„Demo gegen Rechts“: Junge Union demonstrierte in Potsdam gegen sich selbst
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Amir MakatovTrotzdem: Zum zweiten Jahrestag des „Geheimtreffen von Potsdam“, am 25. November 2025, demonstrierten in Potsdam unzählige linke Akteure „gegen Rechts“, darunter selbst Vertreter der Jungen Union. Auch mit dabei: das stadteigene, steuerfinanzierte Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“.

„AfD-Verbot jetzt“ oder „Einhörner gegen rechts“ waren die Slogans am Dienstagabend
„Für ein Potsdam mit Haltung“
Im Aufruf zur Demo heißt es: „Vor zwei Jahren trafen sich in Potsdam Teile der extremen Rechten. Sie schmiedeten Pläne zur ‚Remigration‘, der Vertreibung von Millionen Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen. Heute sehen wir, wie diese Ideen immer lauter werden – in Parlamenten, auf Straßen und in den Köpfen vieler.“ Veröffentlicht wurde der Aufruf von der örtlichen Grünen Jugend, den Jusos und der Jungen Union.

Diese Instagram-Accounts teilten den Aufruf.
Im Aufruf erklären die linken Aktivisten, dass die Demonstration „für ein Potsdam mit Haltung: gegen Hass und rechte Ideologie! Für eine gerechte, solidarische und tolerante Gesellschaft für Alle“ steht.
Demonstriert die Junge Union gegen die Unions-Politik?
Fast schon erfrischend wirkt dabei die Teilnahme der CDU-nahen „Jungen Union“ und der Arbeitsgruppe „Junge Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Deutschlands“ (JCDA).

„Wir sind die Brandmauer“ war ein Plakatspruch auf der Demonstration
CDU-Kanzler Friedrich Merz sorgte mit seiner „Stadtbild“-Aussage für eine Rassismusdebatte, indem er die migrantisch geprägten Realitäten auf Deutschlands Straßen ansprach. CSU-Innenminister Alexander Dobrindt setzt derzeit – zumindest auf dem Papier – eine „Migrationswende“ um. Während also die CDU-geprägte Bundesregierung versucht, Migration zu begrenzen, demonstriert die Junge Union in Potsdam bereits gegen die selbst von Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) gewünschten „Abschiebungen im großen Stil“ – und damit auch gegen sich selbst.
Die Junge Union Potsdam scheint einen linken Einschlag zu besitzen. „Die Junge Union Potsdam steht für ein offenes, buntes und freies Deutschland“, heißt es auf ihrer Webseite.
Die Einstufung der AfD als rechtsextrem bezeichnete die Junge Union Potsdam auf X als „wichtigen und längst überfälligen Schritt.“ „Die AfD steht mit ihren menschenfeindlichen und demokratiefeindlichen Positionen klar außerhalb unserer Werte. Sie schürt Ausgrenzung und Hetze – das hat der Verfassungsschutz gründlich dokumentiert“, urteilt die Jugendorganisation.

Keine „Demo gegen Rechts“ ohne Steuergeld
An der Demonstration beteiligten sich zahlreiche weitere Organisationen aus dem linken und linksliberalen Spektrum, darunter die SPD Potsdam, Jusos Potsdam und Brandenburg, die Grüne Jugend Potsdam und Brandenburg, Bündnis 90/Die Grünen und die extrem linke Kleinpartei „Die Andere“. Unterstützt wurde die Veranstaltung außerdem vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), den „Omas gegen Rechts“ und dem Bündnis „Potsdam! bekennt Farbe“.
Letztgenanntes Bündnis ist eine wichtige Institution des lokalen linken Kulturkampfes. Wenn in Potsdam eine „Demo gegen Rechts“ stattfindet, ruft meist eben jenes Bündnis dazu auf, wirbt dafür oder ist direkt daran beteiligt. Vorsitzender des Bündnisses ist der Bürgermeister Potsdams. Bis vor kurzem war es noch der nun abgewählte Mike Schubert (SPD) – seit den Neuwahlen 2025 tritt die parteilose Bürgermeisterin Noosha Aubel in dieser Rolle auf. Während der Bürgermeister den Vorsitz übernimmt, fördert die Stadt den Verein mit üppigen Summen.

Potsdams parteilose Bürgermeisterin Noosha Aubel
Mehr als 55.000 Euro Steuergeld
Allein in den Jahren 2020 bis 2024 finanzierte die Stadt das Bündnis mit mehr als 55.000 Euro Steuergeld. „Potsdam! bekennt Farbe“ sieht sich in seinem Selbstverständnis als Kämpfer für Demokratie und Toleranz. Man engagiert sich „für eine tolerante und weltoffene Stadtgesellschaft“. Das Bündnis schreibt über sich selbst: „Die Gründung des Bündnisses ‚Potsdam! bekennt Farbe‘ ist eng verknüpft mit dem seit 2002 umgesetzten ‚Lokalen Aktionsplan für Toleranz und Demokratie – gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit für die Landeshauptstadt Potsdam‘.“
Eine Sprecherin der Stadt Potsdam erklärte gegenüber NIUS auf die Frage nach einem möglichen Interessenkonflikt – schließlich finanziert die Stadt einen Verein, in dem der Bürgermeister den Vorsitz innehat: „Nein. Das Bündnis ‚Potsdam! bekennt Farbe‘ vereint zivilgesellschaftliche und staatliche Organisationen sowie Institutionen, privatwirtschaftliche und städtische Unternehmen und demokratische Parteien sowie Fraktionen der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung (SVV). Die Landeshauptstadt Potsdam ist nicht Mitglied im Bündnis.“
„Seine Partei sollte Konsequenzen ziehen“
Jan Jacobi, CDU Stadtbezirksvorsitzender Drewitz-Stern-Kirchsteigfeld, erklärt gegenüber NIUS: „Aus gutem Grund ist mein Kreisverband der CDU Potsdam kein Mitglied im Bündnis ‚Potsdam! bekennt Farbe‘. Und wie bekannt ist, ist unsere Stadtfraktion in der Stadtverordnetenversammlung Potsdam auch kein Mitglied. Denn so lange, wie sich dieses Bündnis nicht gegen jegliche Form von Extremismus richtet, das heißt auch gegen Linksextremismus und Islamismus, schließt sich eine Mitgliedschaft nach meiner festen Überzeugung aus.“
Chaled-Uwe Said, Fraktionsvorsitzender der AfD-Stadtfraktion Potsdam ordnet gegenüber NIUS ein: „Es verwundert, dass das ehemalige AfD-Mitglied und jetzige JU-Vorsitzende Teltow-Fläming, Gregory Gosciniak, heute gemeinsam mit Jusos, Grüne Jugend, Linksjugend Solid und anderen Sozialisten gegen ‚Rechts‘ demonstriert, die sonst auch gegen seine Partei die CDU marschieren. Seine Partei sollte Konsequenzen ziehen. Wir als AfD gehen derweil den Weg des Verwaltungsgerichtsprozesses gegen den Betrieb des Bündnisses ‚Potsdam! bekennt Farbe‘, das durch die Landeshauptstadt Potsdam betrieben wird und mit Steuergeldern demokratische, politische Gegner diffamiert.“
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