Eklat in Corona-Kommission: CDU-Politiker greift Maßnahmenkritiker mit dessen Vergangenheit als Opfer von Kindesmissbrauch an
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In der Enquete-Kommission des Bundestags zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie hat der CDU-Abgeordnete Axel Müller einen neuen Tiefpunkt gesetzt. Während einer öffentlichen Anhörung kam es zu einem bemerkenswerten persönlichen Angriff auf den Maßnahmenkritiker Stephan Kohn.
Der CDU-Abgeordnete Axel Müller konfrontierte den Sachverständigen Stephan Kohn während der öffentlichen Anhörung mit dessen schwerer Kindheit als Opfer des Ahrensburger Missbrauchsskandals.
Zunächst fragte Müller: „Hatten Sie den Eindruck, nicht durch ein Virus, sondern durch die Maßnahmen, […] dass da etwas vertuscht werden sollte?“
Kohn antwortete zurückhaltend: „Dazu will ich mich nicht äußern.“
Daraufhin legte Müller nach und sagte: „Sie hatten ein schweres Schicksal, das ist mir wohl bewusst. Ihnen ist großes Unrecht angetan worden in Ihrer Kindheit und Ihrer Jugend, weil etwas vertuscht wurde.“
Die Botschaft war unmissverständlich: Wer selbst Opfer einer jahrelangen Vertuschung war, könne die staatlichen Corona-Maßnahmen nicht objektiv bewerten.
Die Szene im Video:
AfD-Abgeordneter Ziegler schritt sofort ein
Die Szene eskalierte. Der AfD-Abgeordnete Kai-Uwe Ziegler erhob einen Geschäftsordnungsantrag und forderte, die persönlichen Angriffe zu unterbinden. Auch die Vorsitzende Franziska Hoppermann (CDU) griff ein und mahnte deutlich, dass das persönliche Schicksal eines Zeugen in einer Sachanhörung nichts zu suchen habe.
Kohn selbst blieb ruhig. Er erklärte später, seine Lebenserfahrung mit Unrecht und Vertuschung habe ihn resilient gemacht. Und genau diese Eigenschaft sei für jemanden in seiner früheren Position im Krisenmanagement von Vorteil.
Wer ist der Zeuge Stephan Kohn?
Stephan Kohn war bis 2020 Oberregierungsrat im Bundesinnenministerium und zuständig für Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz. Im Mai 2020 hatte er auf eigene Initiative hin einen umfangreichen internen Bericht verfasst, in dem er die Pandemie als „Fehlalarm“ bezeichnete und nachwies, dass die staatlichen Maßnahmen erheblich mehr Schaden angerichtet hatten als das Virus selbst. Kurz darauf wurde er suspendiert und später aus dem Dienst entfernt.

Stefan Kohn blieb ruhig und bedacht trotz des heftigen, persönlichen Angriffs
Kohn ist einer der bekanntesten Betroffenen des Ahrensburger Missbrauchsskandals. In den 70er- und 80er-Jahren wurde er als Jugendlicher von seinem Stiefvater, dem evangelischen Pfarrer Gert-Dietrich Kohl, sexuell missbraucht. Die Kirche vertuschte die Taten über Jahre. 2010 ging Kohn mit der Geschichte an die Öffentlichkeit. Der Fall gilt als einer der größten Missbrauchsskandale der evangelischen Kirche in Deutschland.
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