridays for Future nur noch Vergangenheit hat, ohne Erfahrungswissen geerntet zu haben.
Übrigens rang Moderatorin Bosetti auch der Soziologin Jutta Almendinger ein passgenaues politisches Bekenntnis ab. Wenn die Zukunftswissenden die Zukunft sein sollen und die Jugend über diese Kompetenz verfügt – sind dann nicht die Frischgeborenen die wahren Weisen?
Vermutlich gibt es schon fein ausgetüftelte Details zum Wahlrecht ab Geburt. Das mag sein. Dennoch halte ich es für ebenso aberwitzig wie den Versuch, die eigenen Bildungslücken zum Maßstab allgemeinen Wissens zu machen. Es ist gut, dass die Zeit über manche Verirrung hinweggeht.
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Alexander Kissler
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