Warum der Filz-Skandal um die AfD Sprengkraft birgt – und die Partei vor einem „Giftschrank“ zittert
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Björn HarmsEigentlich könnte man meinen, es läuft aktuell rund bei der AfD. In der jüngsten Sonntagsfrage des Umfrageinstituts INSA steht die Partei weiterhin an der Spitze: 26 Prozent der Bevölkerung würden der AfD ihre Stimme geben. Die Gründung des Jugendverbandes „Generation Deutschland“ wurde in vielen Landesverbänden vollzogen. Und bei den anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt winken der Rechtspartei Rekordergebnisse. Dennoch beherrscht ein anderes Thema die Schlagzeilen. Derzeit steht die Partei wegen Vorwürfen der Vetternwirtschaft unter Druck. Und das sowohl in Niedersachsen als auch in Sachsen-Anhalt – also in dem Bundesland, in dem manch einer bereits von der absoluten Mehrheit und einer Regierungsbeteiligung träumt.
Kern der Vorwürfe in Sachsen-Anhalt ist ein dichtes Netz aus familiären und partnerschaftlichen Verflechtungen. Demnach soll der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund seinem 66-jährigen Vater einen mit monatlich 7.725 Euro bezahlten Job im Büro des AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell verschafft haben. Auch die Eltern des Landtagsabgeordneten Matthias Büttner (Stendal) sind für das Büro des Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt tätig. Gleichzeitig arbeiten drei Geschwister des Parlamentarischen Geschäftsführers der Magdeburger AfD-Fraktion, Tobias Rausch, bei der Bundestagsabgeordneten Claudia Weiss. Die Tochter jener Abgeordneten Weiss soll ebenso wie Rauschs Partnerin und die Lebensgefährtin des Landtagsabgeordneten Jan Moldenhauer in der sachsen-anhaltinischen Landtagsfraktion Arbeit gefunden haben. Die Angestelltenverhältnisse werfen Fragen zur Integrität der Partei auf und nähren den Verdacht auf Vetternwirtschaft.
NIUS sprach für diese Recherche mit einem Dutzend von Landespolitikern, Parteifunktionären, AfD-Spitzen und Beratern, um sich ein Bild von der Schieflage machen zu können. Sie bezeugen: Es gibt in Sachsen-Anhalt Versäumnisse, die es aufzuklären gilt.

Die Beschäftigungsverhältnisse der AfD in Sachsen-Anhalt werfen Fragen ob des Nepotismus auf.
Die Spaltung der einflussreichen „Pokerrunde“
Die undurchsichtige Postenvergabe geht laut NIUS-Recherchen auf die sogenannte „Pokerrunde“ zurück, einen informellen Entscheiderzirkel, der seit Jahren die Geschicke der Partei auf Landesebene kontrolliert und über Listenplätze für Wahlen berät. Zu diesem Kreis gehören der Landeschef Martin Reichardt, seine Stellvertreter Oliver Kirchner und Hans-Thomas Tillschneider, die Landesvorstände Tobias Rausch, Jan Moldenhauer und Matthias Büttner (Stendal), aber auch Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Der Ursprung der „Pokerrunde“ geht aber auf einen anderen zurück: Jan Wenzel Schmidt, 34 Jahre alt, in Magdeburg geboren und seit 2021 Bundestagsabgeordneter. Er soll, wie es heißt, die „Pokerrunde“ nicht nur einst gegründet haben, sondern als sachsen-anhaltinischer Generalsekretär bis 2025 lange als ihr Motor fungiert haben. Und eben jener Wenzel Schmidt wird für die Partei nun zum Problem.
In Sachsen-Anhalt eskaliert ein Konflikt, der sich zwischen dem Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt und der Pokerrunde um Ulrich Siegmund abspielt. Denn im Frühjahr 2025 wandte sich der informelle Zirkel gegen seinen Mitgründer Jan Wenzel Schmidt.
Der Grund dafür, so schildern es mehrere AfD-Politiker, liegt in den Spezifika des Landesverbandes: In Sachsen-Anhalt, wo die AfD in Umfragen auf Ergebnisse an die 40 Prozent kommt, entflammte ein Streit um Landeslisten und Direktkandidaten im Vorfeld von Bundestags- (Februar 2025) und Landtagswahl (September 2026). Wenzel Schmidt wollte ein Primat der Landesliste durchsetzen, um zu verhindern, dass allzu viele verschrobene Direktkandidaten aus ländlichen Gebieten in die Parlamente einziehen würden. Die Bundesspitze kippte das Vorhaben, das man als undemokratisch ansah. Wenzel Schmidt sah darin ein Foulspiel und seine Autorität untergraben. Es wurden sich „Erpressungsversuche“ (Pokerrunde an Wenzel Schmidt) und „Illoyalitäten“ (Wenzel Schmidt an die Pokerrunde) vorgeworfen.
„Niemand muss besorgt sein, dass ich jemanden vergesse“
Im Dezember 2025 eskaliert der Streit. Am 17. Dezember verfasst Schmidt eine E-Mail, die womöglich den Sargnagel für seine politische Karriere bedeutet. Die Mail ist adressiert an den Landesvorstand Sachsen-Anhalt und betitelt mit: „Klare Stellungnahme, Benennung konkreter Sachverhalte und Ankündigung weiteren Vorgehens – Parteischädigendes Verhalten des Landesvorstandes“. Darin führt der ehemalige Generalsekretär aus, dass seit neun Monaten eine koordinierte Kampagne gegen ihn und seine Familie laufe, gesteuert von der „Pokerrunde“, die er als Quelle systematischer Rufschädigung und parteischädigendem Verhalten benennt.
In der E-Mail erhebt Wenzel Schmidt schwere Vorwürfe, konkret: dass der Landesvorstand gravierende Missstände dulde, darunter unsaubere Fahrtkostenabrechnungen oder Privatreisen unter parlamentarischer Tarnung – etwa nach Griechenland, ins Disneyland oder nach New York. Zudem betreibe die AfD in Sachsen-Anhalt massive Vetternwirtschaft mit Anstellungen von Ehefrauen, Kindern und Geschwistern, die bis zu 8.000 Euro brutto monatlich verdienen sollen, ergänzt um Hinweise auf falsche Insolvenzen, strafrechtliche Falschangaben und wirtschaftliche Verquickungen.
Die Mail, die NIUS vorliegt, endet mit konkreten Drohungen: Ab der zweiten Januarwoche 2026 wolle Wenzel Schmidt wöchentlich Beweise, Namen und Dokumente an Bundes- und Landesvorstand versenden, um volle Transparenz zu erzwingen, und warnt, dass Täter auf die „Anklagebank“ gehörten. Er schließt das Schreiben mit den Worten: „Es wurden Mitglieder massiv bedrängt, mich bei den Vorstandswahlen im Kreisverband nicht zu wählen. Es ist ein regelrecht krankhaftes Verhalten und ein völlig psychopathischer Fanatismus in der innerparteilich völlig überflüssigen Auseinandersetzung. Diese Zeit ist nun vorbei. Die Täter werden künftig klar benannt und haben die Konsequenzen für ihr Verhalten vollständig zu tragen. Einige Akteure gehören auf die Anklagebank und nicht auf die Regierungsbank!“ Im P.S. heißt es: „Es gibt noch etliche weitere Beispiele. Niemand muss besorgt sein, dass ich jemanden vergesse.“
Nach Informationen von NIUS geht die AfD davon aus, dass die Mail von Wenzel Schmidt an bundesweite Medien gezielt durchgestochen wurde, um der Partei zu schaden.

Laut übereinstimmenden Berichten aus der Partei war dieses Email-Ende ursächlich dafür, dass gegen Jan Wenzel Schmidt ein Parteiausschlussverfahren angestrengt wurde.
Zweites Standbein? Diamanten aus China
Im Dezember 2025 strengt der Landesvorstand schließlich ein Parteiausschlussverfahren gegen Wenzel Schmidt an. Offiziell begründet wird der Schritt mit schweren Vorwürfen der Untreue, Bereicherung durch Scheinbeschäftigungen in seinem Bundestagsbüro und der Vermischung privater Geschäfte mit politischen Mandaten.
So ist Jan Wenzel Schmidt alleiniger Inhaber einer GmbH namens JWS Holding. Dort fungiert als Geschäftsführerin seine Büroleiterin und AfD-Parteikollegin Natalja Bußmann. Die Holding besitzt zu 50 Prozent Anteile an der MS VapeWorld GmbH, einer Tabak- und E-Zigaretten-Firma, die ebenfalls mit Jan Wenzel Schmidt zusammenhängt. Die restlichen 50 Prozent der Anteile gehören einem gewissen Steven Cairns.

Wenzel Schmidt und die JWS Holding.
Ausgerechnet jener Cains legte Ende 2025 dem AfD-Parteischiedsgericht im Verfahren um den Parteiausschluss von Wenzel Schmidt wiederum eine eidesstattliche Versicherung vor, die es in sich hat. Darin heißt es: „Kurz nach seinem Eintritt in die Gesellschaft wurden auf Veranlassung von Herrn Schmidt nach meiner Kenntnis ich selbst sowie zwei meiner Mitarbeiter über sein Bundestagsbüro auf Minijob-Basis (556 € monatlich) angestellt.“ Ihm sei von Seiten des Prokuristen der MS Vape World GmbH berichtet (und teilweise persönlich von Herrn Schmidt) erklärt worden, „dass auch seine Eltern sowie seine Schwester im Unternehmen auf Minijob-Basis angestellt werden sollten“. Nach Informationen von NIUS wirft die eidesstattliche Versicherung Fragen auf, unter anderem, weil Schmidt Einzelkind ist – und keine Schwester hat, die er in einer E-Tabak-Firma beschäftigen könnte.
Und auch andere Geschichten aus dem Leben von Wenzel Schmidt wirken dubios und intransparent. Wie t-online vergangenen Herbst exklusiv berichtete, reiste der junge Bundestagsabgeordnete im November 2023 auf Kosten der Fraktion nach China. Mit an Bord war damals der chinesische Spion und ehemalige Mitarbeiter von Maximilian Krah, Jian G. Gemeinsam besuchten sie den Labordiamanten-Hersteller „Henan Huanghe Whirlwind“. Wenzel Schmidt lobte die „gute Geschäftsumgebung“, bevor Guo ihm Wochen später in Magdeburg einen synthetischen Stein überreicht haben soll.
Drei Monate vor der Reise gründete Schmidts Familienumfeld die Briefkastenfirmen „Best Friend Diamonds“ und „Diamond Memories“ in Berlin, verwaltet von seiner AfD-Vertrauten Natalja Bußmann, die auch seine Tabak- und Beratungsfirmen leitet. Als Besitzer ist im Handelsregister die PZ Holdings GmbH eingetragen. Die wiederum gehört dem Lebensgefährten der Mutter von Wenzel Schmidt, der gleichzeitig auf der Gehaltsliste der MS VapeWorld GmbH auftaucht.

Firmengründungen für Diamantenhandel in Berlin: Die Unternehmen von Wenzel Schmidt werfen Fragen auf.
Danach blieben die Firmen operativ untätig und erzielten keinen Umsatz. Mittlerweile wurden sie gemäß Handelsregister liquidiert. Wenzel Schmidt selbst sprach von „bürokratischen Hürden“ und bestreitet, einen Diamanten jemals überreicht bekommen zu haben. Nach Informationen von NIUS prahlte der Magdeburger aber vor mehreren AfD-Politikern mit der Existenz der Edelsteine. In jedem Fall zeigt das Firmengeflecht rund um den Magdeburger eine intransparente unternehmerische Betätigung, die Fragen zu Interessenskonflikten und Neutralität aufwirft.

Ein unberechenbares Sicherheitsrisiko im Superwahljahr? Jan Wenzel Schmidt auf dem AfD-Parteitag.
Die Furcht vor Dossiers und „Giftschränken“
Inoffiziell, so ist aus der AfD zu hören, sind die Drohungen aus dem Dezember 2025 der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ist hier ein Ex-Generalsekretär zur unberechenbaren „loose canon“ geworden, die nun einen Rachefeldzug plant?
Hört man sich dieser Tage in der AfD um, beantworten die meisten die Frage mit: ja. Jan Wenzel Schmidt soll seinerseits schon seit geraumer Zeit belastendes Material über Mitglieder der „Pokerrunde“ sowie andere Abgeordnete gesammelt und regelrecht „Dossiers“ erstellt haben. Intern spricht man in der AfD von „Schmidtlers Akten“. In den vergangenen Wochen öffnete der 34-Jährige seinen „Giftschrank“ zum ersten Mal ganz konkret; in einer Mail hat er bereits angedroht, dass weiteres Material veröffentlicht wird.
Der gezielten und pressewirksamen Sabotage wollte derweil AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf seine ganz eigene Art zuvorkommen. Er meldete sich in einem Statement in den sozialen Medien zu Wort und teilte mit, bei den Berichten über Vetternwirtschaft werde „eine Sau durchs Dorf getrieben“. Zu den konkreten Vorwürfen äußerte er sich nicht, verwies hingegen auf die Probleme bei der Mitarbeiterakquise.
Tatsächlich fehlt der Partei nach Informationen von NIUS auf Bundes- und Landesebene noch immer massiv geschultes Personal. Schon jetzt brodelt die Gerüchteküche, wer im Falle einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt denn alles nach Magdeburg beordert werden könnte, um einen funktionsfähigen Apparat zu stellen. „Wie oft haben wir das Problem, dass wir kaum Leute finden, weil niemand diesen AfD-Stempel im Lebenslauf haben möchte“, so Siegmund. Da sei es ganz normal, auf bekannte Leute zurückzugreifen. Wenzel Schmidt erwähnte Sachsen-Anhalts AfD-Chef nicht namentlich, sondern beließ es dabei, von einem möglichen V-Mann zu sprechen.
Der Bundesvorstand äußert Zweifel an Siegmunds Führungsstärke
In Kreisen des Bundesvorstands sorgte die Reaktion von Siegmund auf die Anschuldigungen laut NIUS-Informationen für erheblichen Unmut. So ist von fehlender Moderation und Führungsschwäche die Rede. Die Verhältnisse in Sachsen-Anhalt seien selbst für die AfD „starker Tobak“, kritisiert eine anonyme Quelle, die der „Pokerrunde“ nahesteht. Andere Personen sprechen spöttisch von einem „Mallorca-Verband“, in dem sich „Sozialversager, Kleinkriminelle und Pornodarsteller“ mittels Mandaten „gesund sanieren“. Gerade hier, so die Lesart, müsse der beliebte Spitzenkandidat Siegmund tätig werden und durchgreifen.
Dass die jüngsten Enthüllungen von t-online, table.media und ZDF nicht lediglich politisch motivierte Desavouierungskampagnen darstellen, wird auch deutlich, wenn man die Reaktionen darauf betrachtet. Bundessprecher Tino Chrupalla sagte am Sonntagabend im ARD-Talk von Caren Miosga, dass die Beschäftigungsverhältnisse in Sachsen-Anhalt ein „Geschmäckle“ hätten, aufgeklärt gehörten und sich Fragen stellten. Der einflussreiche neurechte Vordenker Götz Kubitschek sprach derweil mit Blick auf Sachsen-Anhalt von „drittklassigem Personal“ und „Verhausschweinung“.
Nach NIUS-Informationen schauen AfD-Führungspolitiker auf das sachsen-anhaltinische Personentableau mitunter mit Unglauben: Mehrere Politiker standen im Verdacht, sich an der Produktion von Pornofilmen beteiligt zu haben. Es ist von gefälschten Abiturzeugnissen und Privatinsolvenzen die Rede. Eine Quelle, die mit den Vorgängen betraut ist, sagte gegenüber NIUS: „Der Landesverband ist unlängst zu einem El-Dorado für Glücksritter und gescheiterte Existenzen geworden.“
Welches Kompromat folgt auf fragwürdige Arbeitsverhältnisse?
Was ebenfalls immer wieder Erwähnung in Parteikreisen findet: In Sachsen-Anhalt herrsche ein absoluter Zerstörungswille, wenn sich Personen verfeindet hätten. Es werde nichts abmoderiert, stattdessen würden Konflikte sofort hocheskalieren – so auch im Streit zwischen Wenzel Schmidt und Ulrich Siegmund. Von Bürgerlichkeit sei hier nichts zu spüren. Zugleich machen die meisten Personen, mit denen NIUS spricht, deutlich: Nicht weltanschauliche Differenzen stehen hier im Mittelpunkt des Vetternwirtschaft-Skandals, sondern verletzte persönliche Gefühle und gekränkte Egos. Die Verteilung von Geld, Posten und Macht torpedieren den Anspruch der Partei, es anders zu machen, als CDU, SPD und Grüne. Wenn AfD-Wähler für eines kein Verständnis haben, dann ist es wohl ein Korruptionssumpf in den eigenen Reihen.
Derweil werden Rufe nach einer Aufklärung der Vetternwirtschafts-Vorwürfe laut. So veröffentlichte die AfD-Basis am Montag eine Erklärung, in der sie scharfe Kritik am eigenen Landesverband übt und die Bundesspitze zur Schlichtung der internen Verwerfungen aufruft. Es gebe eine „historische Chance“ auf eine Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt, heißt es in dem Schreiben. Jene Perspektive werde jedoch nicht durch politische Gegner, sondern durch „hausgemachte Skandale, Machtkämpfe und öffentlich ausgetragene Vorwürfe“ gefährdet. Die Basis fordert eine unabhängige Untersuchung der gegenseitigen Anschuldigungen, darunter Scheinarbeitsverhältnisse, Lobbyismus und Missbrauch öffentlicher Mittel. Das Schreiben sei deshalb ein „letzter Versuch“, Schaden von der AfD abzuwenden.

Auf dem Weg zur absoluten Mehrheit? Der Spitzenkandidat der AfD Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, gilt vielen als Hoffnungsträger.
Wenzel Schmidts „Giftschrank“-Enthüllungen zu Beschäftigungsverhältnissen könnten derweil nur einen Auftakt darstellen. Der 34-jährige Magdeburger, der von Parteikollegen als intelligent, aber hochgradig gefährlich beschrieben wird, soll noch weitaus heftigeres Kompromat bereithalten: Mehrere Personen, mit denen NIUS sprechen konnte, berichten davon, dass Wenzel Schmidt ihnen selbst zugetragen haben soll, Fotos und Beweismittel angehäuft zu haben, die Funktionäre mit Betäubungsmitteln oder in Begleitung von Prostituierten zeigen würden. Belege oder konkrete Fotos will niemand haben oder vorweisen, doch die Geschichten halten sich wacker – ebenso wie die Angst vor etwaigen Publikationen.
Die Angst vor belastendem Material geht um und mit ihr die Sorge, dass die Vetternwirtschaft die Erfolgsaussichten in Sachsen-Anhalt trüben könnte. Wenzel Schmidt, so heißt es, habe nichts mehr zu verlieren und versuche, den Landesverband zu erpressen. Er setze darauf, dass die Partei irgendwann einknicke und er, angesichts womöglich schlimmerer Enthüllungen, wieder in alte Machtpositionen gelange.
Intern heißt es bei der AfD, Wenzel Schmidt habe gedroht: „Ich bin wie Herpes, mich kriegt man nicht weg.“
Auch bei NIUS: Hochstufung zur „gesichert rechtsextremistischen Bestrebung“: Das vollständige AfD-Gutachten des Brandenburger Verfassungsschutzes
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