Anschlag-Verdächtige luden hier zu Treffen: München förderte linksextremes Zentrum mit 2.580 Euro Steuergeld
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Jens WinterDie Stadt München förderte zwischen 2019 und 2021 ein autonomes Münchner Zentrum mit 2.580 Euro Steuergeld. Genau in dieser Zeit luden dorthin Redakteure einer anarchistischen Zeitschrift, gegen die nun die Generalstaatsanwaltschaft wegen Terrorverdachts ermittelt.
Eine jahrelange Brandanschlagserie mit mehr als 50 Taten auf Stromtrassen, Baustellen und Polizeistationen beschäftigt seit zweieinhalb Jahren die Münchner Generalstaatsanwaltschaft. Der verursachte Schaden soll sich auf über 20 Millionen Euro belaufen.
Im Februar letzten Jahres konnte die Polizei die linksextremen Tatverdächtigen Nathalie M. und Manuel Z. festnehmen. Gegen sie und eine dritte Person will die Generalstaatsanwaltschaft Anklage wegen Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erheben.

Bauarbeiter reparieren verbrannte Starkstromkabel in einer Baugrube im Münchner Osten im Mai 2021.
Linksextremisten bei Anschlagserie verdächtig
Mit sechs Anschlägen sollen die dem anarchistischen Spektrum zugehörigen Verdächtigen zu tun haben. Laut Polizei sollen sie zwischen 2019 und 2022 zudem die anarchistische Zeitschrift „Zündlumpen“ herausgegeben haben. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft den Herausgebern vor, „verherrlichende Artikel über bereits begangene schwere Straftaten oder Aufrufe dazu (wie Angriffe gegen Polizeibeamte oder Brandanschläge auf Infrastruktureinrichtungen)“ veröffentlicht zu haben. Auch „anarchistische Propaganda“ hätten sie verfasst – was wohl aber nicht per se strafbar sein dürfte.
Strafrechtlich relevant dürfte hingegen eine Ausgabe von „Zündlumpen“ aus dem März 2021 sein, in der die Herausgeber das vermeintliche Ziel von „Zoom, Netflix & Co., Home Schooling“ und „Home Office“ kritisieren, eine „vollkommen smarte Umgebung“ zu schaffen, die die Menschen zu kontrollieren versuche. „Doch nicht alle sehen tatenlos zu, wie sich dieses Netz verfeinert“, schreiben sie. „Letztes Jahr wurde insbesondere das Abfackeln von Mobilfunkmasten in einigen Ländern wie etwa Italien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden äußerst beliebt.“ Vor allem in Frankreich habe es „schöne Sabotageaktionen“ gegeben.
Mindestens 20 Sachbeschädigungen, Brandanschläge auf Baugeräte, Funkmasten und Gebäude sowie Angriffe auf Polizeifahrzeuge sind in den Ausgaben der Zeitschrift gelistet. Da „Zündlumpen“ zu einem guten Teil während Corona verlegt wurde, findet sich in ihr – wie unter Anarchisten verbreitet – viel Kritik an der Coronapolitik. Dass auch die Klimapolitik als „techno-wissenschaftlicher Totalitarismus“ und der Klimawandel als „Phantasterei einer Rechenmaschine“ bezeichnet wurde, sticht bei ihrem linken Hintergrund aber hervor.

„Zündlumpen“ bezeichnete die Corona-Politik als „totalitär“, genauso wie die Klimapolitik.
Sie riefen zu Treffen in der Ligsalz8 auf
Die unter Terrorverdacht stehenden Herausgeber von „Zündlumpen“ luden zudem regelmäßig zum „offenen anarchistischen Treffen“ ins linksradikale Hausprojekt Ligsalz8. Die Stadt München wiederum förderte gerade zwischen 2019 und 2021 zwei Straßenfeste des Projekts mit insgesamt 2.580 Euro Steuergeld.

In die Ligsalz8 im Münchner Westend luden die Herausgeber von „Zündlumpen“ zu Treffen.
Der Umstand ist besonders vor dem Hintergrund brisant, dass Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) über die bei ihm angesiedelte sogenannte Fachstelle für Demokratie ein eigenes städtisches Antifa-Netzwerk betreibt, das zahlreiche Anknüpfungspunkte zur linksextremen Szene aufweist – auch hier fließt Steuergeld. In „Zündlumpen“ kommt Reiter aber nicht gut weg. In einer Ausgabe, die sich mit Alkoholverboten während Corona beschäftigt, heißt es über das „Bürgermeisterarschloch“: „Dieser Mann will dir dein Bier wegnehmen!“
Schwere Anschläge
Die Zeitung mag stellenweise amüsant und freigeistiger sein als die verbohrten Faschismus-Theorien des Kölner Vulkangruppen-Vordenkers Guido Arnold – trotzdem sind die Verbindungen zu Arnold eindeutig: Als dieser Anfang Januar bei einem Treffen in der anarchistischen Szene in Basel zu Anschlägen auf rechte Influencer aufrief, lag dort eine Broschüre über die Sabotage zweier Mobilfunkmasten in Frankreich durch den Franzosen „Boris“ aus. Dieselben Aufzeichnungen über „Boris“ und seine terroristischen Bestrebungen finden sich auch im „Zündlumpen“.
Auch die Anschläge selbst, von denen einige den Herausgebern zugeschrieben werden und andere in „Zündlumpen“ dokumentiert sind, sind nicht unerheblich. Nachdem im Jahr 2021 ein Anschlag auf Starkstromkabel in einer Baugrube in Berg am Laim über 20.000 Haushalte teils für einen ganzen Tag vom Strom abschnitt, folgten zwischen 2022 und 2024 über 22 Brandanschläge auf Baumaschinen.
2025 kam es zur gravierendsten Serie: Im Januar wurden 23 Fahrzeuge der Hundestaffel der Münchner Polizei in Allach-Untermenzing durch einen Brandanschlag zerstört. Im April folgten in Obersendling zwei durch Brandstiftung zerstörte Bagger, im Mai traf es vier Fahrzeuge der polizeilichen Reiterstaffel in Riem, zwei weitere Fahrzeuge wurden dabei beschädigt. Da die beiden Hauptangeklagten von Februar bis September in U-Haft waren, scheiden sie zumindest für die letzten beiden Taten aus.

Im Januar 2025 zerstört ein Brandanschlag auf die Hundestaffel der Münchner Polizei 23 Fahrzeuge.
Nathalie M. und Manuel Z. bezogen zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung eine illegale Behausung in einem Waldstück im Münchner Süden – eine Gegend, in der zahlreiche Brandanschläge, zumeist auf Bau- und Forstmaschinen, begangen wurden. Ihre Verhaftung erfolgte deshalb in einer Stadtbibliothek, als die beiden am Computer ihre E-Mails lasen. Mittlerweile sind sie wieder auf freiem Fuß.
Da das Münchner Landgericht im Dezember die Anklage für den dritten Beschuldigten abgelehnt hatte und demnach kein für eine terroristische Vereinigung nötiges Drei-Personen-Verhältnis vorliege, läuft das Verfahren über die übrigen Anklagepunkte gegen M. und Z. nun am Münchner Amtsgericht. Die Generalstaatsanwaltschaft hat gegen den Beschluss des Landgerichts Beschwerde eingereicht.
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