Wird der Ukraine-Konflikt zum ewigen Krieg?
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Obwohl keine Seite eine realistische Aussicht auf durchgreifenden Erfolg hat, bleiben die Ukraine und Russland in ihren jeweiligen Narrativen gefangen. Die USA haben die Unterstützung der Ukraine nach Europa delegiert und China schaut gelassen zu. So gibt es kaum Chancen für eine diplomatische Lösung, und eine Eskalation ist jederzeit möglich.
„Der ewige Krieg“: Lesern, die noch mit Büchern aufgewachsen sind, dürfte der Titel etwas sagen, denn Joe Haldemans gleichnamiger Antikriegsroman ist eines der bekanntesten Werke gesellschaftskritischer Science-Fiction und getrost in eine Reihe mit Orwells „1984“ oder Huxleys „Schöne neue Welt“ einzuordnen.
Der Roman schildert das Schicksal des Soldaten William Mandella, der nach kurzer harter Ausbildung in den Krieg gegen die Taurier geschickt wird, über die man zwar wenig weiß, die aber von der Propaganda zu blutgierigen Monstern hochstilisiert werden. Der Feldzug wird zu einer einzigen Katastrophe, verursacht von einer unfähigen Militärführung und völliger Ahnungslosigkeit über die Absichten und Fähigkeiten des vermeintlichen Feindes.

Mit Raketen- und Drohnenangriffen halten sich die Kriegsparteien gegenseitig auf Trab.
Als die Überlebenden nach Jahren auf die Erde zurückkehren, hat sich die Gesellschaft durch eine Hungersnot radikal verändert: Zwei Drittel der Erdbevölkerung sind arbeitslos und leben von Sozialhilfe. Zudem wird Homosexualität als Mittel zur Bevölkerungskontrolle massiv propagiert; nahezu ein Drittel der Bevölkerung weltweit ist bereits homosexuell. Der Krieg wird weitergeführt, zu einem nicht geringen Teil auch deshalb, weil allen klar ist, dass ein Ende des Krieges die Wirtschaft ins Bodenlose abstürzen lassen würde. Am Ende stellt sich heraus, dass der Krieg durch eine False-Flag-Attacke des militärisch-industriellen Komplexes ausgelöst wurde, um die Weltwirtschaft zu retten und die Menschheit zu einen.
Haldemans pessimistische Prognosen könnten sich zum Teil als prophetisch erweisen, auch was die Themen Lebensmittelknappheit (Düngemittelmangel) und Kriminalität durch entwurzelte Kriegsrückkehrer und marodierende Banden anbetrifft.
Pattsituation an der Frontlinie
Der Ukrainekrieg ist im vierten Jahr zu einem Stellungskrieg mit nur geringen Frontverschiebungen geworden. Moderne Gefechtsfeldüberwachung und die Evolution der Drohnentechnik machen Raumgewinne durch massive Panzer- und Infanterieangriffe nahezu unmöglich.
Kurzfristiger Erfolg, geschweige denn ein „Sieg“ einer der beiden Kriegsparteien, ist auf absehbare Zeit ausgeschlossen.

Ukrainische Soldaten bedienen eine Haubitze an der Front.
In dieser Situation würde es die Vernunft gebieten, einen Waffenstillstand zu vereinbaren, die Frontlinie einzufrieren und in Verhandlungen für eine Nachkriegsordnung einzutreten, aber das geschieht nicht, was Gründe innerhalb und außerhalb der kriegführenden Parteien hat. Stattdessen gibt es Überlegungen zu deutschen Soldaten an der Front. Für die Regierung in Kiew wäre ein Ende des Kriegsrechts eine Katastrophe, denn es drohen Neuwahlen und die Aufarbeitung von Korruption und Menschenrechtsverletzungen. Außerdem drohen bei der Aufgabe vormals ukrainischer Gebiete Racheakte seitens militanter Nationalisten.
Aber auch Moskau muss innenpolitische Schwierigkeiten fürchten, wenn die selbstgesteckten Ziele der vollständigen „Befreiung“ der früheren Separatistengebiete und der weitgehenden Entwaffnung des ukrainischen Militärs nicht erreicht werden. Schon heute mehren sich die Stimmen, die der Militärführung und dem Auslandsgeheimdienst Versagen vorwerfen.
Angesichts dieser Umstände stehen zwei Verlierer des Konflikts bereits fest, nämlich die Ukraine und Russland. Sie verlieren nicht nur Hunderttausende Soldaten, sondern erleiden auch massive Schäden durch die Zerstörung ihrer Infrastruktur. Russland kann die materiellen Verluste teilweise durch gestiegene Rohstoffpreise ausgleichen, während die Ukraine auf finanzielle und militärische Unterstützung durch die EU angewiesen ist, womit auch der dritte Verlierer genannt wäre, nämlich Europa.
Europa ist der dritte Verlierer
Mit dem Ausstieg der USA aus der Ukraine-Finanzierung trägt Europa die gesamte Last der finanziellen und militärischen Unterstützung und schädigt zudem durch die sanktionsbedingte Blockade russischer Rohstofflieferungen die eigene Wirtschaft, die Rüstungsindustrie ausgenommen.

Aus US-Sicht kann man Präsident Trumps Schachzug, die Unterstützung der Ukraine einzustellen, aber weiterhin Waffen dorthin zu liefern, sofern der europäische Steuerzahler sie finanziert, nur als genial bezeichnen. Rüstungs- und Ölindustrie boomen (LNG ersetzt russische Gaslieferungen) und die Risiken tragen die Ukraine und Europa.
Ein Kredit ohne Tilgungsperspektiven
Der bisherige Gipfelpunkt europäischer Selbstschädigung ist der 90-Milliarden-„Kredit“ für die Ukraine, der in Wirklichkeit eine Schenkung auf Kosten des europäischen Steuerzahlers ist, oder hat man in Berlin und Brüssel schon eine tragfähige Idee, wie man eine Atommacht zu Reparationszahlungen an die Ukraine zwingen könnte? Für den unwahrscheinlichen Fall, dass das russische Militär oder gar das Staatswesen in existentielle Schwierigkeiten geraten, ist die russische Atomdoktrin eindeutig und es ist kaum zu erwarten, dass die Westmächte ihre eigene Existenz durch eine nukleare Antwort aufs Spiel setzen würden.
Die 90 Milliarden Euro werden also wie alle Zahlungen zuvor in der Ukraine versenkt, ohne dass sich dort auch nur das Geringste in Richtung Wirtschaftsentwicklung, Transparenz und Stärkung der Zivilgesellschaft verändern wird. Es gehört dann schon einiges an Chuzpe dazu, wie Friedrich Merz gleich noch 11,5 Milliarden aus deutschen Steuermitteln zusätzlich zu versprechen und gleichzeitig Einschnitte in der Krankenversicherung, dem Ehegattensplitting und bei den Pflegeleistungen (!) anzukündigen und über eine Erhöhung des Rentenalters zu diskutieren. Die Wählerwanderung von den Regierungsparteien zur AfD dürfte hier eine mitentscheidende Ursache haben.
Die USA und China reiben sich die Hände
Wo es Verlierer gibt, gibt es natürlich auch Gewinner. Die USA stehen dabei natürlich an erster Stelle. Sie können sich entspannt zurücklehnen und beobachten, wie sich Russland und Europa gegenseitig beschädigen und als Konkurrenten schwächen. Die Rüstungsindustrie und das Militär können Waffen unter Gefechtsbedingungen testen, ohne das Leben eines einzigen Soldaten zu riskieren, und das Beste daran ist: Die Rechnung bezahlen die Geistesriesen in Europa! Solange der Krieg in der Ukraine weitergeht, wird abkassiert.
China ist in einer ähnlich komfortablen Situation, denn es bezieht russisches Erdgas und -öl zu äußerst günstigen Konditionen, da für Russland die europäischen Märkte weitgehend weggebrochen sind. Der alte Rivale Russland ist zum Schulterschluss verdammt, was im Hinblick auf eine mögliche Konfrontation mit den USA und Russlands Nuklearpotenzial durchaus hilfreich sein könnte. Außerdem gewinnt man durch die Kriegshandlungen wertvolle Erkenntnisse bezüglich der westlichen Waffentechnik und deren möglicher Schwachstellen auch bezüglich der Lieferketten (seltene Erden). Zudem verkauft man Russland durchaus auch militärisch nutzbare Technologie und generiert Einnahmen. Ähnliches gilt für Indien, wenngleich hier eher der Rohstoffbereich von Interesse ist.

Putin reiste im Februar für eine Militärparade sogar nach Peking
Institutionelle Anleger profitieren
Dann gibt es auch noch Gewinner, über die man hierzulande nur ungern spricht. Sie heißen Vanguard, State Street, Capital, Wellington und nicht zuletzt BlackRock. So halten State Street, Vanguard und BlackRock 14 bzw. 8 und 5 Prozent der Anteile an Lockheed Martin, einem der größten Rüstungskonzerne weltweit, in ähnlicher Größenordnung an Raytheon (Patriot-Systeme, +130 Prozent Kursgewinn seit 2022).
BlackRock, Vanguard und State Street verwalten zusammen 30 Billionen Dollar an Vermögenswerten. Der Aktienkurs von BlackRock stieg seit 2022 um 40 Prozent (inklusive Dividenden sogar um 50 Prozent).
State Street legte im Aktienkurs sogar um 45 bis 50 Prozent zu. Das hat angesichts der Dimensionen der Vermögensverwaltung natürlich nur am Rande mit dem Ukrainekrieg zu tun, aber aufgrund der hohen Beteiligungen an Rüstungsfirmen hat man in den Chefetagen auch kein Interesse daran, dass er endet und sich die Bedrohungslage (die durchaus Einfluss auf die Aufträge der Rüstungskonzerne hat) entspannt. Die Marktmacht dieser Firmen ist enorm, denn sie entscheiden, wo (in welche Staaten und Firmen) die Gelder ihrer Kunden investiert werden oder eben nicht. Und so bedarf es auch keiner finsteren Drohungen, um die europäischen Staatenlenker bei der Stange zu halten. Eine Zahlungsunfähigkeit der Ukraine soll unbedingt verhindert werden, deshalb muss das Geld weiterfließen, und wenn nicht aus den USA, dann eben aus Europa. Und Friedrich Merz ist gewiss nicht die Person, die sich dem widersetzen würde, selbst wenn ihm zu Hause die Wähler in Scharen davonlaufen.

Bild der Zerstörung nach einem russischen Luftangriff auf Odessa
Düstere Aussichten
Und so wird der „ewige“ Krieg in der Ukraine weitergehen, denn keiner der Profiteure hat ein Interesse daran, ihn zu beenden. Die EU zahlt weiter, die Bundesrepublik auch, ob die Bevölkerung das möchte oder nicht, und versorgt nebenbei noch 1,4 Millionen Ukrainer auf Kosten der Steuer- und Abgabenzahler. Entlang der Frontlinie sterben weiterhin Tausende vorwiegend jüngere Männer, die ihr ganzes Leben noch vor sich gehabt hätten, für einen Sieg, der niemals eintreten wird, und eine Konfrontation zwischen Russland und der NATO liegt inzwischen durchaus im Bereich des Möglichen.
Joe Haldemans düstere Vision könnte am Ende bittere Realität werden…
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