Diese Veranstaltungen finden aufgrund steigender Sicherheitskosten nicht mehr statt
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Ein Trend zieht sich quer durch Deutschland: Immer mehr Feste, Märkte und Events fallen nicht etwa wegen mangelnden Interesses aus. Vielmehr stoßen Veranstalter angesichts der steigenden Terrorgefahr an die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit – die Kosten für Sicherheitsvorkehrungen sind schlicht nicht mehr zu stemmen. NIUS zeigt, welche Events den hohen Sicherheitskosten zum Opfer fallen.

Für viele mittlerweile fast Gewohnheit: Betonpoller und Zufahrtssperren auf einem Weihnachtsmarkt in Hamburg
Im November vergangenen Jahres hallt eine Schlagzeile durch die Republik: Der Weihnachtsmarkt im nordrhein-westfälischen Overath fällt ins Wasser. Die Sicherheitsmaßnahmen seien zu teuer. Eigentlich sollte Terrorabwehr Hoheitsaufgabe des Staates sein, aber immer mehr Veranstalter sind dazu angehalten, Fahrzeugsperren, Betonpoller, Sicherheitszäune und geschultes Personal einzusetzen. Ein gigantischer Kostenpunkt.
„PS Days Hannover“ wegen explodierender Sicherheitskosten abgesagt
Dass es sich hier nicht nur um ein Problem kleinerer Veranstalter handelt, zeigt das Beispiel der „PS Days“ in Hannover. Das Tuning-Event der Deutschen Messe AG hatte sich seit seiner Premiere 2022 zu einem Hotspot der Performance-Szene entwickelt. Jahr für Jahr strömten Zehntausende Motor-Fans auf das Messegelände, begeistert von Drifting-Shows, Hochgeschwindigkeits-Rennstrecken und Motocross-Stunts.

Der Eingang der „PS Days“ im vergangenen Jahr, als das Event noch stattfand
Für Juli 2026 stand der Termin längst fest. Dann kam die Absage. Projektleiter Guido Mack erklärte nüchtern, die Kosten für die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen auf dem Gelände seien in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass sich die „PS Days“ wirtschaftlich nicht mehr realisieren ließen. Kein Ausweichen, kein Weiterführen in abgespeckter Form, einfach Schluss.
„Bochum kulinarisch“ abgesagt – rechnet sich nicht mehr

Das Gourmet-Festival im Boulevard der Bochumer Innenstadt im vergangenen Jahr.
Auch das Gourmet-Festival „Bochum kulinarisch“, das für August 2026 geplant war, wird nicht stattfinden. In der offiziellen Absage benennen die Veranstalter neben gestiegenen Kosten für Wareneinsatz, Personal und Energie ausdrücklich auch die Sicherheit und Terrorabwehr als ausschlaggebende Faktoren. Ein Festival, das kulinarische Genusskultur in die Stadt bringen sollte, scheitert an den Kosten für den Schutz vor Terroristen, die die Innenstadt potenziell zur Zielscheibe machen könnten.
WM 2026: Kein Public-Viewing mehr in Hamburg

Public Viewing in Hamburg im Jahr 2024
Das Public Viewing zur Fußball-WM 2026 auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg ist abgesagt worden. Der Grund auch hier: massiv gestiegene Sicherheitskosten, die der Veranstalter nicht mehr stemmen kann. Die Stadt Hamburg hatte zuvor angekündigt, dass sie für die notwendigen Polizeikräfte und Absperrungen keine zusätzlichen Mittel bereitstellen werde, sodass die gesamte finanzielle Last beim Organisator liegen würde.
In den vergangenen Jahren hatten Public Viewings auf dem Heiligengeistfeld Zehntausende Fans angezogen und waren ein großer Erfolg. Die Absage stößt bei vielen Hamburgern und Fußballfans auf Unverständnis, zumal vergleichbare Events in anderen Städten weiterhin geplant sind. Der Veranstalter hofft nun auf alternative Lösungen oder Unterstützung, um ein Public Viewing in kleinerem Rahmen doch noch ermöglichen zu können (NIUS berichtete ausführlich).
Berliner Karneval der Kulturen: Zukunft ist ungewiss

Menschenmassen strömen durch die Hauptstadt. Der Karneval der Kulturen findet seit 1996 statt und würde diesen Sommer 30 Jahre alt werden.
Noch dramatischer ist die Lage beim Berliner Karneval der Kulturen, einem der bekanntesten Straßenfeste Deutschlands. Das Festival, das jährlich Hunderttausende Besucher anzieht, kämpft um sein Überleben. Dem Veranstalter fehlen rund 250.000 Euro – ein Defizit, das unmittelbar mit gestiegenen Auflagen zusammenhängt: Die Mehrkosten für Sicherheit, Produktion und Logistik sind gegenüber dem Vorjahr um rund 200.000 Euro gestiegen. Für den Berliner Senat ist weitere Unterstützung derzeit nicht möglich. Aktuell sei daher unklar, ob und wie der KdK, wie ihn Berliner liebevoll nennen, dieses Jahr stattfinden kann (NIUS berichtete).
Sicherheitsbehörden sagen, dass die Bedrohungslage weiter ansteigt
Die Bedrohungslage durch Terrorismus und Extremismus in Deutschland ist laut Verfassungsschutzbericht anhaltend hoch – und sie steigt weiter an. Es werden wahrscheinlich nicht die letzten Veranstaltungen bleiben, deren Zukunft ungewiss ist. Was bleibt, ist eine paradoxe Lage: Veranstaltungen werden abgesagt, der Sicherheit willen. Dabei war es genau diese Lebendigkeit, diese Normalität auf Stadtplätzen und Festgeländen, die es zu bewahren galt.
Mehr NIUS: NIUS vor Ort in Overath: Anwohner enttäuscht über abgesagten Weihnachtsmarkt
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