Wie schön es ist, einfach aus dem Flugzeug zu steigen und zu Fuß übers Rollfeld zu gehen
Ein Beitrag von
Louis HagenWas haben Gran Canaria, Mykonos, Santorin, Samos, Korfu und Malaga gemeinsam? Antwort: Sie können auf den Flughäfen dort aus dem Flugzeug steigen und zu Fuß zum Terminal gehen. Der Fachmann nennt diesen Vorgang „Walk-boarding“. Ich nenne diesen Vorgang „Urlaub“.
Jeder kennt das: Sie stehen oben auf der Gangway des Flugzeugs, das Sie an Ihren Urlaubsort gebracht hat. Es riecht ein wenig nach Kerosin, den der Wind in Ihre Nase wirbelt. Vor allem aber ist es eine Augenexplosion, was Sie da unter sich sehen. Das Licht, die Sonne, das Land. Alles kulminiert in diesen einen Augenblick, in dem Sie erahnen, was Sie die nächsten zwei, drei Wochen erwartet.
Ich erzähle das so ausführlich, weil ich an die Passagiere denke, die in München von der Lufthansa über Nacht gezwungen wurden, in ihren Flugzeugen zu bleiben. Weil es keine Busse gab. Weil es schneite. Weil es gegen die Vorschriften war, zu Fuß aufs und über das Rollfeld zu laufen. Es ging alles nicht, was auf den oben genannten Flughäfen jeden Tag geht.
Der gesunde Menschenverstand mag nun sagen: Auf großen Rollfeldern kann man eben nicht einfach so rumspazieren. Da muss es Vorschriften, Gebote, Verbote, strenge Regeln geben. Ist das so?

Auf Mykonos kann man am Flughafen zum Flieger spazieren.
Sie alle liefen über das Rollfeld
Wer je den Flughafen Tempelhof erlebt hat, als die Welt noch nach Berlin oder von Berlin flog, weiß, dass es anders geht. Jahrzehntelang war Tempelhof der Dreh- und Angelpunkt des Fluggeschehens in Deutschland. Ich selber bin unzählige Male von Tempelhof in die Welt geflogen, wie wohl die meisten Berliner. Was noch wichtiger ist: Die Welt ist zu uns gekommen. Belege dafür gibt es viele: Stars wie Sophia Loren und Cary Grant, Kirk und Michael Douglas, Tom Cruise und Jodie Foster. Sie alle kamen zu den Filmfestspielen nach Berlin. Und sie alle liefen übers Rollfeld.
Es war die Welt, in der freundliches Bodenpersonal am Rollfeld stand und den Passagieren den Weg wies. Die Welt, in der nicht alle Schutzwesten tragen mussten und in der es undenkbar war, dass Passagiere eine Nacht im Flugzeug verbringen mussten, weil kein Bus mehr fuhr. Da hätte man gesagt: Wenn kein Bus fährt, dann laufen wir eben. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht.
Von mir aus soll man den Vorgang „Walk-boarding“ nennen – ein bisschen Englisch muss wohl sein. Es ist einfach schön, aus dem Flugzeug zu steigen und übers Rollfeld zu gehen. Das war zu Zeiten des Flughafens Tempelhof so, das ist noch heute so.
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